Philosophie-Forum.com
Aktuelle Zeit: Fr 30. Jul 2010, 03:19

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde [ Sommerzeit ]




Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 4 Beiträge ] 
Autor Nachricht
 Betreff des Beitrags: Werte, alles relativ ? der Wert des Menschen, Lebens usw.
BeitragVerfasst: So 31. Aug 2008, 18:52 
Offline

Registriert: 31.08.08
Beiträge: 1
Ein bischen zu meinem Hintergrund:
Ich bin sehr interessiert an wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Themen.
Ich bin nicht religös (im herkömlichen Sinne), glaube aber an gewisse Werte, die ich bisher als universell und absolut ansah und wohl immer noch ansehe. Man könnte auch sagen, ich glaube an das Gute, etwas das es anzustreben gilt, wobei das Gute wie gesagt einen absoluten Charakter hat und über den Dingen steht, so dass also das Streben nach dem Guten auch keiner besonderen Ligitimation bedarf, sondern von sich aus schon automatisch richtig und recht ist (allerdings nur wenn es denn wirklich das wahre Gute ist )
Der Unterschied zu z.b. im Namen ihrer Religion mordenden Fanatikern wäre, dass diese nur glauben, das Richtige zu tun und eine Legitimation zu haben, diese jedoch falsch ist, da sie bewusst oder unbewusst nicht das absolut Gute anstreben und ihr Weg dahin unvereinbar mit dem wahren Guten ist.

Nun habe ich seit meiner Jugend die Philosophie der Religion vorgezogen, da ich persönlich glaube, dass die Philosophie einen eher zur Erkenntnis und Wahrheit bringt, als die Religion, z.b. weil die Philosophie das freie Denken fordert und fördert und sich neuesten Erkenntnissen schneller anpasst, anstatt sie zu verleugnen.
Im Gegensatz dazu scheint Religion oft nicht zu wollen, dass das Individuum selber denkt. Religion ist oft autoritär und beruft sich oft auf Schriften, die am Ende auch nur von Menschenhand erstellt und schon vielfach umgeschrieben wurden, oft auch fehlerhaft übersetzt wurden, sei es, weil es die entsprechenden Wörter nicht gab, man es seinem Kulturkreis recht machen wollte, oder man bestimmte eigennützige Ziele im Auge hatte.
Wobei am Ende nicht einmal sicher ist, ob der Urheber der Orginalschriften überhaupt schon richtig lag, er war schliesslich auch nur Gefangener seiner Zeit. Hier unterstellt die Religion dann einfach, dass er von Gott gesteuert wurde und dass er somit nicht falsch liegen kann.
Die Philosphie hingegen erlaubt es einem, Sachverhalte in Frage zu stellen, auch die Thesen der grössten Philosophen, und das Hinterfragen und selber Denken macht einen mündigen Menschen meiner Meinung nach aus.


Ok, zurück zum Thema: Trotz dieser Sicht habe ich an universelle/absolute Werte geglaubt und diese zu erkennen und die Menschheit ein Stück weiter in diese Richtung zu bringen, sehe ich als wichtiges Ziel.

In den letzten Wochen musste ich aber sehen, dass gerade dieser Standpunkt von den modernen Philosophen scheinbar bekämpft wird und sich auch die Wirtschaft und die Politik dieser Sichtweisen bedient. Wenn man an Ideale glaubt, die anzustreben sind, wird man scheinbar automatisch als Spinner abgetan.
Werte seien schliesslich relativ, damit kann dann eigentlich auch alles wertvoll sein, z.b. auch Unterdrückung und Ungerechtigkeit. Das ist natürlich eine tolle Ligitimation für jeden, der es ganz gleich wie an die Macht schafft und in der Lage ist, seine Werte durchzusetzten. Unter diese Sicht hätte sogar Hitler und die Gesellschaft im Dritten Reich seine Berechtigung gehabt und die Bewertung der Nazi-Ideologie und -verbrechen eigentlich relativ.

