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 Betreff des Beitrags: Willensfreiheit bei Kant
BeitragVerfasst: Mi 6. Mai 2009, 19:16 
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Beiträge: 3
Hallo,
ich bin Neuling hier und melde mich, weil ich für mein Abitur in Ethik eine Präsentation halte. Grundlegend geht es da um die Willensfreiheit. Als Position für einen freien Willen habe ich mir Kant ausgesucht. Bin dabei aber auf einige Fragen gestoßen.
Ich versuche seine Ansichten zur Willensfreiheit mal wiederzugeben:

Kant geht von einem Dualismus aus: Auf der einen Seite die Welt der Dinge (also der Welt, wie sie ist) und auf der anderen Seite die Erscheinungswelt (die Welt wie wir sie erfahren/konstruieren). Der menschliche Geist stülpt dann der Natur seine Ordnung über.

Okay um behaupten zu können, dass es Willensfreiheit gibt sagt Kant: Diese Erkenntnis müssen wir a priori finden. Also von Erfahrung und Wahrnehmung losgelöst sowie streng allgemein und notwendig. Die Erkenntnis Kants gehört zu der 3. Antinomie (determiiertheit alles seins). Die These, dass die Kausalität nach Naturgesetzen UND durch Freiheit erfolgt ist ebenso begründbar wie die antithese, dass die Kausalität nur nach Naturgesetzen erfolgt.
Er löst diese Antinomie allerdings auf, indem er sagt, dass es neben der Welt des Empirischen/der Naturgesetze noch die Welt des Intelligiblen/ Geistigen gibt. Beide Welten haben ihre eigene kausalität.
Damit wäre die Willensfreiheit für Kant bewiesen.
So was fängt er jetzt damit an?
Der Mensch hat die Fähigkeit zu moralischem Verhalten. Aus dieser Fähigkeit ergibt sich für ihn eine Pflicht zum moralischen/guten handeln (weswegen wir auch eine Menschenwürde haben) und gleichzeitig ist eine gute Handlung eine Handlung aus Pflicht. Diese guten Handlungen sind gleichzeitig frei und von der Vernunft bestimmt. Unfrei sind Handlungen, wenn sie ihrer Natur nach das tun, wovon sie sich versprechen glücklich zu werden.
Der freie Wille ist somit seine eigene Ursache und für das verantwortlich, was gesollt und vom Moralgesetz (kategorischer Imperativ) geboten wird.
Die Akte des freien Willens finden nicht in der phänomenalen Welt statt (in der wissenschaftliche Gesetze gelten), sondern in einer Umgebung, die sich der Wissenschaft entzieht.

So habe ich Kant bisher verstanden und freue mich über jede Korrektur (-:
Jetzt gibt es aber einige Sachen, die mir unklar sind:

1. Wenn es tatsächlich so ist, dass der Wille nur frei ist wenn er gut ist, dann ist er doch gar nicht mehr so frei oder? Das schließt doch aus, dass ein freier Wille schlecht ist und dadurch wäre ich ja determiniert zum gut sein. Andererseits ist ein unfreier Wille ja ein Wille, der durch Affekte beeinflusst ist.
Aber der Wille an sich steht doch eigentlich dazwischen. Er muss sich doch entscheiden, ob er jetzt gut handelt oder affektvoll?

2. Kann man bei Kant die Welt ähnlich wie bei Aristoteles in eine Ideenwelt und in eine Erscheinngswelt einteilen (bzw. Geist und Körper)? Quasi nach dem Prinzip der freie Wille ist in der Ideenwelt (bzw. im Geist) untergebracht und deswegen frei von Naturgesetzen im Gehirn.

