Hoyningen-Huene: Sprachphilosophie - Definitionslehre

Die "Grunddisziplin" Metaphysik. Sowie Erkenntniskritik, Erkenntnistheorie und Wissenschaftstheorie.
JoachimStiller
Beiträge: 26460
Registriert: Sa 11. Dez 2010, 19:47
Wohnort: Münster
Kontaktdaten:

Hoyningen-Huene: Sprachphilosophie - Definitionslehre

Beitragvon JoachimStiller » Mo 22. Jun 2015, 15:59

Hier einmal zwei Vorträgsfragmente zur Sprachphilosophie, speziell zur Definitionslehre, die ganz gut sind:

https://www.youtube.com/watch?v=MyWb7-UenPQ

Mir selbst geht es in meiner Erkenntnistheorie übrigens vor allem um den "Erkenntnisprozess"... Ich komme darauf zurück...

https://www.youtube.com/watch?v=wghXoj4UH9w

Gruß Joachim Stiller Münster

JoachimStiller
Beiträge: 26460
Registriert: Sa 11. Dez 2010, 19:47
Wohnort: Münster
Kontaktdaten:

Re: Hoyningen-Huene: Sprachphilosophie - Definitionslehre

Beitragvon JoachimStiller » Mo 22. Jun 2015, 16:59

Ich möchte einmal einen Auszug aus folgendem Werk wiedergeben:

- Winfried Löffler: Grundkurs Philosophie - Band 18: Einführung in die Logik, Kohlhammer/Urban

http://joachimstiller.de/download/philo ... effler.pdf

Auch Winfried Löffler unterscheidet grundsätzlich zwischen stipulativer (synthetischer) Definition und lexikalischer (analytischer) Definiton...

Meine zentrale These zur Definitionslehre lautet wie folgt:

Jeder Begriff ist grundsätzlich definierbar, so lange er nur irgendwie eine Bedeutung hat... Damit bin ich eindeutig Definitionist im Sinne der alten, klassichen sokratisch-platonsichen und später auch aristoteleischen Definitionslehre... Ich selbst habe der Definitonslehre einen ganzen Aphorismenband gewidment, der - so glaube ich wenigstens - ganz gut ist...

http://joachimstiller.de/download/lektu ... tionen.pdf

Und nun machen wir einmal eine Schleifenbewegung in dem Thema... Umberto Eco, der Großmeister der Linguistik und der italienischen Philosophie unterscheidet nun nicht zwischen synthetischer und analytischer Definition... Er fasst beide Arten zusammen zu den Definitionen nach Substanz (im aristotelischen Sinne) und stellt diesen Definitionen nach Substanz die Definitionen nach Eigenschaften (Listendefintion) gegenüber... Das ist eine absolut erstaunliche Neuerung... Eco spricht darüber in den Sternstunden der Philosophie... Seht Euch das Gespräche ruhig einmal an... Es ist wriklich großartig...

https://www.youtube.com/watch?v=nHwjZf_tRCE

Ich selbst war davon so begeistert, dass ich mich von Ecos Ausführungen über die Liste habe inspirieren lassen und einen Aufsatz über philosophische Methodenlehre geschrieben habe... Natürlich als Listensystematik...

http://joachimstiller.de/download/philo ... nlehre.pdf

Gruß Joachim Stiller Münster

JoachimStiller
Beiträge: 26460
Registriert: Sa 11. Dez 2010, 19:47
Wohnort: Münster
Kontaktdaten:

Re: Hoyningen-Huene: Sprachphilosophie - Definitionslehre

Beitragvon JoachimStiller » Di 23. Jun 2015, 03:13

Meines Wissens sind in der Philosophie des 20. Jahrhunderts genau drei Begriffe angeführt worden, die angeblich "nicht" definierbar seien... Ich schreib den entsprechenden Philosophen jeweils dazu:

- Das Gute (Moore)
- Spiel (Wittgenstein)
- Sein (Heidegger)

Ich will einmal alle drei Begriffe abarbeiten und klären, allerdings in umgekehrter Reihenfolge...

