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 Betreff des Beitrags: Gott als Gestalt des Gewissens?
BeitragVerfasst: Di 15. Apr 2008, 21:47 
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Hallo zusammen,

ich habe mir folgendes gedacht und es würde mich interessieren, was ihr darüber denkt:

Es geht mir vor allem um religiösen Glauben. Ich persönlich kann nicht recht nachvollziehen, warum die Menschen sich so freudig einer Religionsgemeinschaft anschließen.

Vielleicht ist Gott nur eine Projektion des eigenen Gewissens, als potentiell strafende/belohnende Instanz.
Fast jeder Glaube verspricht immerhin auch, dass der Mensch doch zumindest nach dem Tode noch belohnt wird, wenn er sich an die geltenden Werte gehalten hat, oder andererseits wird er dann eben bestraft. Verstoßen die Menschen gegen geltende Werte haben sie ein schlechtes Gewissen und wenden sich an Gott, er möge ihnen verzeihen. Für mich wirkt es wie eine Projektion einer inneren moralischen Instanz - mag man Über-Ich, Gewissen, wie auch immer nennen - auf ein außenstehendes abstraktes, höheres Etwas.
Möglicherweise ist es damit tatsächlich nur ein Mechanismus der menschlichen Psyche?

Natürlich gibt es da noch andere Aspekte, wie eben die Frage nach dem Sinn, die sich ja auch so gut wie jeder Mensch einmal stellt.


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: Mi 16. Apr 2008, 09:47 
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Registriert: 04.10.07
Beiträge: 154
Wie schon mal gesagt:

Religion als Projektion menschlicher Sinnhaftigkeit in die öde Leere des Universums...

Also die Suche dem Sinn per excellence der uns "ärmlichen Grashälmern"
das Wasser der Sinnhaftigkeit unserer Existenz schenken kann.

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Wir müssen unseren Mitmenschen immer noch die Möglichkeit
lassen, aus jenen Schubladen zu klettern, in die
wir sie vorher selbst hinein gesteckt haben.

(c) by sternstaub 2008


  
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BeitragVerfasst: Mi 16. Apr 2008, 09:58 
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Ich denke du liegst mit deiner These, das die Idee bzw der Sinn von "Gott" im "Gewissen" sicher gar nicht mal so Falsch. So jedenfalls kann man sicherlich die heutigen Beweggründe für die Gläubigkeit vieler Menschen erklären.

Ich denke aber, dass in der Zeit, wo das Phänomen "Religion" entstand, der Sinn weniger im Gewissen lag, sondern eben in der Unwissenheit und dem Wunsch danach, Naturphänomene und Schicksale zu verstehen (Eben weil ein Blitz einschlägt und keiner was von Elektrizität versteht muss da ja was sein, woher der Blitz kommt). Daraus wurde dann immer mehr ein Instrument, das Gewissen zu "füttern" mit Argumenten, warum man sich auch daran halten sollte.

Hierbei muss man aber auch bedenken, das Religionen nicht immer "Gut" waren, wenn man sie mit heutigen Werten betrachtet, denn zum Beispiel bei den Mayas mussten Menschenopfer gegeben werden, damit die Götter zufrieden waren. Das war sicherlich nicht immer im Sinne des Gewissens der Menschen damals ^^

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BeitragVerfasst: Mi 16. Apr 2008, 14:07 
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Ein (Schlechtes) Gewissen kann diese Suche sicher auch auslösen sowie Ängste oder die Furcht
vor etwas... ebenso Verzweiflung oder ähnliches.

Ich denke aber dass es schlichtweg eher die Suche nach DEM Sinn (des Lebens) an sich ist.
Nein, es ist nicht die Suche sondern die Antwort Antwort die am Ende dieser Suche steht.
Suche heißt immer (kognitive) Bewegung und somit Energieverbrauch.
Eine Antwort bedeutet immer das Ende einer Suche, also auch eine Art Energieeinsparung.
Warum soll ich ständig nach einer Antwort suchen die ich sowieso niemals finden werde, dann
habe ich lieber einen Joker im Ärmel der auf alles passt und mir selbst das liefert
was nicht widerlegt werden kann... oder?

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BeitragVerfasst: Mi 16. Apr 2008, 19:11 
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Gott als Joker-Antwort für die Fragen zu nehmen, die man nicht beantworten kann oder will ist sicherlich auch ein guter Grund, gläubig zu sein, doch sind nicht auch viele Gläubige zugleich auch auf der Suche nach Antworten zu gerade solchen Fragen, die man durch "Gott" einfach beantworten und so zur Seite schieben kann? Sicher findet man in Göttern und Religionen Sinn im Leben, aber helfen sie nicht auch, dem Leben noch mehr Sinn zu geben als die Religion selbst, indem sie zugleich Helfen, noch weiter zu schauen als über die eigenen Grenzen?

