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 Betreff des Beitrags: ist der mensch a priori ein ethisches wesen?
BeitragVerfasst: Mo 20. Aug 2007, 20:53 
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1. these: ab dem grad einer bestimmten komplexität sind die handlungsmöglichkeiten so hoch, dass ethisches verhalten eine gewisse wahrscheinlichkeit hat. es wird aufgrund der
abweichung von sonstigem zweckdienlichen verhalten als etwas besonderes erkannt und
zu diesem begriff zusammengefasst. eine amöbe hat aufgrund geringerer komplexität weniger handlungsoptionen, sodass unzweckgemässes verhalten, welches ethisch genannt werden könnte, eine zu geringe wahrscheinlichkeit hat. (dass ethik sich als erwünschtes element im menschlichen zusammenleben entwickelt hat ist eine zufällige überhöhung dieses verhaltens
und die weiterverbreitung durch meme. dadurch wurde ethik bloß zufällig etabliert und verstärkt)
2. these: ethik hat einen zweck und der mensch ist a priori ein ethisches wesen. was bedeuten würde, dass z.b . ein einsiedler, welcher bloß mit dem wissen ums überleben versorgt wurde und keinerlei geprägte wertvorstellungen besitzt , trotzdem fähig wäre zu einem handeln, welches als ethisch betrachtet werden könnte.
a) ethisches verhalten erweist sich ab einem bestimmten grad als kontraproduktiv.
b) ethisches verhalten hat prinzipiell eine funktion

(frei nach kant: wie kommt der mensch überhaupt dazu, zu werten? woher kommen seine vorstellungen von gut und böse?...allein seine fähigkeit werten zu können ,erzwingen den schluß, der mensch sei a priori ein ethisches wesen..)

3.these:der mensch hat nicht die möglichkeit ohne sein selbst zu sein. er ist nicht selbstlos, also egoistisch. jeglichem handeln ist eine motivation vorausgegangen, die einen nutzen verspricht.
ich halte die erste these zwar nicht für unmöglich, jedoch für unwahrscheinlich.
ein wie auch immer gearteter nutzen kann natürlich rein auf der anerkennung von anderen beruhen, wonach ethisches verhalten funktionslos wäre und der nutzen künstlich und zufällig erschaffen wurde.

angenommen aber ethik hat eine funktion und sei a priori bestandteil menschlichen verhaltens. der einsiedler hätte keinen nutzen in form der anerkennung anderer, würde er z.b.
eine verwundete katze heilen und bei sich aufnehmen, anstatt sie zu essen.

welchen nutzen hätte er möglicherweise dennoch? und welche funktion könnte ethisches verhalten haben, projiziert auf die menschheit?
welches verhalten wird als besonders ethisch empfunden und welche fähigkeiten muss ein mensch haben, um ethisch handeln zu können?


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: Mi 22. Aug 2007, 08:23 
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Registriert: 21.02.07
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Hallo Anja,

der Einsiedler könnte doch aus der Gesellschaft und Zuneigung der Katze profitieren, was ja auch eine Form der Anerkennung ist. :wink:

Ethik ist Sittlichkeit und dies ist, was der Sitte entspricht. Was der Sitte entspricht, ist durch Wertung gewonnen und in’s Kollektiv projiziert bzw. mit dem Kollektiv abgestimmt bzw. man paßt sich einer bestehenden Norm an, wenn man als Kind erzogen wird. Ist kein anderer Mensch zugegen, wirkt nurmehr die Moral des Einsiedlers, d. h. er stellt eine Norm für sich selbst auf (was den Umgang mit Tieren z. B. betrifft).

Als besondern ethisch wird empfunden, was im Einklang mit dieser Norm steht. Je weiter ein Mensch von dieser Norm abweicht, umso mehr wird er ausgegrenzt.

Die Fähigkeit, um ethisch handeln zu können, ist einerseits Wertungsfähigkeit (da stimme ich Kant zu), andererseits die, sich bewußt an die gesetzte Norm halten zu können (einer geistesgestörten Person wird dies kaum zugetraut).