Den Begriff Sein hat Heidegger eigentlich schon geklärt, und zwar in den Voraussetzungen, die er "Sein und Zeit" voranstellt... Der Begriff sollte eigentlich erst durch eine Fundamnetalontolgoe geklärt werden wobe Sein und Zeit nur die ersten beidne, rein Existenanalytischen Teile der 6 ursprünglich geplanten Teile sind. Heidegger ahtte ganz richtig verstanden, dass der Begriff "Sein" eien Doppelbedeutung hat, aber er hat es nicht "realisiert", weil er nicht gesehen aht, dass der Begriff "Sein" ein reiner Verstandesbegriff ist, und somit eine Kategorie... In dem Moment aber, wo man erkennt, dass es sich bei dem Begriff "Sein" um eine Kategorie handelt, löst sich das ganze Problem in Wohlgefallen auf... Ich stelle es in meiner eigenen kleinen Fundamentalontologie dar:

Gruß Joachim Stiller Münster
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.

JoachimStiller
Beiträge: 26460
Registriert: Sa 11. Dez 2010, 19:47
Wohnort: Münster
Kontaktdaten:

Re: Hoyningen-Huene: Sprachphilosophie - Definitionslehre

Beitragvon JoachimStiller » Di 23. Jun 2015, 03:24

Wittgenstein hielt hingegen den Begriff "Spiel" für nicht definierbar... Er sprach von Familienähnlichkeiten... Eine wirkliche Definition des Begriffs "Spiel" wird aber von dem niederländischen Kulturanthropologen Johan Huizinga in seinem Hauptwerk "Homo ludens" gegeben:

„Spiel ist eine freiwillige Handlung oder Beschäftigung, die innerhalb gewisser festgesetzter Grenzen von Zeit und Raum nach freiwillig angenommenen, aber unbedingt bindenden Regeln verrichtet wird, ihr Ziel in sich selber hat und begleitet wird von einem Gefühl der Spannung und Freude und einem Bewusstsein des ‚Andersseins‘ als das ‚gewöhnliche Leben‘.“

Ich selbst kam nach weit verzweigten Diskussionen im Philosophie-Raum zu folgender, etwas "unorthodoxer" Definition:

Spiel ist jede Handlung oder Tätigkeit, die die bloß existentiellen Seins- und Handlungsvollzüge in redundanter Weise transzendiert...

Egal, ob man die Definition von Huiziga oder meine eigene bevorzugt, oder ob man versucht, noch eine dritte zu entwickeln, möglicher Weise als Synthese aus den beiden bisherigen Definitionen, eines sollte deutlich geworden sein: Der Begriff Spiel ist wieder Erwarten eben doch definierbar... Das führt mich wiederum zurück zu der schon bekannten These:

Jeder Begriff ist grundsätzlich definierbar, soweit er nur irgendwie eine Bedeutung hat... Und dafür spielt es auch überhaupt keine Rolle, ob ich schon eine Definition gefunden habe, oder nicht...

Gruß Joachim Stiller Münster
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.
Zuletzt geändert von JoachimStiller am Di 23. Jun 2015, 04:04, insgesamt 2-mal geändert.

JoachimStiller
Beiträge: 26460
Registriert: Sa 11. Dez 2010, 19:47
Wohnort: Münster
Kontaktdaten:

Re: Hoyningen-Huene: Sprachphilosophie - Definitionslehre

Beitragvon JoachimStiller » Di 23. Jun 2015, 03:41

Der Analytische Philosoph Morre war der Meinung, dass das moralisch Gute niemals definiert werden kann... Wer versucht, das (moralsich) Gute zu definieren, würde einen "naturalistischen Fehlschluss" (besser: naturalistische Fehlannahme) begehen.... Man sehe sich unbedingt den folgenden Vortrag von Dietmar Hübner an, der hier sehr aufschlussreich ist:

https://www.youtube.com/watch?v=zt1V-MC ... molL_eXvgW

Ich behaupte nun, dass es gar keinen naturalistischen Fehlschluss gibt, und stelle es in dem folgenden Aufsatz dar:

http://joachimstiller.de/download/philo ... chluss.pdf

Also, aus dem Einwand, wer das Gute definiert, begeht einen naturalistischen Fehlschluss, wird nichts... Und jetzt können wir auch versuchen, das (moralsich) Gute zu definieren... Ich selbst tue das wie folgt, auch wenn die Definition nicht von mir selbst stammt, sondern von einem Freund:

Gut ist, was niemandem schadet...

