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 Betreff des Beitrags: Emotionslose Gesellschaft?
BeitragVerfasst: Do 9. Jul 2009, 20:58 
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Registriert: 09.07.09
Beiträge: 3
Guten Tag,

dies ist mein erster Beitrag in diesem Forum, daher zunächst ein freundliches guten abend in die Runde! Normalerweise begnüge ich mich, bei philosophischen Problemen damit, mich über verschiedene Ansichten und Fakten zu informieren, oft finde ich so meinen eigenen Weg.
Jedoch zu einer Frage, die mir von einem Freund gestellt wurde, konnte ich bisher keine überzeugenden Aussagen finden. Ich bitte deshalb hier um eure Meinung zu dem Thema. Gerne auch hinweise zu Philosophischen Richtungen oder Texten!
Damit ich überhaupt einen Anfang finde. Bisher schwebt das Problem nur in meinem Kopf! Vielleicht kennt ihr das! :-)

Ok, der Freund stellte folgende These auf:

Die Gesellschaft entwickelt wachsende Emotionslosigkeit. Emotionen bremsen die wissenschaftliche und soziale weiterentwicklung der Menschheit, daher ist diese Entwicklung evolutionär sinnvoll.
Als existentes Beispiel erwähnte er, lobotomierte Menschen, bei denen durch die Operation alle Emotionen ausgeschaltet wurden, und die nachher wesentlich effizientere Menschen gewesen seien. (Effizienter im Sinne einer kapitalistisch orientierten Lebensführung. Hierzu konnte ich keine Fakten finden, hat da jemand was?)
Sein Schluss: Eine zukünftige Gesellschaft die sich von jeglicher Emotion gelöst hat, und rein rational handelt, sei effizienter in ihrer weiterentwicklung, sowohl technisch als auch sozial. In einer solchen Gesellschft wäre das fortdauern der Menschheit gesicherter als in einer Emotionalen (wie der heutigen).

Ich frage mich:

Ist eine Gesellschaft ohne Emotionen überhaupt möglich. Könnte noch gut von Böse unterschieden werden, bräche nicht vollkommene Anarchie aus? Sind wir ohne emotionen noch menschlich? Sind nicht Emotionen die Triebkraft der Motivation... warum handeln wir, wenn nicht aus Emotionen heraus?

Ich danke im Vorraus für alle Antworten.
*den Hut Lüpft und sich auf die Lauer legt...


Zuletzt geändert von Klatschepurx am Do 9. Jul 2009, 22:06, insgesamt 2-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: Emotionslose Gesellschaft?
BeitragVerfasst: Fr 10. Jul 2009, 08:18 
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PhilMod

Registriert: 03.07.09
Beiträge: 424
Hi Klatschepurx

Eine gute frage, der man einen gewissen Scharm nicht absprechen kann!

Aber um sie im ausreichenden maße beantworten zu können, wären für mich noch einige Parameter hinzu zu fügen. Nämlich, wie sollte diese Gesellschaft strukturiert und hirarchisch aufgebaut sein? Welches politische System sollte dahinter stehen? Ist oder sollte diese Gesellschaft in Kasten aufgeteilt sein? ich meine damit z.B. Mittglieder die nur für die Arbeit zuständig sind, deren einzige Aufgabe darin bestünde von 0800-1700 Uhr zu arbeiten. Eine weitere Kaste wäre nur für die Vortpflanzung, sprich der Zeugung und das
zur Welt bringen des Nachwuchses zuständig. Die nächst Kaste würde die Aufzucht und Ausbildung des Nachwuchses übernehmen. Wieder eine andere müsste die Aufgabe der Selektion, wer für welche Kaste vorgesehen ist, übernehmen. Solche und ähnliche Fragen,
müssten für mich zuerst geklärt sein, um erschöpfend über effizienz und Zukunft einer solchen Gesellschaft sprechen zu können.
Was das soliale Gefüge einer solchen Gesellschaft betrifft, denke ich das es nicht sehr ausgeprägt sein würde. Mann bedenke nur das z.B. Freundschaften, Kneipenbesuche, Konzertveranstaltungen, Gesellschaftliche Ereignisse und vieles mehr eine sehr Emotionale
Komponente besitzen und so in der Form nicht mehr stattfinden würden bzw. einen ganz anderen Stellenwert hätten.

Das wären nun aus meiner Sicht einige Szenarien, die mir zu diesem Thema so sponten durch den Kopf gehen. Wer denkt andes darüber?

m.f.g. plotin

_________________
Wer glaubt das er alles gefunden hat, hat nie gesucht.


  
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 Betreff des Beitrags: Re: Emotionslose Gesellschaft?
BeitragVerfasst: Fr 10. Jul 2009, 08:48 
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Hallo Klatschepurx,

Erst einmal finde ich interessant, dass du selbst unterteilst und genau darauf hindeutest, dass effizient im kapitalistischen Sinn gemeint ist. Effizient ist wieder so ein Wort, welches jeder anders verstehen kann und für mich ist kapitalistisch nicht effizient (ist aber bloss meine Meinung).