Soweit auf die Schnelle für’s Erste.

Kecki


  
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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: Mo 27. Aug 2007, 17:13 
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Kecki hat geschrieben:

der Einsiedler könnte doch aus der Gesellschaft und Zuneigung der Katze profitieren, was ja auch eine Form der Anerkennung ist. :wink:

Ethik ist Sittlichkeit und dies ist, was der Sitte entspricht. Was der Sitte entspricht, ist durch Wertung gewonnen und in’s Kollektiv projiziert bzw. mit dem Kollektiv abgestimmt bzw. man paßt sich einer bestehenden Norm an, wenn man als Kind erzogen wird. Ist kein anderer Mensch zugegen, wirkt nurmehr die Moral des Einsiedlers, d. h. er stellt eine Norm für sich selbst auf (was den Umgang mit Tieren z. B. betrifft).



richtig.der einsiedler könnte aus der gesellschaft der katze profitieren.

zur norm und zum kollektiv: soweit das alles schon besteht, gibts ja kein problem. wo aber ist der anfang? die fähigkeit, werten zu können, muss ja schon irgendwo im menschen angelegt sein. laut kant a priori ...das moralgesetz ,was im menschen schon drin ist und bloß erkannt werden muss.
wenn das so sein sollte, welchen zweck hat das ganze?
mutet ethik nicht manchmal kontraproduktiv an?
wenn z.b. in deutschland beschlossen wird, dass ein entführtes flugzeug, welches droht auf ein grosses gebäude zu stürzen, nicht abgeschossen werden darf, weil die in unserem gesetz verankerte würde des menschen der flugzeuginsassen nicht verletzt werden soll, so wird in amerika der utilitarismus als basis genommen und das flugzeug abgeschossen, sofern andernfalls MEHR menschenleben zu schaden kommen würden. was aber ist besser? ethik ist oft schwierig...welchen nutzen könnte es dennoch haben, sich damit zu befassen ?
gibt es eine grundsätzliche gemeinsamkeit ethischer handlungen?


  
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BeitragVerfasst: Fr 31. Aug 2007, 12:00 
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Hallo Anja,

Ich muß gestehen, mich noch nie richtig mit Ethik befaßt zu haben, insofern werden meine Antworten für dich wohl äußerst unbefriedigend sein.
Ich versuch’s trotzdem:

anja hat geschrieben:
zur norm und zum kollektiv: soweit das alles schon besteht, gibts ja kein problem. wo aber ist der anfang? die fähigkeit, werten zu können, muss ja schon irgendwo im menschen angelegt sein. laut kant a priori ...das moralgesetz ,was im menschen schon drin ist und bloß erkannt werden muss.
wenn das so sein sollte, welchen zweck hat das ganze?

Ob eine Fähigkeit zu werten im Menschen angelegt ist, weiß man erst, wenn gewertet wird. Und dieses „Wissen“ ist eine Schlußfolgerung des Verstandes. Der Anfang ist also diese Schlußfolgerung im Jetzt (da ich meine, daß alle Zeit jetzt ist, kann es eigentlich keinen „Anfang“ geben).
Einen Zweck würde ich im rein sozialen Bereich sehen. Wir müssen miteinander auskommen, stellen daher Regeln aufgrund von Wertungen auf. Diese Regeln sind nichts, das unbewußt in uns schlummert und nur noch erkannt werden muß. Moralgesetze sind auch nichts Feststehendes, da sie im momentanen Erleben ständiger Wandlung unterzogen sind.

anja hat geschrieben:
mutet ethik nicht manchmal kontraproduktiv an?
wenn z.b. in deutschland beschlossen wird, dass ein entführtes flugzeug, welches droht auf ein grosses gebäude zu stürzen, nicht abgeschossen werden darf, weil die in unserem gesetz verankerte würde des menschen der flugzeuginsassen nicht verletzt werden soll, so wird in amerika der utilitarismus als basis genommen und das flugzeug abgeschossen, sofern andernfalls MEHR menschenleben zu schaden kommen würden. was aber ist besser? ethik ist oft schwierig...welchen nutzen könnte es dennoch haben, sich damit zu befassen ?
gibt es eine grundsätzliche gemeinsamkeit ethischer handlungen?

