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Die Leute sind mit ihrem Denken und Fühlen im allgemeinen ganz der einen oder anderen Anschauung verhaftet, deshalb geneigt, mißverstanden und unterschätzt zu werden, was es mit der anderen Anschauung auf sich hat. Aber keiner ist bereit, von der Warheit, wie er sie sieht , abzulassen,
und so viel ich weiß, ist es noch keinem Menschen gelungen, diese beiden Warheiten oder Anschauungen wirklich in Einklang zu bringen.
Es gibt keinen Punkt, an dem diese beiden Auffassungen vor der Wirklichkeit zusammenflelen. So mussten wir in neuerer Zeit erleben, wie sich eine gewaltige Kluft auftat zwischen einer klassischen Kultur und einer romantischen Gegenkultur - zwei Welten, die sich zusehends einander entfernen, wobei jeder sich jedermann fragt, ob es immer so bleiben wird mit dem in zwei Lager gespaltenen Haus. Das wünscht sich im Grunde keiner,was immer auch der Gegener im anderen lager glauben möge.
Das ist der Kontext, in dem bedeutungsvoll wird, was Phaidros dachte und sagte. Aber niemand hörte ihm seinerzeit zu, man hielt anfangs nur für exzentrisch, dann für lästig, dann für leicht verrückt und zum Schluss regelrecht für wahnsinnig. Ungewöhnliches Verhalten pflegt bei anderen Befremdung hervorzurufen, das wiedrum Verhalten und damit in einem beschleunigten Kreislauf die befremdende Reaktion verstärkt, bis sich alles zu einem dramatischen Höhepunkt zuspitzt.
Einer klassischen Anschauung stellt sich die Welt primär als innere Form dar. Einer romantischen Anschauung stellt sich sie sich primär als unmittelbar wahrnembare außere Erscheinung dar. Würde man einem romantiker eine Maschine oder eine technische Zeichnung oder einen elektronischen Schaltplan zeigen, würde er höchstwahrscheinlich nicht viel Interessantes darin sehen. Es hat für ihn keine Anziehungskraft, die er sieht, weil die Realität die er sieht, Oberfläche ist. langweilige komplizierte Ansammlungen von Namen Zahlen und Linien. Nichts Interessantes. Würde man jedoch die selbe Blaupause oder den selben Schaltplan einem klassischen Menschen zeigen, sahe er sich die sache an und wäre dann voll fasziniert, weil es sehen würde, daß hinter den linienund Formen und Symolen eine ungeheuere Fülle innerer form liegt.
die romantische Anschauungsweise ist vorwiegend durch Inspiration und Phantasie bedingt, kreativ und intuitiv. gefühle wichtiger als fakten. Kunst als Gegensatz zu wissenschaft ist oft romantisch, ihr liegen Gefühle, Intuition und ästhetisches Bewußtsein zugrunde.. In Nordeurope wird die romantische Anschauung für gewöhnlich mit dem Weiblichen in Verbindung gebracht. Die klassische Anschauung beruht hingegen auf Vernunft und auf Gesetzen - die ihrerseits innere Formen von Denken und Verhalten darstellt.. In den europäischen Kulturen ist sie vorwiegend eine männliche Anschauungsweise, und Gebiete wie Wissenschaft, Recht und Medizin sind vorallem deshalb für Frauen uninteressant. Motorradfahren ist romantisch, Motorradwartung hingegen rein klassisch. Der Dreck, das Fett und die erforderliche Meisterung der inneren Form geben ihr einen so negativen romantischen Wert, daß Feauen sich nie daran wagen. Obwohl aüßere Hässlichkeit die klassische Anschauung oft begleitet, ist sie nicht typisch oder wesentlich für sie . Es gibt eine klassische Asthetik, die romantikern oft verborgen bleibt, wiel sie so subtil ist. Der klassische Stil ist direkt, schmucklos, gefühlsfrei, ökonomisch und und von ausgewogenen Proportionen. Er will nicht das Gefühl ansprechen, sondern Ordnung in das Chaos bringen und das Unbekannte bekannt machen.
Alles ist unter Kontrolle. Einem Romantiker kommt die klassische Betrachtung oft stupide und häßlich vor, nichts lässt sich restlos klären bevor es nicht nicht zehm mal durch eden Computer gelaufen ist, alles muss gemessen und bewiesen werden. Bedrückend, Schwer endlos grau, die Todesstrafe.
Innerhalb der klassischen Anschauungsweise tritt jedoch manchmal auch ein romantiker wie ich in Erscheinung . Frivol irrational erratrisch, unzuverlässig , vorwiegend auf Lustgewinn aus. seicht. Ohne Substanz. Oft ein parasit, der seine eigene Bürde nicht tragen kann oder will. Eine rechte Last für die Gesellschaft. Das ist dei Quelle des Übells, die Leute sind mit ihrem Denken und Fühlen im allgemeinen ganz der einen oder anderen Anschauung verhaftet und deshalb immer geneigt, missverstanden und unterschätzt zu werden.
Gruß Sino
_________________ Wir verwirklichen uns nie, wir sind zwei Abgründe -
ein Brunnen der in den Himmel schaut.
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