von king » Di 13. Apr 2010, 14:34
Jaspers befasst sich mit dem "Selbstmord", wie er diesen Vorgang altertümlich bezeichnet, allerdings ohne ihn, wie der Wortbestandteil "Mord" es vermuten ließe, negativ zu bewerten.
Wenn man von Jaspers etwas Bestimmtes sucht, empfiehlt es sich, zunächst in seinem ca. 1000seitigen Werk "Von der Wahrheit" nachzuschlagen, dann aber auch in seinem vorletzten Werk "Der philosophische Glaube angesichts der Offenbarung".
J. befasst sich nicht ausführlich mit der Frage des Suizids. Es sind nur einige wenige Bemerkungen. Du findest sie hier:
Von der Wahrheit, S. 529 und 718 f
Der ph. Glaube angesichts der O., S. 472-74
Es geht ihm um das sterben Können im rechten Augenblick. Alles Dasein muss enden. Er unterscheidet gehöriges und ungehöriges Ende. Stets muß der Mensch das Ende dulden. Es zeigt sich aber auch eine Macht im Menschen, die sich nicht bedingungslos in ein Dasein eingeschlossen weiß. Der Mensch kann absolut nein sagen: der äußerste Durchbruch der Ordnung im Untragbaren. "Dass der Mensch sich im Äußersten das Leben nehmen kann, im hellen, reinen Entschluss, ohne Trübung durch Affekt, vielmehr sich selbst treu, darin liegt eine Würde." "Hier bezeugt sich die Freiheit des Einzelnen, der sich der Unterdrückung und dem vernichtenden Leiden entzieht."
Jaspers selbst und seine jüdische Frau, die er stets schützte, waren gegen Ende des "Dritten Reichs" auf einen gemeinsamen Suizid vorbereitet und trugen daher stets ein Zyankali-Kapsel bei sich. Tatsächlich hatte die Gestapo im März 1945 beschlossen, J. und seine Frau ins KZ zu verbringen; das wurde lediglich durch die Besetzung Heidelbergs durch die Amerikaner verhindert.
Das ungeprüfte Leben ist seinen Preis nicht wert. (Sokrates)
Philosophische Logik ist der Weg, auf dem man sehen muss, wie weit man kommt. (Jaspers)