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„Na?! – („Gut und dir?“)
Fallbeispiel:
Durch die Fußgängerzone laufen … Leute beobachten … mit den Gedanken ganz woanders sein … Man trifft Leute. Lächelnd begrüßt man flüchtige Bekanntschaften. Dann passiert es, das Unvermeidbare: Eine bekannte Person wird von Weitem wahrgenommen. Immer näherkommend, Blicke treffen sich, es wird wieder weggeschaut. Gleich ist es so weit. Man befindet sich noch in der passiven Phase dieser Situation: Soll man weitergehen mit einem breiteren Lächeln? Soll man stehen bleiben und etwas sagen? Soll man vielleicht im Vorbeigehen etwas Kurzes sagen, unbedeutend, aber doch so viel, dass man eine Bedeutung hineinlegen könnte, ja, dass es sogar den Anschein eines gewissen Interesses vortäuscht?
Es dauert nur noch einige Sekunden, dann muss die Entscheidung gefällt werden … 3 … 2 … 1 .
Die aktive Phase tritt sofort ein, man hat sich entschieden. Das Gegenüber handelt so, also reagiere ich darauf: „ Na?“ – „ Gut. Und bei dir?“ – „ Auch. Ich muss mal wieder.“
Diese Situation trifft oft im Alltagsleben auf – der „Smalltalk“.
Mit jeglichem Desinteresse wird diese rhetorische Frage seinem Gegenüber gestellt. Ohne darüber nachzudenken, sprudelt es aus einem heraus. Immer und immer wieder der selbe Ablauf. Und natürlich kann man diese Frage auch immer wieder erneut stellen, denn man hat ja nichts zu verlieren, da es nur eine mögliche Antwort zu scheinen gibt – „Gut.“ Denn mit einer anderen Antwort möchte man nicht konfrontiert werden. Im Gegenteil – man würde sich erschrecken, denn schließlich war man auf so etwas ja gar nicht vorbereitet.
Wenn man also seinen wahren Gemütszustand preisgibt und zur Abwechslung nicht verschleiert, sondern wahrheitsgetreu und ehrlich auf diese Frage antwortet, wissen andere vermutlich nicht etwas damit anzufangen. Denn das passt nicht in das einfache Konzept, das man sich insgeheim schon selbst zurechtgelegt und das Gespräch somit schon in eine Richtung gelenkt hat. Jetzt ist man verwirrt, der Situation nicht mehr gewachsen, sogar vielleicht überfordert, denn was soll man bitte mit dieser unerwarteten Antwort anfangen?
Will man denn überhaupt die Wahrheit wissen? Will man überhaupt eine längere Unterhaltung führen, die aufgrund dieser Antwort wohl schon fast unvermeidlich ist? Will man diese Bekanntschaft intensivieren und ein stärkeres, besseres Fundament aufbauen?
Es gibt zwei Möglichkeiten wie man darauf reagiert:
Das Gegenüber ist von der Wahrheit positiv überrascht, möchte mehr erfahren. Man interessiert sich also für die neue, nichtbekannte Situation. Das Fundament für ein längeres Gespräch wurde also gelegt. Jetzt kann es zementiert werden.
Oder:
Das Gegenüber ignoriert die Antwort. Man ist so überfordert, dass man einfach zu einem anderen Thema überschreitet, belächelt wird – mitleidig oder nicht – oder gleich weitergeht. Allerdings muss es nicht nur die Überforderung sein: Manche leben in dieser Welt, in der alles an einem abprallt. Folglich wurde die Antwort überhaupt nicht wahrgenommen, nicht realisiert. Jemand könnte also tatsächlich etwas anderes als „gut“ sagen? Das kann ja gar nicht sein. Man überhört die Antwort einfach.
Derjenige, der sich versucht hat zu öffnen und nicht die Standard-Antwort gab, weiß nun nicht, was er damit anfangen soll. „Hat man meine Antwort überhaupt wahrgenommen? Besteht ein wirklich so starkes Desinteresse bei meinen Mitmenschen?“
Wir müssen unseren emotionalen Ballast mit uns allein herumtragen. Das hat aber auch etwas positives: Wir haben immer die passende Antwort parat und somit können wir mit diesem einfachen Wort unseren emotionalen Ballast vor anderen verbergen, wenn wir ein Geheimnis um uns haben wollen oder gar, wenn wir eines sein wollen. Wir leben isoliert, wenn wir unseren inneren “Geist” nicht freilassen und ihn unserer Umwelt präsentieren; ihn um und in unserer Umwelt, unserem Umfeld herumschweben lassen. Was also soll diese ständige “Na-Frage”? Konsonant und Vokal werden aneinander gereiht … zwei Buchstaben … Erschreckend schnell und unvermeidbar wie es scheint. Es soll aufhören! Ich appelliere also an alle: Mit was assoziiert man dieses “Na”?! Es ist ein rhetorischer Satz oder gar eine Frage, indirekt irgendwie, so scheint es. Ein vorgeheucheltes Desinteresse, das wir äußern und vorgeben nicht zu haben.
Natürlich gilt das nicht für jedermann, das wäre gar ein Klischee, aber es hegt doch den Anschein, dass dieses kurze, nichtsaussagende Wort einfach nur – ohne jegliche Überlegung – in den Raum hinausposaunt wird, nur damit man irgendetwas gesagt hat, denn anders überlebt man die ungewohnte Stille, die somit auftreten würde, nicht. Ruhe … ein Vakuum, ein luftleerer Raum, in dem man sich dann quasi befindet. Ein so kleines Wort und eine so tiefe, starke Bedeutung. Engangereihte Situationen (re-)agieren aufeinander.
Jetzt stellt man sich die Frage: Soll man ins kalte Wasser springen und vielleicht riskieren unterzugehen oder bleibt man lieber gleich im Trockenen und hofft, eine Erfahrung zu erlangen, die man nicht bekommen kann, da man nicht den ersten Schritt gewagt hat. Denn schließlich kann dieser Schritt querschnittslähmende Resultate erzeugen, die einen belasten und einem wie Blei an den Füßen vorkommen. Also lieber nichts riskieren und das gewohnte “Na” regieren lassen … oder doch nicht?
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