Mir persönlich verdirbt diese Relativierung von Werten, mit der sich eigentlich alles rechtfertigen lässt, die Lust an der Philosophie. Ich glaube, das es so etwas wie absolute Werte gibt. Genauso wie ich nicht beweisen kann, dass ich einen freien Willen habe, aber weiss, das das im Endeffekt auch egal ist, da für mein menschliches Leben eigentlich nur wichtig ist, dass ich das Gefühl eines freien Willens habe, so glaube ich auch an das Gute. Selbst wenn das Gute objektiv so schwammig ist, wie der freie Wille, so glaube ich doch, dass das Streben nach dem Guten zu dem Menschsein gehören sollte.

Würde man Leben und Bewusstsein vom Standpunkt eines imaginären Beobachters betrachten, dem nur die chemischen und biologischen Vorgänge analytisch zugänglich wären, aber nicht Gefühle, dann hatte der Mensch meiner Meinung nach aus der sicht gar keine Daseinsberechtigung.
Wenn man den Mensch auf ein biochemisches System reduziert und dann etwas die Menschheit auslöschen würde, wäre es nicht mehr oder weniger schlimm, als ein zerbrochenes Glass.
Es ist meiner Meinung nach das, was man nicht fassen kann, woraus sich eine Daseinsberechtigung des Menschen ergibt, die man ebenfalls nicht weiter begründen kann und muss. "Das Ganze ist mehr als Summe seiner Teile."

Und genauso wie man dem Denken und Handeln einen Wert zuordnet, obwohl Gedanken aus der Sicht des imaginären Beobachter also meinetwegen aus der Sicht eines Aliens nur biochemische Prozesse sind und das Handeln eigentlich nur Mechanik, aus dessen sich kein besonderer Respekt gegenüber dem Organismus herleiten liesse, so hat diese Kreatur Mensch meiner Meinung nach doch einen nicht-materiellen Wert, den man ihm speziell als Mitmensch nicht absprechen kann und darf.

Ich frag mich, ob die Philosophie mit ihrem Rationalismus und ihrer Relativierung der Werte nicht manchmal zu weit geht. Kann es ein aktzeptabler Wert sein, wenn man einem anderen Menschen den Wert abspricht ? Was ist Menschsein ? Hat jeder Mensch nicht das Recht Mensch zu sein und wie ein Mensch leben zu dürfen ?

Von daher: Für mich haben Ideale wie Menschenrechte, Recht auf Leben, Recht auf Bildung usw., Gleichstellung Mann und Frau usw. absoluten Charakter, da man sonst anderen Menschen das Menschsein oder grosse Teile davon verweigert.
Ich frag mich, was viele Mitmenschen erwarten ? Das man ihre Intoleranz toleriert, weil Werte nur relativ sind ? Wird man zum Utopisten und Spinner, wenn man absolute Werte ansetzt und sich dafür einsetzt, das alle Menschen Mensch sein dürfen und man Menschen als Menschen respektiert ?

Ich glaube, da wäre ich nach allgemeiner rationional fundierter Meinung trotzdem lieber so ein irrationaler Spinner, als jemand, der sich auf dem Status Quo ausruht und bestimmten Menschen das Menschsein nicht zubilligt, weil alles ja relativ ist und eigentlich nur zählt, dass es mir und meinem direkten sozialen Umfeld gut geht.


Share on Facebook Share on Orkut Share on Digg Share on MySpace Share on Delicious Share on Technorati   
Nach oben
 Profil  
 

Die Werbung wird nicht durch www.philosophie-forum.com bereitgestellt sondern durch Google. Besucher dieser Links werden gebeten sorgfältig mit den angebotenen Produkten/Seiten umzugehen.
 