3. Bin ich überhaupt auf der richtigen Spur??

Ich freue mich auf eure Antworten :D
Liebe Grüße
Seemann


Zuletzt geändert von Seemann am Mi 6. Mai 2009, 21:05, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: Willensfreiheit bei Kant
BeitragVerfasst: Fr 8. Mai 2009, 14:54 
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Beiträge: 13
Hi Seemann

Ich denke bei der Diskussion über die Freiheit des eigenen Denkens wird beständig vernachlässigt, dass das Leben in einem absoluten Kosmos vollständig determiniert, und allein das Leben in einem absoluten Chaos frei manipulierbar wäre. In einem Kosmos kann es keine unkontrollierbaren Einflüsse geben, wogegen es in einem Chaos niemals so etwas wie eine geordnete Struktur welcher Art auch immer geben kann. Das bedeutet, dass es dort, wo geordnete Strukturen vorhanden sind, auch jeglicher Eindruck von selbstständiger Entscheidung bestenfalls ein subjektiver Eindruck ist.

In einem Kosmos gibt es somit allein zwei Wege, die frei gangbar erscheinen. Der erste ist der Weg der illusorischen Entscheidung, wo der Geist anhand seiner durchlebten Erscheinungswelten das Gefühl von scheinbarer Macht aufleben läßt. Dabei kann selbstverständlich nicht von freiem Willen die Rede sein. Der zweite Weg ist der Weg der Freiwilligkeit. Bei diesem Weg ordnet sich der individuelle Geist dem vollkommen determinierten Geschehen der Erscheinungen unter und erlebt somit die mundane geistige Befreiung von allen Vorgaben.

Das sind meine eigenen Gedanken. Musst du die Position eines Vordenkers gebrauchen?


Gruß

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 Betreff des Beitrags: Re: Willensfreiheit bei Kant
BeitragVerfasst: Sa 9. Mai 2009, 11:56 
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Registriert: 06.05.09
Beiträge: 3
Hi 4NiK & alle anderen, (-:
ja ich muss einen Vordenker gebrauchen. Für die Position "Der Mensch ist determiniert" ziehe ich die Neurobiologie heran, deren Standpunkt klar ist. Für die Willensfreiheit bietet sich Kant ja an. Ich möchte seine Auffassung von Willensfreiheit kurz darstellen (am liebsten anhand von Zitaten, aber ich finde keine passenden, Tipps?).

Wenn ich Kant richtig verstehe, dann ist für ihn der "körperliche Wille" unfrei, weil er von Trieben bzw. Affekten gesteuert ist. Das ist nicht unbeding schlecht, weil man ja z.B. durchaus essen muss. Der "geistige Wille" ist frei, weil er losgelöst von den Affekten ist und zusätzlich ist er auch noch gut. Das Gewissen als "letztes Gericht" entscheidet letztendlich bei Entscheidungen, wer sich durchsetzt.

1. Wo spielt konkret die Vernunft und der Verstand bei der Willensfreiheit eine Rolle?
2. Ist es richtig, dass die Ursache für einen freien Willen der Dualismus zwischen Geist und Körper ist?
3. Ist es richtig, dass der "körperliche Wille" in der Erscheinungswelt/Ästhetik zu finden ist und der "geistige Wille" in der "Logik"?
4. Benutze ich die richtige Terminologie?

Ich freue mich auf Antworten,
liebe Grüße
Stephan


  
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 Betreff des Beitrags: Re: Willensfreiheit bei Kant
BeitragVerfasst: So 10. Mai 2009, 15:13 
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Registriert: 04.05.09
Beiträge: 13
Hi Seemann

Den Unterschied zwischen Geist und Körper gibt es ohne Zweifel. Wobei ich bewusst von einem Unterschied und nicht von einer Teilung spreche, denn nach meiner Überzeugung ist Geist die Ursache für alles Körperliche. Ich denke in jedem Menschen steckt die tierische Natur, welche aus der Materie wächst und dazu sowas wie ein ursprüngliches Bewußtsein, welches nur durch konzentreirte Sammlung wächst und gedeiht. Nur das Bewußtsein für die eigene geistige Natur bietet wohlmöglich auch eine Grundlage für vernünftige Willensäußerung. Wenn das Bewußtsein überwiegt ein körperliches Wesen zu sein, fällt die Vernunft schonmal in den Hintergrund oder aber im Extremfall gibt es überhaupt keine Ansätze für vernünftiges Handeln wie man bei Tieren sieht, die nur Instinkten usw folgen. Der Geist mag die Freiheit besitzen zwischen der Materie und dem Geist zu wechseln bzw. sich für eine Fixierung zu entscheiden. Dies zudem jederzeit und so oft wie er es mag. Allerdings kann er m.E. aus oben genannten Gründen die körperliche Welt, welche er logisch über die Sinne erfasst nicht wirklich beeinflussen oder lenken. Auf dem Spielfeld der Körperlichkeit unterliegt der Geist völlig dem determinierten Geschehen. Es sei denn ihm ist die grundsätzlich geschenkte Fähigkeit zu spiritueller Sammlung und damit der Fähigkeit zu Vernunft unbekannt. Ansonsten bleibt ihm die Möglichkeit der Nutzung freier Gedanken. Jemand der keine geistige Sammlung oder eine ursprungsorientierte Logik kennt, wird dann stets von Sinnlosigkeit, Chaos und seinem eigenen Unverständnis sprechen. Ihm wird bis auf weiteres jede vernünftige Herangehensweise an das Leben verwehrt sein, weil er sein eigenes, subjektives Erkennen über die Erkenntnis vom tatsächlich zugrundeliegenden stellt.

