Ich denke die Meinung mit den "vorgekauten Entscheidungen" ist wenn überhaupt nur zum Teil richtig, denn meiner Meinung nach bekommen wir in den ersten Lebensjahren nicht nur feste Meinungen eingeprägt, sondern auch die Werkzeuge und Maßeinheiten (Werte und Normen eben), mit denen wir lernen umzugehen. Wir lernen dann im Laufe der Jugend durch Erfahrungen (entweder durch Ereignisse oder eben durch andere Menschen/Meinungen) mit diesen Umzugehen und formen damit letztendlich unseren Verstand, mit dem wir selbst Entscheidungen treffen, die unserem Sinne entsprechen. Wir werden dann eben höchstens noch beeinflusst, aber nicht vollkommen kontrolliert.
Am besten erklärt dieses nach meiner Meinung die Transaktions-Analyse, ein Verfahren aus der Psychologie, welches den Geist des Menschen in 3 Teile unterteilt:
- Das Eltern-Ich: Sozusagen das "Gewissen", also die Werte und Normen, die wir in unserer Kindheit erlernt haben (nicht nur von unseren Eltern, sondern auch von anderen Personen). Diese Werte sind sehr fest verankert, lassen sich aber durch einen aktiven Denkvorgang hinterfragen.
- Das Kindheits-Ich: Dies sind die Gefühle, die sich aus unseren Bedürfnissen und Wünschen heraus ergeben und welche auch ihren Ursprung in der Kindheit haben. Wenn man zum Beispiel etwas unbedingt haben will und dafür etwas dummes tut, so war das Verlangen wohl schuld daran (bzw. zu geringe Selbstbeherrschung.
- Das Erwachsenen-Ich: Dieses "Ich" ist das einzige, welches erst nach einiger Zeit anfängt, sich zu bilden (ich glaube es war so ab den 1. oder 2. Lebensjahr). Es ist quasi der Verstand, den wir haben. Das Erwachsenen-Ich wägt alles ab und Entscheidet, was wir tun oder eben welche Meinung wir haben, in dem es die Einflüsse der anderen beiden "Ichs" abwägt und eben aktiv nachdenkt (was wir dann auch als Denken wahrnehmen). Wenn etwas anders läuft als geplant, so liegt das dann daran, das eins der anderen "Ichs" an dem Erwachsenen ich vorbei durch kam.
Je nachdem, wie sehr man sein Erwachsenen-Ich ausprägt (bzw trainiert), sind wir weniger beeinflussbar und haben mehr uns selbst unter Kontrolle, eben auch unser Denken.
Bei mir ist es so, dass ich durch meine Eltern und eben meine Kindheit sehr viele Werte mit bekommen habe, aber durch Lektüre und eben durch das Philosophieren (Platt: das Drüber Nachdenken) habe ich meine Werte selbst überarbeitet und bin eben nicht durch die Menschen in den Räumen blind kontrolliert worden ^^