Du hast in meinen Augen recht, dass wir emotional handeln und sogar jemand, der dir eine solche These vor Augen hält, handelt emotional, ob er nun will oder nicht. Denn er denkt mit einer gewissen Angst darüber nach, was denn nun passieren würde, wenn die Entwicklung der Menschheit stagnieren würde, es ist sein reiner Überlebenstrieb, der solche Ideen hervorbringt. Eigentlich recht amüsant, dass gerade das, was man verneinen möchte als erstes wieder auf dem Tisch ist ;-)

Gut und böse wären auch nicht mehr zu unterscheiden, weil das, was wir als böse bezeichnen normalerweise aus Emotionen heraus entsteht. Aber auch das sogenannte Gute entsteht aus Emotionen. Ich weiss zwar nicht, ob es wirklich Theorien zu lobotomierten Menschen gibt, zweifle ehrlich gesagt daran, weil ich nicht glaube, dass man dem Menschen das Hirn so entnehmen kann, dass er immer noch "funktioniert" aber nicht mehr fühlt.
Aber es gibt Belege, dass ein Kind ohne Liebe sich nicht recht entwickeln kann. Also wäre das ein Schuss, der nach hinten losgeht.

Was dieser Freund eigentlich aufstellt, ist die These, dass der Mensch sich selbst wie eine Henne in einer Legebatterie halten soll ;-)
Oder um es kritischer auszudrücken: Es mag sein, dass wir emotionslos effizienter sind, aber welchen Grund gäbe es dann noch, effizient zu sein? Es gäbe dann nämlich auch keine Kunst mehr oder irgendetwas, das es "wert" wäre, um in die Zukunft getragen zu werden.


Liebe Grüsse


Shade

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Eines Tages wird die Wissenschaft beweisen, dass wir gar nicht existieren (Tahiti)


Zuletzt geändert von Shade am Fr 10. Jul 2009, 09:30, insgesamt 1-mal geändert.

  
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 Betreff des Beitrags: Re: Emotionslose Gesellschaft?
BeitragVerfasst: Fr 10. Jul 2009, 10:58 
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Registriert: 09.07.09
Beiträge: 3
Guten morgen,

und zunächst einmal schönen dank für die ersten Denkanstöße. Die Beschränkung der "Effizienz" in dieser Frage habe ich nicht aus eigenen Wertvorstellungen vorgenommen, sondern eben wegen der enorm vielfältigen Deutungsmöglichkeit. Irgendwas muss man da ja festlegen. Aber wenn jemand davon abweichen möchte in seinen Ausführungen: Nur zu ich bin gespannt und lesefreudig! :-)

In einem anderen Forum wurde mir zu diesem Thema übrigens der Film "Equilibrium" ans Herz gelegt. Ich habe ihn selbst noch nicht gesehen, werde mich allerdings heute darum bemühen.

Ich freue mich auf weitere Antworten.

Bis bald!


  
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 Betreff des Beitrags: Re: Emotionslose Gesellschaft?
BeitragVerfasst: Fr 10. Jul 2009, 12:12 
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Registriert: 09.07.09
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Eine weitere Ergänzung:

Ein anderer Freund mit dem ich diese Problem besprochen habe gab mir folgende Denkanstöße, die ich so interessant fand, dass ich sie teilen möchte:

1. Löst sich in dieser Gesellschaft das Individuum auf und agiert die Menschheit dann als ein einziger großer Organismus?
2. Wie geht eine solche gesellschaft mit alten und kranken Menschen um?

So nun lasse ich euch ungestört denken.

Habt noch einen schönen Tag!


  
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 Betreff des Beitrags: Re: Emotionslose Gesellschaft?
BeitragVerfasst: Fr 10. Jul 2009, 13:04 
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Registriert: 10.07.09
Beiträge: 1
Einen schönen guten Tag :)
Ich würde gerne etwas zu der gestellten Frage beisteuern.
zum Einen fiel mir bei einem Beitrag der unübersehbare Einfluss eines sehr bekannten Romans namens "Brave new world" auf, in dem eben gerade diese Einteilung der Menschen in niedere und höhere Kasten und deren spezifische Abrichtung auf gewisse Tätigkeiten zu einem reibungslosen Geschehen beitragen. Die Idee einer solchen "effizienten" Gesellschaft ist also nicht neu. Was ich besonders gut an diesem Roman finde, ist dass durch einen äußeren Störfaktor, den man allgemein als emotionales Wesen bezeichnen könnte, eben diese Ordnung ins Wanken gebracht wird..

was mich auch zu meinem zweiten Gedanken im Bezug auf diesen Thema führt.
Wer bestimmt Gesellschaften überhaupt? Sind das nicht die aktiven Mitglieder und Personen die diese Gesellschaft formen? Wodurch ist gesagt, dass diese Entwicklung hin zu einer effizienten, emotionslosen Gesellschaft (die meines erachtens zwar spürbar aber nicht übermächtig ist) linear und global ist?
Gesellschaften gibt es zu Hauf, in allen möglichen Formen, wer sagt also, dass der Mensch irgendwann komplett und überall zum rationalen Wesen wird?

