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 Betreff des Beitrags: Re: Der Sinn des Lebens - "Produktionsfehler"?
BeitragVerfasst: Mi 18. Mär 2009, 17:32 
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Registriert: 04.03.09
Beiträge: 55
Zitat:
Diese Beispiele grenzen also die Wahrheit ein?


Nein, weil sie teilweise innerhalb und teilweise außerhalb der Grenzen liegen.

Bsp.:

Elke ist verliebt.

Dieser Satz kann eindeutig wahr oder falsch sein. Wenn ich z.B. Romanautor bin und einen Charakter erfinde, der Elke heißt und verliebt ist, dann kann ich den Satz als wahr annehmen.

Sollte Elke aber ein echter Mensch sein und selbst gerade darüber nachdenken, ob sie verliebt ist oder nicht, dann kann es passieren, dass es ihr unmöglich ist, eine Antwort darauf zu finden. Dann könnte man den Satz weder wahr noch falsch nennen.

Die Wahrheit ist es, die sich selbst eingrenzt, immer dann, wenn sie bestimmbar ist. Denn sie selektiert. Sie ordnet die Welt in (a) wahr und falsch, (b) logisch und nicht-logisch (wobei nicht-logisch einfach nur bedeutet, dass man entweder keine Aussagesätze vorliegen hat oder nur solche, von denen man nicht feststellen kann, ob sie wahr oder falsch sind). Die Selektion a ist sehr vorteilhaft für jede Form von Wissenschaft. Die Selektion b muss auch ideologiekritisch betrachtet werden, weil diese voreilige Schlüsse ziehen könnte, wie z.B. den, dass es keinen Sinn gäbe.


  
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 Betreff des Beitrags: Re: Der Sinn des Lebens - "Produktionsfehler"?
BeitragVerfasst: Mi 18. Mär 2009, 19:15 
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Registriert: 03.01.09
Beiträge: 125
FreierFall hat geschrieben:
Dann könnte man den Satz weder wahr noch falsch nennen.

Nein, sachlich hat er immer noch einen Wahrheitswert.
Entweder ist Elke nun verliebt oder nicht, sie selber weiß es nur nicht, bzw. ist sich nicht sicher.
Das schränkt nicht die Tatsache ein, ob sie nun verliebt ist oder nicht.


Zuletzt geändert von infiniti am Mi 18. Mär 2009, 19:16, insgesamt 3-mal geändert.

  
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 Betreff des Beitrags: Re: Der Sinn des Lebens - "Produktionsfehler"?
BeitragVerfasst: Mi 18. Mär 2009, 23:16 
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Registriert: 04.03.09
Beiträge: 55
Zitat:
Das schränkt nicht die Tatsache ein, ob sie nun verliebt ist oder nicht.


Ja, ich kenne das Spiel: Die Welt zerfällt in Tatsachen.

Aber:

Inwiefern kann man von Liebe wie von einer Tatsache sprechen?

Gibt es einen einheitlichen Entscheidungsapparat dafür, was Liebe ist?

Ist die Liebe von Mutter zu Kind die gleiche Liebe wie die Liebe zwischen Mann und Frau?

Ist die Liebe zwischen Annette und Herbert die gleiche Liebe wie die zwischen Christoph und Gisela?

Ist die Liebe zwischen Annette und Herbert heute die gleiche wie gestern?

Ist Liebe ein urmenschliches Gefühl oder ein von Menschen geschaffener Begriff, der bestimmte soziale Verhältnisse bezeichnet?

Welche Tatsache wird überhaupt durch den Satz >Elke ist verliebt< bezeichnet?


Die Bedeutung eines Wortes ist sein Gebrauch in der Sprache. Der allgemeinsprachliche Gebrauch des Wortes Liebe lässt es nicht zu, Liebe wie eine Tatsache zu behandeln.


Zuletzt geändert von FreierFall am Mi 18. Mär 2009, 23:17, insgesamt 1-mal geändert.

  
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 Betreff des Beitrags: Re: Der Sinn des Lebens - "Produktionsfehler"?
BeitragVerfasst: Do 19. Mär 2009, 18:20 
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Registriert: 03.01.09
Beiträge: 125
Freier Fall hat geschrieben:
Ist die Liebe von Mutter zu Kind die gleiche Liebe wie die Liebe zwischen Mann und Frau?