Ich las und erkannte einmal über die Bedeutung der Worte Logos und Mythos einige sehr interessante Dinge. Der Mythos stellt das Antonym des Logos dar. Der Mythos wird aus dem Geistigen zum Körperlichen herabgereicht und der Logos des Menschen ist Zeit seines Lebens angehalten den Mythos mit seinem Logos zu durchleuchten. Der Mythos ist keinesfalls Lüge, Wahn oder Fantasiegebilde, sondern die objektive Darstellung des Seins. Nur der konzentrierte, geschulte Logos, welcher zudem ein entsprechendes Bewußtsein für seinen Ursprung hat, kann den Mythos entschlüsseln und so letztlich freien Willens in der ursächlichen Tatsache (also der ursächlich getanen Sache - der Schöpfung) aufgehen. Der Logos ist das Hinaufstrebende, der Mythos das Herabgereichte. Ein gesammelter Geist kann den Mythos der erschaffenen Welt als das entschlüsseln was er ist und erlangt in diesem Erkennen die Erleuchtung was in diesem Fall nichts anderes heißt, als das ein vollständig gesammeltes Bewußtsein zur Ursache für alles Sein zurückgeht und mit dieser Ursache eins wird.

Der Grund für diese Erklärung ist meine Überzeugung, wonach jede geistige Fähigkeit dazu befähigt logisch zu denken und somit die Möglichkeit zu Sammlung verleiht. Der Geist kann somit als gut gelten, wenn er die Sammlung anstrebt. Somit muss der Geist auch die freie Entscheidung besitzen, welcher Fokussierung er folgen will. Die Güte ist allerdings allein grundsätzlich gegeben, da der Geist ja auch die Wahl für das Materielle hat. In diesem Fall wird die Wirkung des Geistes zwiespältig.

Ein Mensch ist immer dann determiniert, wenn er die spirituelle Sammlung vernachlässigt und sich selber zum Spielball seiner persönlichen Erscheinungswelt macht. Man könnte sagen jeder Mensch baut sich somit sein eigenes Schicksal anhand der subjektiven Eindrücke, die er gewinnt. Um ein konkretes Bild zu benutzen ... Der Raucher in seiner Raucherecke ist körperlich und geistig von dem Gedanken abhängig Nikotin aufnehmen zu müssen. Er spricht von Genuss, Lebensfreude, Freiheit und verkennt, dass er sich mit allen drei Punkten selber belügt. Er stinkt aus allen Poren nach Verbrennungsrückständen, hat den Hang zu Zynismus und ist dem Zwang ausgesetzt eine mit qualmenden Pflanzen gefüllte Papierrolle wie ein Statussymbol herum zu tragen. Würde er sich einmal selber geistig durchleuchten und die geistige Sammlung vorantreiben, würde er erkennen, das all sein Handeln in Bezug auf das geliebte Spielzeug jeder grundsätzlichen Vernunft und Logik entbehrt. Der Raucher bildet sich lediglich vernünftige Erklärungen und seine ganz persönliche Logik dahingehend aus, dass sein Spielzeug auch weiterhin zur subjektiven Einschätzung von Glück führt. Er ist somit der Spielball materieller Vorgaben und unterliegt trotz seines Zwangs der Einbildung einen freien Willen zu besitzen. Gedanklich könnte er jederzeit erkennen was gesundheitsfördernd wäre, sein Körper dagegen besitzt kein eigenes Bewußtsein und folgt nur der Gewöhnung an die Giftstoffe. Der Geist ordnet sich dem Verlangen des Körperlichen unter und nimmt so anstelle von Vernunft und Logik eher tierische bzw. instinktive Aspekte an.