Außerdem gibt es schon heute beste Beispiele für Gegenbewegungen. Auch wenn alle immer ihren aus eben diese übermäßigen Effizinez resultierenden Frust an kommendem Beispiel ablassen und sich darüber aufregen: Was ist denn mit den ganzen EMOs? Die Namensgebung (abgeleitet von der Musikrichtung emotional punk) bezieht ja gerade diesen wichtigen Faktor mit ein. Und egal ob Emotionen nun Freude Trauer, Hass, Liebe, gut oder böse sind - sie sind doch effektiv vorhanden. Es ist jetzt keine 68er Revolution die auf die Barrikaden geht, aber es ist meines Erachtens nach ein spürbarer Widerstand gegen bestehenden Strukturen.
Emotional gegen effizient - es schreibt sich nur niemand so prägnant auf seine Fahnen.

Was ich damit sagen will ist, dass Gesellschaften bewegt sind. Sie funktionieren nur durch permannten Austausch und "Bewegung". Eine Gesellschaft die stagniert ist schon auf dem Weg des Niedergangs. Geschichtliche Beispiele zeigen es. Das römische Kaiserreich war nur der Auftakt hin zu einem Zerfall. Die Bündelung absoluter Macht an der spitze nur der Auslöser für eine innere Zerrüttung des Systems.

Ich glaube zwar, das der Mensch durch seinen technischen Fortschritt starken Einfluss auf seine Entwicklung, sogar im biologisch evolutionären Sinne nimmt, aber auch die Natur ist ein Faktor den wir nur bis zu einem winzigen Grad kontrollieren können. Und deshalb denke ich nicht, dass der Mensch dazu in der Lage ist emotionslos zu werden.

Danke fürs Lesen. Bin jederzeit offen für Anregungen zu meiner Sicht.
:)


  
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 Betreff des Beitrags: Re: Emotionslose Gesellschaft?
BeitragVerfasst: Fr 10. Jul 2009, 13:25 
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Beiträge: 201
Wohnort: Minett / Luxemburg
Hallo Klatschepurx,

1. Löst sich in dieser Gesellschaft das Individuum auf und agiert die Menschheit dann als ein einziger großer Organismus?

Nicht unbedingt, denn eine Zusammenarbeit benötigt auch Mitgefühl anderen Menschen gegenüber - also ein Gefühl, das dann nicht mehr existent sein würde.

2. Wie geht eine solche gesellschaft mit alten und kranken Menschen um?

Weg mit ihnen, sie sind nicht effizient.


Mich erinnert dies sehr an ein Aphorismus, welches ungefähr folgendermaßen ging: Der Computer ist die natürliche Weiterentwicklung des Menschen: Intelligenz ohne Gewissen.
Weiterhin gab es mal ein Buch von einem französischen Autor, in welchem ein Computer eine ganze Stadt leitete. Benötigte dieser Computer Strom um die Menschen zu schützen, schaltete er die Herz-Lungen-Maschinen der alten Menschen ab.
Sollte sich die Welt also wirklich so weiterentwickeln, dann wissen wir ja, was uns erwartet ;-)


Liebe Grüsse


Shade

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 Betreff des Beitrags: Re: Emotionslose Gesellschaft?
BeitragVerfasst: Fr 10. Jul 2009, 14:51 
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PhilMod

Registriert: 03.07.09
Beiträge: 424
Hallo Klatschepurx

Zwei mögliche Thesen auf deine Fragen!

1.) Die Emotionslose Gesellschaft ist nur auf Produktion durch Funktion ausgerichte, dass bedeutet für mich, schadhafte und nicht funktionierende Individuen werden entsorgt und durch neue und funktionierende ersetzt. Was auch gleichzeitig die Antwort nach deren verhalten und deren Verantwortung gegenüber den Alten beantwortet, "Es gibt keine Alten, die wurden alle rechtzeitig ersätzt".

2.) Die ein Organismusthese seheint mir eine ganz interessante und vor allem keine unmögliche zu sein, man muss sich nur die Evolutionsgeschichte betrachten um zu sehen welch großatige Dinge sie im stande ist hervor zu bringen. Natürlich kann das nicht von heute auf morgen geschehen sondern immer nur Schritt für Schritt.
Der erste dieser Schritt wäre nun die Aufgabe der Emotionen, ein weiterer die Aufgabe des eigenständigen Denken usw................., der letzte Schritt ist dann wohl die Aufgabe des eigenen Ich´s und ein Verlassen des eigenen Körpers um in einem Metaphysischen stofflichen oder nichtstofflichen "Etwas" aufzugehen. Wie oder was dieses "Etwas" sein
könnte, dazu fehlt mir zur Zeit noch die Vorstellung um es mit Worten beschreiben zu können, aber ich arbeite daran.

m.f.g. plotin

_________________
Wer glaubt das er alles gefunden hat, hat nie gesucht.


Zuletzt geändert von plotin am Fr 10. Jul 2009, 17:50, insgesamt 1-mal geändert.

  
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