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Ein bischen zu meinem Hintergrund: Ich bin sehr interessiert an wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Themen. Ich bin nicht religös (im herkömlichen Sinne), glaube aber an gewisse Werte, die ich bisher als universell und absolut ansah und wohl immer noch ansehe. Man könnte auch sagen, ich glaube an das Gute, etwas das es anzustreben gilt, wobei das Gute wie gesagt einen absoluten Charakter hat und über den Dingen steht, so dass also das Streben nach dem Guten auch keiner besonderen Ligitimation bedarf, sondern von sich aus schon automatisch richtig und recht ist (allerdings nur wenn es denn wirklich das wahre Gute ist ) Der Unterschied zu z.b. im Namen ihrer Religion mordenden Fanatikern wäre, dass diese nur glauben, das Richtige zu tun und eine Legitimation zu haben, diese jedoch falsch ist, da sie bewusst oder unbewusst nicht das absolut Gute anstreben und ihr Weg dahin unvereinbar mit dem wahren Guten ist.
Nun habe ich seit meiner Jugend die Philosophie der Religion vorgezogen, da ich persönlich glaube, dass die Philosophie einen eher zur Erkenntnis und Wahrheit bringt, als die Religion, z.b. weil die Philosophie das freie Denken fordert und fördert und sich neuesten Erkenntnissen schneller anpasst, anstatt sie zu verleugnen. Im Gegensatz dazu scheint Religion oft nicht zu wollen, dass das Individuum selber denkt. Religion ist oft autoritär und beruft sich oft auf Schriften, die am Ende auch nur von Menschenhand erstellt und schon vielfach umgeschrieben wurden, oft auch fehlerhaft übersetzt wurden, sei es, weil es die entsprechenden Wörter nicht gab, man es seinem Kulturkreis recht machen wollte, oder man bestimmte eigennützige Ziele im Auge hatte. Wobei am Ende nicht einmal sicher ist, ob der Urheber der Orginalschriften überhaupt schon richtig lag, er war schliesslich auch nur Gefangener seiner Zeit. Hier unterstellt die Religion dann einfach, dass er von Gott gesteuert wurde und dass er somit nicht falsch liegen kann. Die Philosphie hingegen erlaubt es einem, Sachverhalte in Frage zu stellen, auch die Thesen der grössten Philosophen, und das Hinterfragen und selber Denken macht einen mündigen Menschen meiner Meinung nach aus.
Ok, zurück zum Thema: Trotz dieser Sicht habe ich an universelle/absolute Werte geglaubt und diese zu erkennen und die Menschheit ein Stück weiter in diese Richtung zu bringen, sehe ich als wichtiges Ziel.
In den letzten Wochen musste ich aber sehen, dass gerade dieser Standpunkt von den modernen Philosophen scheinbar bekämpft wird und sich auch die Wirtschaft und die Politik dieser Sichtweisen bedient. Wenn man an Ideale glaubt, die anzustreben sind, wird man scheinbar automatisch als Spinner abgetan. Werte seien schliesslich relativ, damit kann dann eigentlich auch alles wertvoll sein, z.b. auch Unterdrückung und Ungerechtigkeit. Das ist natürlich eine tolle Ligitimation für jeden, der es ganz gleich wie an die Macht schafft und in der Lage ist, seine Werte durchzusetzten. Unter diese Sicht hätte sogar Hitler und die Gesellschaft im Dritten Reich seine Berechtigung gehabt und die Bewertung der Nazi-Ideologie und -verbrechen eigentlich relativ.
Mir persönlich verdirbt diese Relativierung von Werten, mit der sich eigentlich alles rechtfertigen lässt, die Lust an der Philosophie. Ich glaube, das es so etwas wie absolute Werte gibt. Genauso wie ich nicht beweisen kann, dass ich einen freien Willen habe, aber weiss, das das im Endeffekt auch egal ist, da für mein menschliches Leben eigentlich nur wichtig ist, dass ich das Gefühl eines freien Willens habe, so glaube ich auch an das Gute. Selbst wenn das Gute objektiv so schwammig ist, wie der freie Wille, so glaube ich doch, dass das Streben nach dem Guten zu dem Menschsein gehören sollte.
Würde man Leben und Bewusstsein vom Standpunkt eines imaginären Beobachters betrachten, dem nur die chemischen und biologischen Vorgänge analytisch zugänglich wären, aber nicht Gefühle, dann hatte der Mensch meiner Meinung nach aus der sicht gar keine Daseinsberechtigung. Wenn man den Mensch auf ein biochemisches System reduziert und dann etwas die Menschheit auslöschen würde, wäre es nicht mehr oder weniger schlimm, als ein zerbrochenes Glass. Es ist meiner Meinung nach das, was man nicht fassen kann, woraus sich eine Daseinsberechtigung des Menschen ergibt, die man ebenfalls nicht weiter begründen kann und muss. "Das Ganze ist mehr als Summe seiner Teile."
Und genauso wie man dem Denken und Handeln einen Wert zuordnet, obwohl Gedanken aus der Sicht des imaginären Beobachter also meinetwegen aus der Sicht eines Aliens nur biochemische Prozesse sind und das Handeln eigentlich nur Mechanik, aus dessen sich kein besonderer Respekt gegenüber dem Organismus herleiten liesse, so hat diese Kreatur Mensch meiner Meinung nach doch einen nicht-materiellen Wert, den man ihm speziell als Mitmensch nicht absprechen kann und darf.
Ich frag mich, ob die Philosophie mit ihrem Rationalismus und ihrer Relativierung der Werte nicht manchmal zu weit geht. Kann es ein aktzeptabler Wert sein, wenn man einem anderen Menschen den Wert abspricht ? Was ist Menschsein ? Hat jeder Mensch nicht das Recht Mensch zu sein und wie ein Mensch leben zu dürfen ?
Von daher: Für mich haben Ideale wie Menschenrechte, Recht auf Leben, Recht auf Bildung usw., Gleichstellung Mann und Frau usw. absoluten Charakter, da man sonst anderen Menschen das Menschsein oder grosse Teile davon verweigert. Ich frag mich, was viele Mitmenschen erwarten ? Das man ihre Intoleranz toleriert, weil Werte nur relativ sind ? Wird man zum Utopisten und Spinner, wenn man absolute Werte ansetzt und sich dafür einsetzt, das alle Menschen Mensch sein dürfen und man Menschen als Menschen respektiert ?
Ich glaube, da wäre ich nach allgemeiner rationional fundierter Meinung trotzdem lieber so ein irrationaler Spinner, als jemand, der sich auf dem Status Quo ausruht und bestimmten Menschen das Menschsein nicht zubilligt, weil alles ja relativ ist und eigentlich nur zählt, dass es mir und meinem direkten sozialen Umfeld gut geht.
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