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 Betreff des Beitrags: Über das Tao Te King ...
BeitragVerfasst: Do 3. Apr 2008, 16:58 
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Heyho

Da ja im Thread über Hochmut die frage aufkam, was ich über das Tao Te King denke, bzw wie ich seinen Inhalt interpretiere, nehme ich mir nun mal die Zeit, ein paar der vielen Gedanken (zunächst die globaleren Ansichten) hier nieder zu schreiben, nicht nur um die Frage zu beantworten, was ich davon halte, sondern eben auch um zu sehen, was ihr davon haltet.

Vorweg sei aber darauf hingewiesen, dass es von dem Tao Te King sehr viele verschiedene Übersetzungen gibt, die durch ihre unterschiedlichen Wortlaute und auch Übersetzungs-Ansätze (Bsp. wortgetreu oder verständlich?) zum Teil sehr variieren. Dadurch ist es zum Teil schwierig, über eine gewollte Aussage der Texte zu spekulieren. Es hat aber auch den Vorteil, dass durch die verschiedenen Texte (zum gleichen Ursprungstext) mehr Spielraum für eine eigene, ganz persönliche Interpretation zur Verfügung steht.

Ich selbst habe eine Übersetzung von Wolfgang Kopp (vom Ansata Verlag), die sehr Wortgetreu und so unverfälscht wie möglich sein soll, und eine von Peter Kobbe (aus dem Goldmann Verlag aus der Arkana-Reihe), die zeitgemäß und für Westliche Leser konzipiert ist. Ich habe zuerst die 1. der beiden einige male studiert, bevor ich mir die 2. zugelegt habe. Zudem habe ich noch Online mal eine oder zwei gehabt. Die Links zu denen werde ich demnächst mal wieder suchen (Googlen hilft aber auch viel ^^)

Und um die Frage Vorweg zu nehmen: Ja, das Tao Te King ist auch das "Dao De Jing". Es handelt sich bei diesen beiden Namen einfach um einen jeweils anderen Dialekt des Chinesischen ^^

Nun aber zu meinen ersten, sehr übergreifenden Ansichten zum Text: ...


Ich denke das Tao Te King (folgend nur kurz TTK genannt) hat einige Kern-Aussagen, die sich durch die gesamten Verse ziehen. Diese werden immer wieder erwähnt oder angespielt und haben durch diese Vielfache Erwähnung sicherlich eine besondere Gewichtung. Ich persönlich interpretiere sie so ...
  1. Das Tao, also der Ursprung der Welt und allen Lebens, ist für uns unbegreiflich bzw nicht "ergreifbar". Durch seine Existenz und zugleich Nicht-Existenz und eben dadurch, dass es keine und zugleich alle Formen inne hat ist es undefinierbar. Dies Spiegelt schlicht einfach die Ansicht wieder, dass wir Menschen die Tiefere Bedeutung der Welt und ihren Ursprung nie 100%ig verstehen können. (Hatten wir da nicht mal nen Thread zur Objektivität? ^^)
  2. Um das "Richtige" zu tun müssen wir das "Nicht-Tun" lernen und anwenden, wobei es sich hierbei nicht um chronische Faulheit handelt, sondern um ein Weglassen der Gedanken beim Tun der Dinge (Einfach zu tun was man Tut, ohne darüber nachzudenken). Ich selbst nenne es gerne "Auf sein Herz hören, ohne dabei Gedanken zu haben". Ich versuche es mal anhand eines Beispieles zu erklären: Wenn ich zum Beispiel eine Katze streichle oder gerade Abwasche oder mir etwas zu essen kaufe, so tue ich dies, ohne dabei Gedanken zu haben. Ich handle einfach aus meinem Herz heraus, ohne etwas mit Gedanken zu bewerten oder zu entscheiden. Ich sage mir nicht "och die Katze ist aber süß" oder "mann ist das schmutzig" oder "der Apfel gefällt mir", sondern tue einfach das was ich tue und spüre mich selbst und die Welt, ohne dies in Geistige Worte zu fassen. Ich hoffe ihr versteht wie ich das meine ^^
  3. Wir sollten nicht bei dem verharren, was wir erschaffen haben, sondern ständig nach Vorne schauen und uns weiter bewegen. Wir sollen nicht danach bewerten, was wir erreicht oder erschaffen haben, sondern in jedem Augenblick wieder alles aus "Jungfräulichen Augen" sehen und so wahrnehmen wie es ist, nicht im Bezug darauf, was wir gemacht, geschaffen oder erreicht haben. Bewertungen wie "gut oder schlecht", "schön oder hässlich" oder überhaupt alles, was etwas "besser" macht als das andere sind nicht von Bedeutung, da sie nur vom menschen selbst kommen. Die Welt selbst kennt keine Bewertungen und wir sollten uns nach ihr richten.
  4. Dadurch, dass wir uns nicht hoher stellen als etwas oder alles um uns herum, sondern uns allem unterordnen, und dadurch, dass wir nichts bewerten oder mit dem Geist versuchen zu ergreifen, sondern es hinnehmen ohne darüber zu nachzudenken, erlangen wir Harmonie mit der Welt um uns herum. Dadurch erlangen wir eine Form der Existenz in ihr, die uns erlaubt, sie anders wahrzunehmen. Losgelöst von unserem "Ego" spüren wir sozusagen den Puls der Zeit und der Welt und handeln im absoluten Einklang mit allem.