Einen Nutzen, sich mit Ethik zu befassen, würde ich darin sehen, die verschiedenen Ethiken zunächst auf ihre Grundstrukturen und sozialen Ursachen zu untersuchen, um sie dann auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen, der ein Zusammenleben für alle erleichtert. Letztlich ist es wohl ein Zusammenführen von Grundansichten über das (Er-)Leben, was sich als äußerst schwierig darstellt (wie aus deinem Beispiel ersichtlich), weil jeder bzw. jede Nation einer gewissen Glaubensausrichtung (z. B. Utilitarismus) anhängt und meint, damit besser zu liegen als andere.

Eine grundsätzliche Gemeinsamkeit sehe ich, wenn überhaupt, in dem Ziel, die eigene Art zu erhalten. Letztlich ist aber das individuelle Überleben ausschlaggebend, denn um sich selbst zu retten, wird auch die eigene Spezies getötet. So gesehen ist Ethik Spielerei in Friedenszeiten.

Kecki


  
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BeitragVerfasst: Sa 8. Sep 2007, 15:31 
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Kecki hat geschrieben:
So gesehen ist Ethik Spielerei in Friedenszeiten.

Kecki


das ist interessant. ich habe schon von vielen menschen eine ähnliche ansicht vertreten hören.
aber würde nicht genau das in meine erste these passen?
in kriegszeiten sind die handlungsmöglichkeiten geringer. es gilt zunächst, selber zu überleben.
sobald ein gewisser überfluss da ist, kann ich anderen helfen beim überleben, ohne mein eigenes überleben zu gefährden.
wenn an dieser these etwas dran wäre, also ethik in abhängigkeit zur komplexität und zu der menge der handlungsmöglichkeiten auftaucht,
hätten dann weniger gebildete und ärmere menschen eine geringere wahrscheinlichkeit, sich ethisch verhalten zu können?


  
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BeitragVerfasst: Di 11. Sep 2007, 09:39 
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Hallo Anja,

ja, ich denke schon. Ethik kann sich ja nur auf Erlebtes erstrecken, und je breiter das Spektrum, umso größer die Bühne für Ethik.
Weniger gebildete und ärmere Menschen schränken automatisch ihr gesellschaftliches Umfeld ein, das Spektrum wird kleiner und dadurch auch der Rahmen, in dem sie sich ethisch verhalten können.

Darf ich fragen, warum du deine erste These für unwahrscheinlich hielst?

Kecki


  
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BeitragVerfasst: Di 11. Sep 2007, 14:28 
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Hallo ihr zwei,

ich hätte eine kurze zwischen Frage: Ist ein ethisches Verhalten wirklich auf Vermögen und Bildung zurückzuführen?

Meiner Meinung nach, da ethische Prinzipien ja in verschiedenen Kulturen unterschiedlich sind, ist Ethik doch wohl eher eine Frage der Erziehung und Wertevermittlung?
Ok, es mag schon der Fall sein, dass in einer reichen Familie oder gebildeteren Familie andere Werte vermittelt werden, aber eine grundsätzliche Rückführung auf Bildung und Vermögen scheint mir nicht akzeptabel. Zudem ergeben sich dann die Fragen, ab wann gilt jemand als vermögend und ab wann als gebildet?

Mfg Max


  
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BeitragVerfasst: Di 11. Sep 2007, 14:58 
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Hallo Max,

Nein, sicher ist ethisches Verhalten nicht auf Vermögen und Bildung zurückzuführen, doch bilden u.a. diese den Rahmen, innerhalb dessen der Mensch bestimmte Dinge erlebt.
Ethik ist m. E. darauf zurückzuführen, daß jemand etwas erlebt und diesem Erlebten gegenüber eine Haltung einnimmt, die man dann im Nachhinein ethisch nennen könnte. Diese Haltung basiert maßgeblich, da gebe ich dir recht, auf Erziehung und Wertevermittlung.

