louiz30 hat geschrieben:
* Wer ist er nun, der Mephistopheles?
* Steht er stellvertretend für den Menschen?
* Welches Weltbild verbirgt sich hier?
* Welches Bild des Universums liegt hinter dieser Aussage?
Ob diese Fragen ohne Kenntnis des Buches und dessen Inhalt beantwortbar sind? Und ob das nicht zu viel Buchinterpretation ist?
Mephistopheles ist der Gegenspieler von Gott und durch die Luzifer-Geschichte trotzdem ein Unterlegener und Bewunderer seiner Kunst. Nachdem die von Gott tolerierten Sphären Fausts Titanismus nicht befriedigt haben, sucht er Antwort auf anderen Ebenen. Wenn man den Geist, den er recht früh zu Anfang beschwört, nicht als Mephistopheles interpretiert, so sucht er als nächstes Antwort im Pantheismus, der ihm doch näher liegt, bevor er sich dann ganz dem Obskuren hingibt. Diese Form der Erkenntnis kann ihm nur Mephistopheles oder Mephisto (Teufel) näher bringen. Der Teufel gilt im Allgemeinen auch immer als Vertreter der (Woll-)Lust und Tollheit. Ebenen, die man nicht durch reine Studie aus Büchern erforschen kann und die Faust, der ja ohne Mephistopheles Hilfe alt geblieben wäre, auch wahrscheinlich nie mehr erlebt hätte. Auch die Verführung wird dem Teufel angedichtet und auch in dieser Disziplin versucht sich Faust bekanntlicherweise ja. Mephistopheles ist also nach klassischer Bibelinterpretation und Auslegung der Versucher und Verführer, versagt aber ebenfalls auch in seiner Rolle, weshalb Gott die Wette gewinnt.
Faust steht stellvertretend für einen Mensch zwischen Sturm und Drang und Aufklärung bzw. auch schon Klassik, die ja viele Aufklärungselemente wieder aufgreift. Die Erkenntnissucht als neues Bildungsmittel der Aufklärung ist in ihm genau so verankert, wie das systolisch-diastolisch Empfindsame der Stürmer und Dränger. Dieser Widerspruch zerreißt ihn förmlich, macht ihn zugleich aber auch zu einem "grauen" Charakter. Er ist geprägt durch Unebenheit im Charakter, Persönlichkeit und Psyche. Ein Element das heutzutage auch nicht allzu selten ist. Diese Spannungen werden entweder durch selbstauferlegten Druck oder Druck der Gesellschaft ausgelöst. Bei Faust war es ersteres, heutzutage ist es beides. Faust ist durch die Verwischungen der Grenzen, die durch die zwei Stilepochen entsteht, ein Mensch den man nicht eindeutig zuordnen kann.
Ob man Mephistopheles auf den Menschen beziehen kann, halte ich für fragwürdig - einzelne Elemente aber sicherlich, sonst würde er auch nicht in menschlicher Form darstellbar sein und nicht auf die Menschen eingehen können.
Das Weltbild ist auch zeitgenössisch. Es ist ein Weltbild im Umbruch, bezogen auf diese zwei konträren Dinge; Glaube an religiöse Elemente des Lebens sowie Empfindsamkeit, die verlangt nur nach Gefühl zu Leben und den Verstand als rationales (als etwas Negatives) und unmenschliches Element auszuschalten und eben genau der rationalen Erkenntnissucht. Wichtigstes und entscheidendes Element für Faust ist später dann der Titanismus, die Erkenntnissucht, das mag aber vielmehr daran liegen, dass nur die Anfänge noch in Goethe's Sturm und Drang - Phase und der Rest ausnahmslos in der Klassik entstand.
Fasse ich eine Aussage über das Universums auf und beziehe sie auf das allgemeine Behavior des Menschen, ist es relativ deckungsgleich mit den Menschen von heute. Einmal in Kontakt mit Macht in welcher Form auch immer gekommen, frisst sie sich durch den Menschen und ist unersättlich. Sie macht den Menschen parasitenähnlich. Letztendes gibt sie dem Menschen, aber doch nicht universelle Befriedigung, die er sucht, denn das kann Unersättlichkeit nicht.