 Betreff des Beitrags: Re: Werte, alles relativ ? der Wert des Menschen, Lebens usw.
BeitragVerfasst: Di 2. Sep 2008, 20:25 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 17.08.08
Beiträge: 8
Wohnort: München
Hallo Sino,

als ich Deinen Beitrag gelesen habe,hatte ich das Gefühl,daß Du Dich nicht ernsthaft mit der allumfänglichen Philosophie beschäftigt hast,sondern nur mit einzelnen Fragmenten.Ersteinmal gibt es keine moderne Philosophie,denn jedes Denken ist ein Denken zu den entsprechenden zeitgenössischen Fragen einer bestimmten Zeitepoche.
Die Philosophie,ob nun "alt" oder "neu",ist keineswegs nur rationell.Rationell denkend auf Grund von Erkenntnis durch Beweisführung,ist nur die Wissenschaft und Forschung.
Rationelle Denkweise in der Philosophie findet man im Materialismus,Teile des Empirismus und in der Lehre des Buddhismus.Auch das apriorische Denken ist von reiner Rationalität entfernt,da es sich um Erkenntnis aus dem Denken heraus handelt und nicht um Erkenntnis durch bewußte Wahrnehmung.Nimmt man dann noch die alte und dennoch aktuelle antike Philosophie,dann die philosophische Transzendenz oder die Metaphysik,so eröffnen sich zahlreiche Tore der Irrationalität.Wenn Du schreibst,die Religion hat Dich geistig nicht so sehr befriedigt,dann würde ich gern fragen; Welche Religion? Sicherlich meinst Du den schuldzuweisenden Monotheismus des Christentums.Stehe ich auch sehr skeptisch gegenüber :-))
Sicher ist nur eins,ein Spinner bist Du nicht,nur weil Du Dir irrationale Gedanken machst,im Menschen nur das Gute und seine Werte siehst,oder Dir das "Mensch sein" wichtig ist.Dann hätten ja alle großen Dichter u n d Denker nur Spinner sein müßen.

VG Timotheus


  
Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Werte, alles relativ ? der Wert des Menschen, Lebens usw.
BeitragVerfasst: Do 2. Okt 2008, 23:12 
Offline

Registriert: 02.10.08
Beiträge: 3
Hallo Sino,

einen sehr interessanten Beitrag hast Du da geschrieben. Über das Thema Relativismus habe ich auch schon nachgedacht.

Was heißt Relativismus eigentlich? Was geschieht da? Ich lebe in dieser Welt und habe eine bestimmte Meinung, zum Beispiel, das Hilter ein toller Typ war. Diese Meinung kann ich für absolut halten, d.h. sie für absolut wahr halten. Wenn ich ein paar Anhänger finde, die mir diese Wahrheit abnehmen, dann habe Glück. Und wenn ich keinen treffe, der mich kritisiert, dann habe ich noch mehr Glück. Jedenfalls aus meiner Sicht.
Nun wird nicht jeder Mensch meine Meinung teilen, denn Hitler war halt doch kein so toller Typ, oder doch? Mmmmh, wer entscheidet das? Für einige war er ein toller Typ. Für einige ist er es nicht. Wer hat denn nun Recht? War er ein toller Typ oder nicht? Meine Meinung dazu ist: es ist traurig, was mit den Juden im zweiten Weltkrieg passiert ist. Und jemand der mich traurig macht, ist kein so toller Typ.

Letztendlich komme ich also nicht umhin und muss meine Meinung relativieren. Warum? Nun ja, irgendwie existieren ich nur mit anderen Menschen zusammen. Selbst, wenn ich ein paar Leute finde, die mir meine Meinung abnehmen, kann ich nur in diesem Kontext existieren. D.h. wenn ich meine Meinung beibehalte, kann ich nicht als Mensch existieren. Und das tue ich nun mal gerne.