Kan man nicht eher sagen: Religion ist nicht der Sinn des Lebens selbst, sondern nur ein Sprungbrett, was einem weiter hilft um seine eigene Bestimmung zu finden?

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BeitragVerfasst: Mi 16. Apr 2008, 20:36 
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Eigentlich ging es mir nicht um die Sinnfrage bzw. Gott als Erklärung oder zu sehen. Bestimmt ist das auch ein Aspekt, aber darauf wollte ich nicht hinaus.

Aufgefallen ist mir nur, dass Gott eigentlich für viele Menschen eine ähnliche Funktion einnimmt, wie das Gewissen. Also etwas das eigentlich in jedem Menschen mehr oder minder vorhanden ist. Nur das es so eben nach Außen projiziert wird, auf ein übermächtiges Wesen, mit der Macht zu belohnen oder auch zu bestrafen. Wenn ein Gläubiger etwas als schlecht bewertetes tut, bittet er Gott um Vergebung und erleichtert sich damit seinen inneren Konflikt (mit dem Gewissen).

Immerhin haben die Gottesvorstellungen auch immer etwas mit den gerade gültigen moralischen Werten der Gesellschaft zu tun. Eigentlich stimmen sie sogar immer überein. So erklärt sich auch vielleicht warum die Azteken Menschen opfern konnten, ohne ein "schlechtes Gewissen" zu haben. Die Frage ist dann, hatten sie kein schlechtes Gewissen, weil es ihr Gott so wollte, oder aber hat sich die Vorstellung von Gott den gültigen moralischen Werten angepasst?

Vielleicht ist es in diesem Sinne ein Produkt der menschlichen Psyche.

Das Gott eine Joker-Antwort sein KANN, oder der Glauben ein "Sprungbrett" bei der Sinnfrage sein KANN, ist sicher nicht verkehrt. Meiner Meinung nach ist Religion auch nicht prinzipiell schlecht. Für das Individuum ist es möglicherweise auch gut, nur wenn Religion zum Machtmittel wird, oder Menschen anfangen sich mit einfachen Erklärungen zufrieden zu geben, hat es oft furchtbare Folgen. Aber darauf wollte ich gar nicht hinaus.

Ich hoffe, ihr habt verstanden wie ich das meine...


  
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BeitragVerfasst: Do 17. Apr 2008, 00:17 
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Hmmm... ich weis nicht recht, nein ich denke dem ist nicht so.
Man belädt sein Gewissen mit Schuldgedanken, was ja ansich nicht weiter tragisch
sein sollte. so als ob man eine Mülltonne mit Abfall füllt. Nun hat dieser Abfall
aber die unangenehme Art vor sich hinzustinken. Was dann schon wieder tragisch wäre...
Gott hat aber eine ganz besondere Eigenschafft er entlastet das Gewissen,
da dir ja sämtliche Schuld vergeben wird....
Er ist also einen weiterer Container aber nicht irgendeiner, sonderen
er stellt die Müllverbrennungsanlage dar in der alle Sorgen in Rauch aufgehen, was
die Mülltonne des Gewissens niemals fertig gebracht hätte.

Ich würde sogar soweit gehn und sagen dass ein Gott, der alles vergeben würde,
das Gegenteil unseres Gewissens ist. Er schafft nicht selten sogar das Gewissen ab.
Opferungen, Hexenverbrennung, Kreuzzüge tausende Beispiele..... Legitimation
ünzähliger Verbrechen im Namen des Guten

Aber was sich mir jetzt in den Vordergung zu drängen scheint ist die Frage nach dem
was das Gewissen an sich ist oder sein sollte?

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BeitragVerfasst: Do 17. Apr 2008, 07:11 
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Sternstaub hat geschrieben:
Er ist also einen weiterer Container aber nicht irgendeiner, sonderen
er stellt die Müllverbrennungsanlage dar in der alle Sorgen in Rauch aufgehen, was
die Mülltonne des Gewissens niemals fertig gebracht hätte.


Hmmm, wenn man Gott als den Allvergebenden Sieht, ist das so, aber kommen "böse Menschen" denn nicht in die Hölle, bzw kokeln erstmal ne Runde im Fegefeuer, bis sie dann letztendlich doch im Himmel landen? Ich finde schon, das die christliche Religion eine Art Gewissen darstellt, wenn man sie aus diesem Blickwinkel sieht. (Ich denke mittlerweile ist das Christentum unser Thema hier ^^)

Zitat:
Aber was sich mir jetzt in den Vordergung zu drängen scheint ist die Frage nach dem
was das Gewissen an sich ist oder sein sollte?


Meine Antwort ist dabei Ganz einfach, da ich diese Frage für mich bereits durch den Taoismus bereits geklärt habe: ...

