Beate hat geschrieben:
Auch für mich sind innere Ruhe und Zufriedenheit erstrebenswert, wie wohl für jeden Menschen auf dieser Welt. Ich glaube nicht, dass sie allein durch die innere Einstellung bzw. das Denken erreicht werden können. Dazu spielen zu viele Einflüsse mit hinein, die nicht in uns selbst begründet sind, sondern durch die Vielfältigkeit der Menschen an uns herangetragen werden und von uns nicht beeinflusst werden können.
So müssen also gewisse Dinge ausserhalb von uns geschehen, damit wir uns verändern können bzw. die uns zu Veränderung fähig macht?
Seien es jetzt Mitmenschen, die uns wichtig sind, oder ein anderes einschneidendes Erlebnis usw.?
Beate hat geschrieben:
Was die Änderung eines Menschen allein durch denkerische Leistung betrifft: Beruht nicht auch das Denken des Menschen auf Erlerntem?
Mhm, demnach ist also das Denken unweigerlich abhängig von anderen Faktoren, also ist es schon nur deshalb nicht möglich, sich selbst nur durch das Denken zu beeinflussen.
Das verstehe ich.
Allerdings habe ich eine etwas andere Vorstellung davon, was endgültige Erkenntnis ist. Für mich heisst das nicht zwingend, nichts mehr erlernen zu können, denn ausgelernt hat man (zum Glück) nie.
Wenn ich von endgültiger Erkenntnis spreche, meine ich vielmehr einen allgemeinen Zustand, der ein festes Fundament einer Person bildet. Ich weiss nicht, wieso ich diese Vorstellung habe, aber bestimmt hattet ihr auch schon Situationen erlebt, in denen alles in Ordnung war und euch (eurem Gefühl nach) nichts aus der Ruhe bringen konnte. Endgültige Erkenntnis bedeutet für mich, den Kampf gegen die Angst gewonnen zu haben, und ich selbst bin davon überzeugt, dass man zu einem andauernden Triumphgefühl fähig ist.
Auch "dumme" Leute, die weder lesen, schreiben noch rechnen können, können dieses Gefühl haben, obwohl sie eigentlich noch eine Riesenmenge zu lernen hätten.

Oder etwa nicht?
Beate hat geschrieben:
Jeder Mensch zieht aus seinen Erfahrungen und durch seine Anlagen bestimmte Schlüsse aus dem, was er erfahren, erlernt hat, und ist dadurch in der Lage, sich und sein Verhalten zu ändern - wenn er es denn möchte.
Das sich verändern WOLLEN heisst also, dass das Denken doch in einem gewissen Masse selbständig ist und es Veränderungen möglich macht. Dann ist das Ich nicht komplett festgelegt.
Ihr sagt: Endgültige Erkenntnis ist nicht möglich.
Ich sage: Endgültige Erkenntnis ist möglich. Und ist das Ich tatsächlich nicht komplett festgelegt, so kann diese Erkenntnis theoretisch jeder erreichen, denn sie wäre eine charakteristische Veränderung, eine undefinierte Eigenschaft, eine Ergänzung.
Das kann gelingen mit Hilfe seines denkerischen Vermögens, das, wie Beate behauptet (und dem ich zustimme), abhängig ist von Anlage und Umwelt.