Kecki


  
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BeitragVerfasst: Mi 12. Sep 2007, 12:45 
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Kecki hat geschrieben:
.

Darf ich fragen, warum du deine erste These für unwahrscheinlich hielst?

Kecki


ich halte sie für unwahrscheinlich, weil ethik damit etwas zufälliges wäre. und man damit eigentlich nicht mehr davon ausgehen könnte, dass sie tatsächlich sinnvoll ist.
ich persönlich bin immer noch bei kant hängen geblieben und wäre für these 2b. der mensch ist ein ethisches wesen und ethik hat eine grundsätzliche funktion.
ich würde allerdings nicht wie kant, tiere zwangsläufig ausklammern. wobei ich trotzdem vermute, dass die ethik die der mensch anwendet, sich schon noch von tierischer ethik unterscheidet.

"Zwei Dinge erfüllen das Gemüt mit immer neuer und zunehmender Bewunderung und Ehrfurcht, je öfter und anhaltender sich das Nachdenken damit beschäftigt: Der bestirnte Himmel über mir, und das moralische Gesetz in mir. Beide darf ich nicht als in Dunkelheiten verhüllt, oder im überschwenglichen, außer meinem Gesichtskreise, suchen und bloß vermuten; ich sehe sie vor mir und verknüpfe sie unmittelbar mit dem Bewußtsein meiner Existenz. Das erste fängt von dem Platze an, den ich in der äußern Sinnenwelt einnehme, und erweitert die Verknüpfung, darin ich stehe, ins Unabsehlich-Große mit Welten über Welten und Systemen von Systemen, überdem noch in grenzenlose Zeiten ihrer periodischen Bewegung, deren Anfang und Fortdauer. Das zweite fängt von meinem unsichtbaren Selbst, meiner Persönlichkeit, an, und stellt mich in einer Welt dar, die wahre Unendlichkeit hat, aber nur dem Verstande spürbar ist, und mit welcher (dadurch aber auch zugleich mit allen jenen sichtbaren Welten) ich mich, nicht wie dort, in bloß zufälliger, sondern allgemeiner und notwendiger Verknüpfung erkenne. Der erstere Anblick einer zahllosen Weltenmenge vernichtet gleichsam meine Wichtigkeit, als eines tierischen Geschöpfs, das die Materie, daraus es ward, dem Planeten (einem bloßen Punkt im Weltall) wieder zurückgeben muß, nachdem es eine kurze Zeit (man weiß nicht wie) mit Lebenskraft versehen gewesen. Der zweite erhebt dagegen meinen Wert, als einer Intelligenz, unendlich, durch meine Persönlichkeit, in welcher das moralische Gesetz mir ein von der Tierheit und selbst von der ganzen Sinnenwelt unabhängiges Leben offenbart, wenigstens so viel sich aus der zweckmäßigen Bestimmung meines Daseins durch dieses Gesetz, welche nicht auf Bedingungen und Grenzen dieses Lebens eingeschränkt ist, sondern ins Unendliche geht, abnehmen läßt."

(kritik der praktischen vernunft, http://gutenberg.spiegel.de/?id=5&xid=1 ... 2#gb_found )


  
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BeitragVerfasst: Do 13. Sep 2007, 11:56 
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Hallo Anja,

Ich kann allen drei Thesen etwas abgewinnen:
Der Mensch kann sich nur ethisch verhalten in dem, was er erlebt, verhält er sich ethisch, hat er natürlich die Veranlagung dazu, und er ist nicht selbstlos.