Die Stimme des Herzen, welche, wenn man auf sie hört, einem mitteilt, was man zu tun hat. Wenn man ihr Lauscht und auf sie acht gibt ohne über das erfahrene nachzudenken, handelt man richtig. Sie ist das Gewissen.

Natürlich bin ich auch hierbei offen für jeden weiteren Vorschlag ^^

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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: Do 17. Apr 2008, 09:42 
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Guter Einwand... nashi, aber wer bestimmt denn wer ein "böser Mensch" ist?
Ist es Gott oder vieleicht doch die Kirche?

Wer auf sein Gewissen hört und dabei aber auch Gott sucht,
wird nach den "Regeln" derer handeln mit denen er eine Gemeinschaft
zu Gott bildet.
Sprich gehört er dem Christentum an so wird er versuchen die
10 Gebote so gut es geht einzuhalten.... bei anderen Religionen
andere Regeln befolgen wie Fastenmonate einhalten usw.....
Diese "Regeln" wurden aber von duchaus menschlichen Wesen
erstellt in ihrer Interpretation vom Glauben. Dalte ich diese Gebote oder
Regeln nicht ein gelte ich als böser Mensch und komme ins Fegefeuer
mit nem herzhafen Tritt in den Allerwertesten....

Mit dem Entladen des Gewissens ist es IMO ähnlich,
befolge ich gewisse Rituale der Reinigung etwa oder beichte
dass ich letzten Dienstag gegen 4 Gebote verstossen habe,
liegt die Vergebung dieser Sünden duch eben diese Rituale (vom menschen
geschaffen) genauso beim Menschen...

------
Zitat:
Die Stimme des Herzen...

...das gefällt mir irgendwie

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BeitragVerfasst: Fr 18. Apr 2008, 07:22 
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Ok, mit den Ritualen zur Reinigung bzw Vergebung hast du recht. Daran hatte ich nicht gedacht. Und was die Definition betrifft, so ist es hierbei jede Religion selbst, welche dort die Grenzen zieht, da gebe ich dir auch recht ^^

Kurz um: Du hast mich überzeugt ^^

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 Betreff des Beitrags: Re: Gott als Gestalt des Gewissens?
BeitragVerfasst: Do 4. Dez 2008, 19:33 
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Registriert: 04.12.08
Beiträge: 195
Der Mensch möchte nciht als höchstes Wesen leben und erfindet kurzer Hand eine im höher gestellte Gestalt. Die Rituale zur Reinigung passen einfach deswegen, weil wenn er ihnen übergestellt ist, ist er auch ihr Herrscher.

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Ein Leben ist nur lebenswert, wenn man es mit anderen teilen kann...
http://xmls.mummyblog.com/


  
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 Betreff des Beitrags: Re: Gott als Gestalt des Gewissens?
BeitragVerfasst: Mo 24. Aug 2009, 12:10 
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Registriert: 24.08.09
Beiträge: 4
Wohnort: Berlin
nicht jede religion ist gleich. viele reden reden darüber obwohl sie rein gar keine ahnung vom gleuben haben. wie kannst du den tod beschrieben, wenn du noch nie gestorben bist. du kannst nur annehmen wie es ist. im christentum zum beispiel (das denken viele, was aber unsinn ist) musst du inchts tun für die belohnung. du musst dich nur belohnen lassen. und das es einen gott gibt ist reine logik. irgendwann kommen wir zu dem punkt (sei es die entstehung der welt) dass wir sagen müssen, dass irgendwann eine höhere macht im spiel gewesen sein muss. sogar einstein meinte das.

_________________
x=1
x1=1
x0=1
x0=x1
0=1?
whats wrong?


  
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 Betreff des Beitrags: Re: Gott als Gestalt des Gewissens?
BeitragVerfasst: Mo 24. Aug 2009, 12:51 
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Beiträge: 201
Wohnort: Minett / Luxemburg
Hallo Jack,

Ich denke, das Christentum an sich ist zu sehr zersplittert, um es all allgemeinen Aspekt hinzustellen, dass man nichts tun muss, um belohnt zu werden.

Wenn man allerdings auf der Schiene fährt ist die Schlussfolgerung logisch, dass man glaubt, es gäbe etwas höheres. Doch glücklicherweise fährt nicht jeder auf der Schiene :mrgreen:

Liebe Grüsse


Shade

_________________
Eines Tages wird die Wissenschaft beweisen, dass wir gar nicht existieren (Tahiti)


  
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 Betreff des Beitrags: Re: Gott als Gestalt des Gewissens?
BeitragVerfasst: Mo 24. Aug 2009, 13:08 
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Beiträge: 445
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Ich glaube nur an mich.
Wo und als was ich auch immer sein sollte.

Rudi

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