Der Ausbruch aus diesem vorgegebenen Geschehen kann nur über die Spiritualität (also die Geistigkeit) erfolgen. Im Fall des Rauchers ist es kein Geheimnis, dass die Bewältigung der Sucht viel geistige Kraft und einen unbedingten Willen erfordert. Aber ist es wiederum wirklich der Wille des Geistes, der das Körperliche beherrscht und anherrscht seiner Vernunft zu folgen, oder geht der Wille nur einem vorgegebenen Weg, der allein Vernunft und Logik verheißt? Wie frei kann ein Wille sein, wenn die einzige Möglichkeit zu gesunder, innerer Sammlung und Reife nur eine konstruktive Wahl zulässt? Wie anders kann ein Baumeister einen Turm bauen, außer nach oben? Wie anders kann ein Wanderer voran kommen außer vorwärtsgehend?


Ich nehme mal an das alles hilft Dir kaum.


Gruß

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 Betreff des Beitrags: Re: Willensfreiheit bei Kant
BeitragVerfasst: Mi 13. Mai 2009, 13:03 
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Hallo,
danke für deine lange Antwort. Leider hat si mich in der Sache Kant nicht weitergebracht.
Ich habe jetzt nur noch eine kleine Frage.

:?: Ist der kategorische Imperativ angeboren? Oder anders gefragt, warum ist er notwendig (als Merkmal dafür, dass er a priorisch ist)??

Liebe Grüße
Seemann


  
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 Betreff des Beitrags: Re: Willensfreiheit bei Kant
BeitragVerfasst: Sa 16. Mai 2009, 16:46 
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Ich denke nicht, dass er an sich notwendig ist. Er wird erst notwendiger Bestandteil einer bemüht abseits menschlicher Auffassung angestrebten, logischen Erklärung der natürlichen Gegebenheiten. Seine Notwendigkeit wird mit seiner geistigen Ausblendung aufgehoben. Man könnte sagen er ist Glaubenssache. Abseits menschlicher Auffassung ist alles das, was den einfachen, biologischen Anspruch eines Menschen übergeordnet steht. Für mich gibt es den biologischen Organismus, der als Mensch bezeichnet wird und den Geist, der sich aus freien Stücken und selbstgewählter Unwissenheit menschliche Attribute auferlegt. Wenn man sich beim Erkennen der Welt aus den Abhängigkeiten des biologischen Organismus löst, hat man unter Umständen die Möglichkeit wesentlich objektivere Eindrücke zu erhalten, als es aus dem Blickwinkel eines kleinen Bio-Menschen jemals möglich wäre. Zum Beispiel ist ein Vulkanausbruch für das Auge eines kleinen Bio-Menschen eine furchtbare Katastrophe. Ebenso die Flut, der Orkan, Brände, Krankheit oder scheinbar abgehobene Dinge wie Meteoritenabstürze. Aus dem Blickwinkel eines dem Menschen übersinnlich erscheinenden Geistes sind das alles lediglich kleine Geschehnisse, die nicht zuletzt dafür verantwortlich zeichnen, dass ein kleiner Bio-Mensch überhaupt das Wort Katastrophe in den weitaufgerissenen Mund nehmen kann.