Das perverse, jedenfalls, wenn es auf die Spitze getrieben wird, am Relativismus ist aber, wenn der Relativismus für absolut gehalten wird. Zum Beispiel in der Form: Alles muss toleriert werden. Aber von wem kommt das eigentlich. Natürlich von einem Absolutisten. Nehmen wir einmal an es kommt ein Absolutist in eine Gruppe von Relativisten. Was passiert? Er wird sich denken: Super, die nehme ich mal aufs Korn. Denn er wird sagen: Egal, was ich tue, ihr müsst mich tolerieren, denn wenn ihr es nicht tut, dann seit ihr intolerant und wiederspricht ihr euch selbst.
Worin liegt da aber der Fehler? Das ist etwas knifflig, denn der Absolutist hat ja recht. Nein, denn er erkennt den Relativismus nicht an und damit hat er unrecht. Ein Absolutist interessiert nur seine eigene Wahrheit. Ein Relativist interessiert sich sowohl für seinen eigene Wahrheit als auch für die der anderen. Oder anders ausgedrückt: ein Absolutist interessiert sich nur für sich selbst, ein Relativist sowohl für sich selbst, als auch für andere Menschen und das nicht um seiner selbst willen, sondern weil er den Wert des Anderen erkennt und anerkennt.

Aber was tun gegen solche Menschen? Ich habe keine Ahnung. Das Merkwürdige an solchen Menschen ist ja, dass sie zwar andere Menschen brauchen, um zu existieren und ihre Spielchen zu spielen, dass sie aber die Grundlage, nämlich die Gemeinschaft, auf der sie überhaupt diese Spielchen spielen können, nicht tolerieren. Letzendlich handeln sie immer gegen sich selbst und vernichten sich dadurch selbst.

Ein weiteres Argument gegen den totalen Relativismus: Es existiert nichts ohne sein Gegenteil. Das Gegenteil von Relativismus sehe ich allerdings nicht den Absolutismus, denn der Relativimus ist die größere Wahrheit. Sondern: Toleranz existiert nicht ohne Intoleranz. Wenn ich alles toleriere, dann verlieren ich irgendwann meine Grenzen.

Trotzdem bleibt es nicht einfach zu entscheiden, was ich alles tolerieren muss und was nicht. Was keiner tolerieren muss sind Verletzung jeglicher Art, sei es physich oder psychisch.

Liebe Grüße,
Martin


  
Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Werte, alles relativ ? der Wert des Menschen, Lebens usw.
BeitragVerfasst: Do 2. Okt 2008, 23:42 
Offline

Registriert: 02.10.08
Beiträge: 3
Nachtrag: Es gibt sicherlich absolute Werte, die seit jeher gültig sind. Und diese haben mit sicherheit überhaupt nichts mit absolutistischen Gedanken von einigen Fundamentalisten, Rechtsradiaklen oder sonstigen Spinnern zu tun. Letztendlich sind diese nur kleingeistige Menschen, die sich Anmaßen größer zu sein, als sie sind und damit anderen auf die Nerven gehen. Das hat aber, wie gesagt, rein gar nichts mit dem Absoluten zu tun.
Das Problem mit den Religionen ist ja, dass deren Stifter zwar absolute Werte in einem Guten Sinne kannten und verbreiteten, diese aber immer wieder von einzelnen Personen oder Gruppen instrumentalisiert werden, in dem sie sagen: meine Wahrheit ist besser als deine Wahrheit. Damit geht aber jeglicher Gehalt verloren.
Beides ist mit Sicherheit Absolut. Besser gesagt, das eine ist absolut, das andere Absolut. Das eine gilt nur für eine Gruppe von Menschen, das andere für die gesamte Menschheit. Welche Werte sind da nun mehr Wert?


  
Nach oben
 Profil  
 
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 4 Beiträge ] 

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde [ Sommerzeit ]


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast


Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du darfst keine Dateianhänge in diesem Forum erstellen.

cron
Impressum - Kontakt

sportlerforum.de

Powered by phpBB © 2000, 2002, 2005, 2007 phpBB Group
Optimized by SEO phpBB
Deutsche Übersetzung durch phpBB.de