Das führt dann zu folgendem neuen Kategorischen Imperativ (KI):

Handle immer so, dass Du nach Möglichkeit niemandem schadest...

Gruß Joachim Stiller Münster
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.

JoachimStiller
Beiträge: 26460
Registriert: Sa 11. Dez 2010, 19:47
Wohnort: Münster
Kontaktdaten:

Re: Hoyningen-Huene: Sprachphilosophie - Definitionslehre

Beitragvon JoachimStiller » Di 23. Jun 2015, 19:07

Literaturhinweise zur Sprachphilosophie:

- Edmund Runggalder: Grundkurs Philosophie - Band 11: Sprachphilosophie, Kohlhammer/Urban

- T. Blume, C. Demmerling: Grundprobleme der analytischen Sprachphilosophie (UTB)

- Dieter E. Zimmer: So kommt der Mensch zur Sprache – Über Spracherwerb, Sprachentstehung, Sprache & Denken (Haffmanns). Dieses Werk sei dem Leser besonders empfohlen

- Albert Keller: Sprachphilosophie (Alber Kolleg Philosophie)

- F. v. Kutschera: Sprachphilosophie (UTB)

- Interessant ist auch die Sternstunde der Philosophie mit Umberto Eco:

https://www.youtube.com/watch?v=nHwjZf_tRCE

Gruß Joachim Stiller Münster

JoachimStiller
Beiträge: 26460
Registriert: Sa 11. Dez 2010, 19:47
Wohnort: Münster
Kontaktdaten:

Re: Hoyningen-Huene: Sprachphilosophie - Definitionslehre

Beitragvon JoachimStiller » Di 23. Jun 2015, 19:14

Hier noch eben meine eigene Teilschrift zur Sprachphilosophie:

http://joachimstiller.de/download/philo ... sophie.pdf

Gruß Joachim Stiller Münster

JoachimStiller
Beiträge: 26460
Registriert: Sa 11. Dez 2010, 19:47
Wohnort: Münster
Kontaktdaten:

Re: Hoyningen-Huene: Sprachphilosophie - Definitionslehre

Beitragvon JoachimStiller » So 2. Aug 2015, 01:38

Und hier noch eben Auszüge aus dem folgenden Werk zur Linguistik und Sprachphilosophie:

Dieter E. Zimmer: So kommt der Mensch zur Sprache - Über Spracherwerb, Sprachentstehung, Sprache & Denken

http://joachimstiller.de/download/philo ... zimmer.pdf

Ich hoffe immer noch, dass wir in absehbarer Zeit einen eigenen Bereich nur für die Philosophie der Sprache bekommen, aber auch für die Philosophie der Ästhetik... One hat sich allerdings noch nicht wieder gemeldet...

Gruß Joachim Stiller Münster
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.

pampadam
Beiträge: 77
Registriert: Sa 11. Apr 2015, 09:32

Re: Hoyningen-Huene: Sprachphilosophie - Definitionslehre

Beitragvon pampadam » Di 1. Sep 2015, 00:36

Ein gesundes Kind wird geboren.

"Definitionsphase 1": das Kind hat zunächst seinen Körper zu erlernen. Durch Differenzierung des Wahrnehmbaren (auch in der Zeit) nach Form, Farbe...sowie der möglichen Bewegungen/Bewegungsabläufe/Bewegungssequenzen entsteht eine Menge der ersten Definitionen z.B. Arm, Hand, Bein, Rot, Blau, Laute. Diese "Urbegriffe"- so nenne ich sie mal - sind offensichtlich noch nicht benannt; Urbegriffe müssen noch mit Bewegungssequenzen der Stimmbänder "korreliert"(evtl ein schlechtes Wort,..fällt nichts besseres ein) werden, das ist das Benennen.

"Definitionsphase 2": die "Urbegriffe" ("längst" differenzierte Bewegung und Wahrnehmung) werden mit Lauten, gehört von den Erwachsenen, "benannt": natürliche Sprache..bla.. ist einfach das Bennenen vor Paar zeilen.