1. these: ab dem grad einer bestimmten komplexität sind die handlungsmöglichkeiten so hoch, dass ethisches verhalten eine gewisse wahrscheinlichkeit hat. es wird aufgrund der
abweichung von sonstigem zweckdienlichen verhalten als etwas besonderes erkannt und
zu diesem begriff zusammengefasst. eine amöbe hat aufgrund geringerer komplexität weniger handlungsoptionen, sodass unzweckgemässes verhalten, welches ethisch genannt werden könnte, eine zu geringe wahrscheinlichkeit hat. (dass ethik sich als erwünschtes element im menschlichen zusammenleben entwickelt hat ist eine zufällige überhöhung dieses verhaltens
und die weiterverbreitung durch meme. dadurch wurde ethik bloß zufällig etabliert und verstärkt)


„Dass ethik sich als erwünschtes element im menschlichen zusammenleben entwickelt hat“ sehe ich nicht als zufällig an. Du könntest sonst auch sagen, daß Sex eine zufällige Überhöhung wäre, schließlich ist dann alles, was sich aus Begegnung ergibt, zufällig. Festhalten möchte ich nochmal, daß sich ein Mensch nur in Begegnung, also seinem speziellen Handlungsbereich, ethisch verhalten kann. Deshalb ist These 1 durchaus vertretbar.
Wieso, liebe Anja, sollte Zufälliges nicht auch sinnvoll sein? Selbst wenn es Zufall gäbe, könnte man doch jederzeit auch aus dessen Entwicklung einen Nutzen herauslesen bzw. hineindeuten.

2. these: ethik hat einen zweck und der mensch ist a priori ein ethisches wesen. was bedeuten würde, dass z.b . ein einsiedler, welcher bloß mit dem wissen ums überleben versorgt wurde und keinerlei geprägte wertvorstellungen besitzt , trotzdem fähig wäre zu einem handeln, welches als ethisch betrachtet werden könnte.
a) ethisches verhalten erweist sich ab einem bestimmten grad als kontraproduktiv.
b) ethisches verhalten hat prinzipiell eine funktion

(frei nach kant: wie kommt der mensch überhaupt dazu, zu werten? woher kommen seine vorstellungen von gut und böse?...allein seine fähigkeit werten zu können ,erzwingen den schluß, der mensch sei a priori ein ethisches wesen..)


Zu 2) Naja, wie oben gesagt, kann man in alles einen Zweck hineindeuten. Das mag praktisch und hilfreich sein, um Struktur zu schaffen, aber darüber hinaus...?
Ähnlich ist es mit „Funktion“. Sicherlich kann man davon ausgehen, daß alles, was ist, für irgendetwas „gut“ ist, einen Zweck erfüllt.
Aber letztlich ist auch das hinzugedacht, liegt also nicht in der Sache selbst, sondern in dem, was wir aus der Sache machen. Man kann demnach durchaus sagen, ethisches Verhalten hat prinzipiell eine Funktion, aber nur, weil wir prinzipiell eine Funktion hineininterpretieren.
Kontraproduktiv ist ethisches Verhalten, wenn eine Handlung scheinbar von dem Ziel, das wir als Ethik vorgeben, abweicht.

3.these:der mensch hat nicht die möglichkeit ohne sein selbst zu sein. er ist nicht selbstlos, also egoistisch. jeglichem handeln ist eine motivation vorausgegangen, die einen nutzen verspricht.

Der Mensch kann nicht frei von sich selbst sein und ist daher immer egoistisch. Richtig.

Bis bald
Kecki



  
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BeitragVerfasst: Do 13. Sep 2007, 17:44 
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Kecki hat geschrieben:
„Dass ethik sich als erwünschtes element im menschlichen zusammenleben entwickelt hat“ sehe ich nicht als zufällig an. Du könntest sonst auch sagen, daß Sex eine zufällige Überhöhung wäre, schließlich ist dann alles, was sich aus Begegnung ergibt, zufällig. Festhalten möchte ich nochmal, daß sich ein Mensch nur in Begegnung, also seinem speziellen Handlungsbereich, ethisch verhalten kann. Deshalb ist These 1 durchaus vertretbar.
Wieso, liebe Anja, sollte Zufälliges nicht auch sinnvoll sein? Selbst wenn es Zufall gäbe, könnte man doch jederzeit auch aus dessen Entwicklung einen Nutzen herauslesen bzw. hineindeuten.