Ein kleiner Bio-Mensch muss immer den Eindruck von Zwang oder Unglaublichkeit erhalten, wenn er sein Blickfeld auf (ihm) übersinnliche Dinge oder einfache Naturgesetze richtet. Nur der geistige Blick kann mit einer an bodenständige Logik gekoppelten Weltsicht zu Antworten führen, die auch dann zu Wissen und Gewissheit führt, wenn wissenschaftliche Belege ausbleiben müssen. Dass das Wissen im Kopf eines Menschen ständig wächst und die Gewissheiten eines Menschen ständigen Wandlungen unterworfen sein mag, teilt sich die geistige Sicht mit der wissenschaftlich empirischen Sicht. Nur ist sie wesentlich weniger einseitig. Denn sie kann z.Bsp. den Urgeist als das erkennen was er ist - ein Ursprung. Und von dieser Basis aus kann sie anschließend auch erkennen wieso das vermeintliche Chaos oder die Halbwahrheit vom freien Willen in den Augen eines kleinen Bio-Menschen lediglich von dessen Unwissenheit und mitunter selbstauferlegter, geistiger Begrenzung zeugt.

Angeboren ist allenfalls die Neigung bzw das Vermögen sich als das wahrzunehmen was man ist - Teil einer größeren Wahrheit. Alle anderen neigen zur Heranbildung eigener Wahrheiten und damit letztlich Beschränkungen.


Gruß

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 Betreff des Beitrags: Re: Willensfreiheit bei Kant
BeitragVerfasst: Mi 26. Aug 2009, 01:01 
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hallo, 4nik,
dem seemann kann ich wohl eh nicht mehr helfen / deshalb spreche ich einfach dich an //
in deinem beitrag vom 10. mai schreibst du über geist und körper / und dabei gefällt mir, daß du bewußt nicht von teilung, sondern von unterschied sprichst / dann fährst du fort: "nach meiner Überzeugung ist Geist die Ursache für alles Körperliche" / und da bin ich genau entgegengesetzter meinung, denn der geist ist an das körperliche gebunden, er kann nur durch ihn existieren / stirbt der körper ab, so ist auch der geist verschwunden / bin aber trotzdem kein materialist / das klingt jetzt, philosophisch gesehen, simpel und nicht exakt, aber ich nehme an, du weißt, was ich meine / für mich ist eben das körperliche der ausgangspunkt, die "ursache" / so sind die meinungen verschieden, und das ist gut so //

habe mir unter http://www..... deine beiträge angesehen / toll, was du da so leistest an denk- und schreibarbeit / besonders den dezember-beitrag "Sage mir wie du denkst ..." finde ich interessant / bin gespannt auf deine stellungnahme, wenn ich demnächst etwas hier poste / bin neu hier und gucke zunächst einmal alles so durch / schon anregend, was da alles so steht //

gruß an dich und alle mitdenker (und dank für alle anregungen)
wolf wissensdurst


  
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 Betreff des Beitrags: Re: Willensfreiheit bei Kant
BeitragVerfasst: Mi 26. Aug 2009, 22:41 
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Beiträge: 13
Zuerst mal großes Danke für das Lob, Wolf. Das weiß ich zu schätzen.


Wenn ich an ein anderes Auge meine gewonnen Gewissheiten herantragen will, muss ich dabei stets von Glauben sprechen, und jeder neben mir Stehende wird immer davon sprechen, dass ich dies oder jenes glaube ohne es zu wissen. Ich denke die Gesellschaft hat es immer gern, wenn man persönliche Gewissheiten abschwächt indem man sagt ich glaube dies oder das. Das läßt jederman die Freiheit eigene Schlüsse zu entwickeln. Ich glaube zum Beispiel nicht an Gott - ich weiß, dass diese Welt eine Ursache hat. Das heißt ich muss nicht glauben, was ich offensichtlich sehen kann, denn es (die Welt) ist ja da. Wieso ich das schreibe läßt sich leicht ausformulieren.