Da alle Menschen dengleichen Körper besitzen/zur Verfügung stehen haben, sind uns allen die möglichen "Urbegriffe" gleich. Während des Lebens lernt man den Körper immer mehr kennen(sollte zumindest so sein, wenn auch sehr schwer und selten), somit vergrößert sich die Menge der Urbegriffe. Die (andere) Menge an Urbegriffen macht "dumm" und "schlau" aus.

JoachimStiller
Beiträge: 26460
Registriert: Sa 11. Dez 2010, 19:47
Wohnort: Münster
Kontaktdaten:

Re: Hoyningen-Huene: Sprachphilosophie - Definitionslehre

Beitragvon JoachimStiller » Di 1. Sep 2015, 08:21

Was willst Du uns denn jetzt eigentlich sagen? Deine Pseudotheorie über die Schläue eines Kindes, die noch dazu wissenschaftlich haltlos ist, tut hier nichts zur Sache...

Gruß Joachim Stiller Münster

pampadam
Beiträge: 77
Registriert: Sa 11. Apr 2015, 09:32

Re: Hoyningen-Huene: Sprachphilosophie - Definitionslehre

Beitragvon pampadam » Di 1. Sep 2015, 13:07

Es gibt Menschen die selber denken (erdenken), und solche, die das Gedachte der anderen denken.
Die ersten machen die Wissenschaft, die zweiten sind die Wissenschaft. Problem der menschlichen Welt: zu wenig von der ersten Sorte!

Wenn du aber nicht verstehst, dass nur der Körper uns die Information liefert und nicht die "Außenwelt", hast du noch einiges vor dir. Alle Menschen können nur dasgleiche denken, verstehen sich jedoch nicht, weil sie in den Begrifflichkeiten gefangen sind.

Es gibt so viele Gläubige, die sich so nennen, aber wirklich Gläubige gabs nur ein Paar in letzten 2000 Jahren. Die meisten Gläubigen hauen sich mit der Faust auf die Brust, - Ich bin gläubig, ich habs verstanden!, und würden alle umbringen, die diese Tatsache nicht glauben,.... weil sie gar Nichts raffen; sie haben nur das von jemanden Gedachte auswendig gelernt. Genauso verhält es sich in den Wissenschaften.

JoachimStiller
Beiträge: 26460
Registriert: Sa 11. Dez 2010, 19:47
Wohnort: Münster
Kontaktdaten:

Re: Hoyningen-Huene: Sprachphilosophie - Definitionslehre

Beitragvon JoachimStiller » Di 1. Sep 2015, 14:58

Nein, Du hast mich falsch verstanden... Hier geht es um Sprachphilosophie und nicht um Erkenntnistheorie...

Gruß Joachim Stiller Münster

pampadam
Beiträge: 77
Registriert: Sa 11. Apr 2015, 09:32

Re: Hoyningen-Huene: Sprachphilosophie - Definitionslehre

Beitragvon pampadam » Di 1. Sep 2015, 19:39

OK. Ich nehme alles zurück :D .

Ich finde jedoch Erkenntnistheorie und Sprachphilosophie sind im genauen Betrachten schwer zu trennen.

JoachimStiller
Beiträge: 26460
Registriert: Sa 11. Dez 2010, 19:47
Wohnort: Münster
Kontaktdaten:

Re: Hoyningen-Huene: Sprachphilosophie - Definitionslehre

Beitragvon JoachimStiller » Di 1. Sep 2015, 19:51

Ich finde, sie sind sehr gut zu trennen... Das eine hat sogar kaum etwas mit dem anderen zu tun... Zumindest, wenn man mal in die Lehrbücher schaut...

Gruß Joachim Stiller Münster

pampadam
Beiträge: 77
Registriert: Sa 11. Apr 2015, 09:32

Re: Hoyningen-Huene: Sprachphilosophie - Definitionslehre

Beitragvon pampadam » Mi 2. Sep 2015, 00:01

meine Verknüpfung ist eher folgende: Sprache ist der Ausdruck vom etwas Sinnvollen, das im Kopf aus einem Eindruck entstanden ist, somit ist ihre "Aufgabe" einen Sinn zu vermitteln. Und der Sinn an sich ist für mich generell ein Produkt einer Erkenntnis.


Zurück zu „Metaphysik und Erkenntnistheorie“



Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 2 Gäste

cron