Ist die Liebe zwischen Annette und Herbert die gleiche Liebe wie die zwischen Christoph und Gisela?

Ist die Liebe zwischen Annette und Herbert heute die gleiche wie gestern?

Das sind alles Fragen, die nicht die Tatsache ändern, DASS Person A Person B liebt.
Sie ändern nur quasi die "Größe" der Liebe.
Mal liebt man jemanden anders als man ihn/sie gestern geliebt hat, ich weiß, was du damit meinst.
Die Liebe ist anders, aber man befindet sich immer noch im Großbereich "ist verliebt".
Und du willst jetzt behaupten, die Welt zerfalle nicht in Tatsachen?
Alles nur scheinbar?


  
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 Betreff des Beitrags: Re: Der Sinn des Lebens - "Produktionsfehler"?
BeitragVerfasst: Do 19. Mär 2009, 19:29 
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Registriert: 04.03.09
Beiträge: 55
Zitat:
Und du willst jetzt behaupten, die Welt zerfalle nicht in Tatsachen?
Alles nur scheinbar?


Ich behaupte, dass die Zerlegung der Welt in Tatsachen nicht bei jedem Untersuchungsgegenstand das angemessene Verfahren zum Erkenntnisgewinn ist.
Es sind neben der Zerlegung in Tatsachen noch andere Zerlegungen möglich sind, die man nicht vergessen sollte.

Wenn man z.B. ein Gedicht interpretiert, basiert diese Interpretation nicht allein auf Tatsachen. Sie kann auch nicht wahr oder falsch sein. Trotzdem hinterlässt eine Interpretation den Eindruck angemessen oder unangemessen zu sein, kann schlüssig oder unschlüssig sein.

Wenn man z.B. eine Entscheidung fällt, dann ist das Tatsachenwissen weniger ausschlaggebend als Überzeugungen. Überhaupt ist das Tatsachenwissen dabei überhaupt nur dann ausschlaggebend, wenn es zu den Überzeugungen gehört.
Heutzutage lernt man in eigentlich jeder Berufsausbildung wie man diesen Beruf richtig ausübt. Ein Polizist lernt, wie er aufgebrachte Personen beruhigen kann, ein Lehrer lernt, wie er Schüler beim Lernen unterstützen kann, ein Heizungsbaumechankier lernt, wie man eine Heizung repariert. Dieses Wissen, das sie sich da aneignen, ist kein Tatsachenwissen.
In den Lehrplänen für Schulen ist heutzutage auch nicht primär die Rede von Wissen, dass sich Schüler aneignen sollen, sondern von Kompetenzen, die sie entwickeln sollen. Das Wissen ist selbst eine dieser Kompetenzen.

Es gibt sozusagen verschiedene Betrachtungsebenen. Die Ebene der Objekte, die Ebene der Vorstellungen und die Ebene der Zeichen. Wenn man nun allein an Tatsachen orientiert ist, dann bleibt man immer auf der Ebene der Objekte. Von diesem Standpunkt aus kann man Vorstellungen und Zeichen wieder als Objekte betrachten, es funktioniert aber auch anders.
Die objektive Perspektive eignet sich vor allem für Naturwissenschaften. Naturwissenschaften haben aber mit dem Sinn des Lebens nichts am Hut. Deshalb ist das Urteil, dass es keinen Sinn des Lebens gäbe, aus dieser Perspektive heraus irgendwie fehl am Platz. Wenn ich aber ein Gedicht lese von Rilke oder mir ein Bild anschaue von Michelangelo, dann rückt der Sinn plötzlich ins Zentrum der Betrachtung, wird zu etwas greifbaren. Hier geht es ja nicht um Wahrheit sondern um die Erfahrung von Sinn. Sinn ist erfahrbar. Wenn aber Sinn ein erfahrbares Objekt ist, dann ist die Behauptung es gäbe keinen Sinn schlichtweg falsch. Sinn ist halt nur von Wahrheit verschieden (was nicht heißt, dass sie nichts gemeinsam haben).


  
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