Ich denke die Welt hat eine Ursache ... wie man sie nennt oder welche Bezeichnungen man auf sie werfen mag, sei da mal dahin gestellt. Ich gehe von einer Singularität aus. Allerdings meine ich dabei keine von diesen Dingern, die in Physik-Büchern heutiger Tage auftauchen. Ich meine eine absolute Einheit von Allem. Darunter Energie/Materie, Raum, Zeit aber auch Geist. Geist an sich ist für mich eine vollkommen neutrale Sache. Weder gut noch böse noch schwer oder vergänglich. Geist in seinem absoluten Ursprung bildet ein absolutes Objekt ohne jede Dimension. Diese absolute Dimensionslosigkeit überträgt sich selbstverständlich auf alles in dieser Singularität vereinte. Da Materie, Raum und Zeit dimensioniert ist, können im Ursprung von absolut allem nur geistige Ideen dieser weltlichen Substrate liegen. Das bedeutet weil im absoluten Ursprung von allem was es gibt (in diesem und in allen anderen möglichen Universen und/oder Zeiten) nichts nach menschlichen Maßstäben irgendwie wirklich dimensioniert sein kann, ist der Ursprung allen Daseins eine absolute spirituelle Einheit. Dazu eine weitere Erklärung.

In dieser absoluten Ureinheit gibt es weder Kommen noch Gehen. Dass dieser Ursprung allerdings da, also präsent ist, ist unanzweifelbar, denn wir leben in dem, was daraus entsprungen ist. In der absoluten Keimzelle existiert demnach keine Zeit. Ist nun die Frage kann Geist auch zeitlos existieren, sich formen und ein Bewußtsein für sich selbst ausbilden? Ich denke schon, denn der massivste Unterschied zwischen Materie und Geist ist, dass Materie in einem vollkommenen Jetzt ohne jede Entropie tot und starr ist. Geist allerdings ist das einzige, was nur im Jetzt existiert und nur aus einem Jetzt heraus aktiv werden kann. Denn sowohl das was gestern war, wie auch alles was morgen sein wird, ist allein Erinnerung bzw Vorstellung. Wirklich einzig und wahrhaft real ist nur das Jetzt. Ein Mensch kann dieses Jetzt allerdings nicht greifen, es sei denn er diszipliniert seinen Geist um dieses Kunststück zu vollbringen. Man könnte so gegenargumentieren, dass sich das Jetzt und alles Kommende aber nur aus dem ergibt, was all dem vorgegangen ist. Somit müsse ja dann auch alles Vergangene real sein. Aber auch alle diese Zustände waren immer nur im Jetzt wirklich real und massgeblich. Niemand mit ein bißchen Verstand würde vor einem Vulkan wegrennen, der vor 6 Millionen Jahren wilde Sachen in Bayern eruptierte und heute allenfalls eine kleine Dünung unter einem Heuballen bildet.

Wenn man all das (oder zumindest das Wichtigste davon) weiterdenkt, kommt man zu folgendem Schluß :: Die Realität spielt sich nur im absoluten Jetzt ab. Das bedeutet gleichzeitig, dass der Urzustand des Kosmos niemals aufgehört hat sich generell zu verändern. Mit einer einzigen Ausnahme. Der Urgeist oder der Urbestand an Geist, aus dem all das (ALL das) hervorgegangen ist, hat sich aus seiner absoluten Einheit gelöst und hat Teile seiner Gesamtheit in die Tiefe gehen lassen. Alle diese von ihm ausgehenden also relativen Teile, bilden diese Welt der unendlichen Möglichkeiten. Nun die Frage wenn diese absolute Einheit von allem keinen Wandlungen oder gar einem Werden und Vergehen unterworfen ist, wie kann so eine Sache dann etwas erschaffen? Die Antwort ist :: Der absolute Ursprung allen Daseins existiert im absoluten Jetzt und bildet auch aus diesem Jetztzustand alles ab, was in der Welt existiert. Wie gesagt :: Dass etwas existiert, wird kein Mensch wirklich glaubhaft bestreiten können, würde ich mal schätzen. Dass zudem alles anhand sinnvoller Ordnungen einem fraktalen Muster entlang fließt, scheint mir auf einen Geist zu deuten, der sinnvolle Schlüsse zieht. Das bedeutet mir das Wesen, welches in diesem Moment die einzige Realität bildet (also einzig real da ist), ist sich seiner selbst durch das bewußt, was es sich erträumt. Es reflektiert sich durch die eigenen Ideen und findet zu sich selber durch das Durchleben der eigenen Ideen. Seine Persönlichkeit steht in dem manifestiert, was wir als die Welt darstellen. Selbstverständlich ist die Welt eine reale Sache, aber sie ist durch und durch eine relative, eine von der Absolutheit abhängende Sache. Als Einstein sagte alles sei relativ sagte er ganz, ganz sicher nicht, dass das Absolute relativ sei. Ansonsten sollten wir vielleicht besser mal ein bißchen überlegen wen man sonst noch so Größtes Genie aller Zeiten nennen könnte.