Laut evolutionstheorie sind zufällige mutationen für merkmale verantwortlich, welche entweder begünstigend im „survival of the fittest“ sind, oder benachteiligend. Lebewesen mit begünstigenden mutationen haben eine grössere wahrscheinlichkeit (und häufigkeit )sich fortzupflanzen und damit auch diese mutation.

Wenn man sich nun lebewesen ansieht, dann kann man merkmale erkennen, denen man eine funktion zuordnen kann. Sinnesorgane, möglichkeiten zur fortbewegung und zur nahrungsaufnahme...

dass lebewesen augen haben erkennen wir als sinnvoll. Warum innerhalb einer art zwei lebewesen in ihrer augenfarbe abweichen, erklären wir schlicht als mannigfaltigkeit ohne eine spezielle funktion. Augen haben eine funktion, die augenfarbe nicht.augen und augenfarbe sind uns angeboren. Wir könnten uns jetzt eine gesellschaft vorstellen, welche die augenfarbe als besonders wichtig erachtet und künstlich überhöht. z.b. eine ständegesellschaft, aufgeteilt nach augenfarbe.
Ist ethik , sofern die fähigkeit dazu angeboren sein sollte, etwas wie augen, oder eher wie augenfarbe?

Es mag kulturen geben , welche den verzehr von insekten bevorzugen, insekten, welche auch bei uns herumkrabbeln und fliegen, wobei wir niemals auf den gedanken kommen würden...diese zu essen.
Sofern ethik bloß eine zufällig entstandene vorliebe sein sollte, sowas wie eine kulturell bedingte „geschmacksrichtung“ ...hätte man es schwer, ihr eine funktion zu unterstellen, wie den augen.

Soweit ich weiß ,sind aber gewisse grundsätzliche formen von ethik in allen kulturen zu finden und selbst bei tieren zu beobachten.

Sex hat eine erkennbare funktion. d.h. Die möglichkeiten sind im lebewsen angelegt und erfüllen einen erkennbaren zweck.

Insofern würde ich schon zwischen „sinnvoll“ und erkennbarer funktion und zufälliger überhöhung einer sache ( wie z.b. der aufteilung einer gesellschaft nach augenfarbe) unterscheiden.


  
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BeitragVerfasst: Fr 2. Nov 2007, 07:56 
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Beiträge: 16
Wohnort: Schweiz
Hi zusammen

Ungeachtet der Religion gibt es m. M. n. ein ethisches Grundempfinden, das prinzipiell in jedem Menschen angelegt ist. Auch wenn jemand dagegen verstößt, weiß er im Grunde, dass es nicht okay ist. Dieses gilt es in unserer Gesellschaft zu fördern und zu etablieren.

Mag sein, dass es erst durch Erziehung geweckt oder gelernt werden muss, aber das würde nichts daran ändern, dass ethische Werte rein philosophisch vermittelt werden können bzw. eine theistische Philosophie auf dieser Basis ohne jegliche Indoktrination auskommen könnte, die Besinnung auf das Gemeinsame in allen Religionen und Philosophien, das Grundethos. Der gemeinsame Nenner, auf dem die Gesellschaft aufbauen kann und das es zu fördern gilt, so wie die allgemeinen Menschenrechte.

Diese ethische Grundhaltung lässt sich mit Gewissen übersetzen, einem natürlichen Sinn dafür, was nicht in Ordnung ist. Ein Kind weist in der Regel ein solches ethisches Grundempfinden auf. Es versteht sofort, was gemeint ist, wenn es ihm erklärt wird, weil es schon in ihm steckt. Es lernt, sich dessen bewusster zu werden.

_________________
Liebe Grüße
Lynn


  
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