So, das als "Globale Ansicht" über die Hauptaussagen des Tao Te King ^^.


Abschließend möchte ich noch anmerken, dass ich es sehr interessant finde, dass trotz des Umstandes, das dieses Buch der Ursprung einer Religion ist, sehr wenig darin über diese Religion als solches steht. Es wird zwar das Tao und seine Form der "Existenz" beschrieben, aber das Spirituelle an sich hat eine sehr untergeordnete Rolle in diesem Buch. So kann man dieses Religionswerk wirklich auch als eine rein ethische Abhandlung lesen, ohne dabei groß in Konflikt mit seinem ganz eigenen Weltbild zu stoßen. Einfach genial ^^

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BeitragVerfasst: Do 3. Apr 2008, 20:10 
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Eigentlich ist der Taoismus für mich nur eine Religion wie jede andere auch, ABER
als ich das las:
Zitat:
....Durch seine Existenz und zugleich Nicht-Existenz und eben dadurch,
dass es keine und zugleich alle Formen inne hat ist es undefinierbar...

hat es mich wie ein Blitz durchfahren, das ist meine Überzeugund seit ich mich zurückerinnern
kann das erste Mal über sowas je nachgedacht zu haben.

Sternstaub aus dem Thread ueber den RK hat geschrieben:
Hmm.. ich denke selbst dem können wir niemals zu 100 Prozent vertrauen...
weiterhin deke ich daß es "gleichzeitig" ebenso auch die Ewigkeit der Nichtveränderung gibt.
(Sorry... aber frag mich nicht wie ich das meine, das könnte ich zur Zeit nicht in Worten wiedergeben,
ohne zu stark Gefahr zu laufen, dass es falsch verstanden oder falsch interpretiert werden würde...werde
mir aber darüber noch mal extra Gedanken machen wie ich das wiedergeben könnte.)

"Alles und zugleich Nichts..."
Und das ist genau das was ich mit meiner Aussage meinte, dass ich das nicht in Worten
wiedergeben könnte, die Veränderung (Alles) und eben gleichzeitig das Konstante (Nichts)....

...erstaunlich wirklich.... quasi wie die Offenbarung eines Traumes.

Über die anderen Punkte könnte ich mit dir streiten, und das nicht schlecht sogar^^
Möchte es aber zu dieser Thematik für mich dabei bewenden lassen...

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BeitragVerfasst: Fr 4. Apr 2008, 08:10 
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Sternstaub hat geschrieben:
Über die anderen Punkte könnte ich mit dir streiten, und das nicht schlecht sogar^^
Möchte es aber zu dieser Thematik für mich dabei bewenden lassen...


Ersätze das Wort "streiten" durch das Wort "diskutieren", und ich bin mit Freude dabei ^^. Nur dabei nicht vergessen, dass es hier um die Interpretation des TTK geht, weniger um eine davon los gelöste eigene Anschauung der Dinge.

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BeitragVerfasst: Fr 4. Apr 2008, 11:52 
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Ähm ja... nur leider fällt es mir sehr schwer über Religion(en) "nur" zu "diskutieren"... :(
Deswegen werde ich mich da auch in Zukunft etwas zurück halten. :)

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BeitragVerfasst: Fr 4. Apr 2008, 13:58 
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Und was ist wenn wir das Thema Religion bei dem TTK nun einfach mal außer acht lassen? Ich bin kein Taoist, aber dennoch bewegt mich dieses Buch jedes mal wieder, wenn ich es nur aufschlage. Wie ich halt geschrieben habe: ...

Nashi himself hat geschrieben:
Abschließend möchte ich noch anmerken, dass ich es sehr interessant finde, dass trotz des Umstandes, das dieses Buch der Ursprung einer Religion ist, sehr wenig darin über diese Religion als solches steht. Es wird zwar das Tao und seine Form der "Existenz" beschrieben, aber das Spirituelle an sich hat eine sehr untergeordnete Rolle in diesem Buch. So kann man dieses Religionswerk wirklich auch als eine rein ethische Abhandlung lesen, ohne dabei groß in Konflikt mit seinem ganz eigenen Weltbild zu stoßen. Einfach genial ^^


Ich denke man kann bei jeder Religion auch über die Ethik reden, ohne dabei die Spiritualität in betracht zu ziehen. Beim TTK mehr als bei anderen Werken.

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BeitragVerfasst: Fr 18. Apr 2008, 07:25 
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Hier nun mal ein Link zu einer Übersetzung des TTKs ...

www.iging.com/laotse/LaotseD.htm

Ich selbst habe zwar andere im Bücherregal, aber um darüber Reden zu können reicht sie vollkommen. Als Anmerkung sei nur noch ein wichtiger Hinweis gegeben: ...

In der Übersetzung steht statt "Tao", wie es in den Meisten Übersetzungen heißt, "SINN", was wie ich finde zwar irritierend ist, aber wirklich stören sollte es nicht, wenn man sich dem Bewusst ist.


www.tao-te-king.org/

Hier ist noch eine Seite, die ich persönlich gut finde, da sie jeweils 2 deutsche Versionen der übersetzten Verse zeigt: Eine wortgetreue und eine poetische. Einfach mal reinschauen ^^

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