Für den Menschen gilt, dass der Eindruck von fließender sich wandelnder Materie/Energie oder der eigene, persönliche Eindruck sich sequentiell durch eine raumzeitliche Umgebung zu bewegen allein auf dem subjektiven Eindruck basiert ein Teil der Welt zu sein, obwohl man eigentlich Teil des absoluten Ursprungs ist. Tatsächlich erklärt sich aus dieser Überlegung, weshalb alte Philosophien bei der für den modernen Menschen so real scheinenden Welt nur von einer Illusion sprechen. Denn wirklich wahrhaftig real ist allein der Urzustand, der weder Anfang noch Ende kennt, und der vor allem alles aus einem vollkommenen Jetzt überblickt. Nur Menschen unserer Zeit sagen, dass eine Illusion auf etwas wertloses, dummes und vielleicht quälerisches hindeute. Somit tun sie das ab, denn sie wollen ganz zurecht lieber glauben, dass ihr Leben einen Sinn hat. Leider geben sie dabei aber auch die Möglichkeit auf "über den Dingen" zu stehen. Sie halten ihre subjektiven Begriffe für realer, als jede neutrale Wahrheit. Dagegen gilt aber eigentlich eine Illusion als qualitativ genauso real, wie die absolute Realität. Denn der Unterschied zwischen beidem liegt mehr im Quantitativen.

Der Urgeist weiß und sieht nicht nur alles, nein er bildet sogar die Quelle aller für den Menschen und seine zahlreichen Götter mehr oder weniger greifbaren Informationen. Eine alte Geschichte spricht von einem Gott, der die Welt nur träumt und man solle bloß niemals den Fehler machen ihn aufzuwecken. Ich denke genau das trifft den Punkt. Denn der Mensch (bzw sein Geist) aus dem Ursprung allen Daseins besitzt die Augen, die dem träumenden Ursprung das Erleben der selbst erträumten Welt möglich macht. Man kann sich vielleicht vorstellen wie schwer es ist diesen Gott zu belegen oder anzuzweifeln oder gar anzugreifen. Ich denke selbst aufwachen dürfte reichlich schwierig sein. Man kann schlicht nichts beweisen oder auch nur begreifen, das dimensionslos ist. Man kann es nur innerlich (esoterisch*) erfahren und damit die Gewissheit über sein Dasein erhalten. Das mag dann in der Regel für jeden Außenstehenden allenfalls ein felsenfester Glaube sein, obwohl es doch eigentlich eher ein Wissen und kein Glaube ist. Und so kann man sich auch denken wie mächtig und zugleich gütig der Urgedanke ist, der Allem zugrunde liegt. Denn es ist eben doch immer der Gedanke, der das Stoffliche formt. Das Stoffliche kann niemals die Grundlage für das Gedankliche bilden. Denn das würde bedeuten, dass die Autos auf der Straße den Menschen erschaffen, der sie sich erdachte. Oder dass dieser Text mich erschafft, während du ihn liest. In Wirklichkeit ist es aber wie beim Bild des träumenden Gottes :: Das Geschaffene gibt dem Dasein des Schöpfers Sinn. Aber ohne Geist könnte kein Schöpfer irgendetwas erschaffen. Würdest du sagen, dass ich weiß, was ich glaube?



Das nur zu meiner Überlegung wieso Geist schon existierte, als Materie nur ein Nebel aus Ideen war. Denkst du immernoch, dass Materie den Gedanken begründet oder das der Tod das Ende aller Gedanken bedeutet? Bevor du mir antwortest tu mir einen Gefallen und lies meinen Beitrag ein zweites Mal aber fühl dich nicht gezwungen.


Viele Grüße


(* ich schreibe das nur um zu zeigen wie leichtfertig man Dinge aus dem Blick verliert, wenn man sie oberflächlich aburteilt.)

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