Explikation von "Kommunikation"

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Explikation von "Kommunikation"

Beitragvon kunnukun » So 10. Jan 2010, 22:42

1981 hat Georg Meggle ("Grundbegriffe der Kommunikation") die Ergebnisse der Arbeiten von Grice, Strawson und Schiffer dazu, was es heißt, jmd. etwas zu verstehen zu geben (Kommunizieren), zusammengefasst und versucht, sie prädikatenlogisch zu reformulieren. Darüber wird meistens geschwiegen und lieber auf Watzlawick und blabla ("Man kann nicht nicht kommunizieren") verwiesen. Das Explikans ist nicht einfach - es gibt eine Kurzfassung (in: Meggle(ed.), "Handlung, Kommunikation, Bedeutung"). Kennt sich jmd. damit aus?
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Re: Explikation von "Kommunikation"

Beitragvon Stanley.Alvarez » Do 4. Feb 2010, 15:10

Also ein wenig kenne ich mich mit Meggles Theorie aus, ja. Mein Eindruck war übrigens eher, dass er die Ergänzungen von Grices Nachfolgern eher verworfen hat, als dass er diese in seinen auf Grice zurückgehenden Ansatz integriert hätte.

Darüber wird meistens geschwiegen und lieber auf Watzlawick und blabla ("Man kann nicht nicht kommunizieren") verwiesen.

Ich gebe dir Recht, dass Grice, insbesondere in der Lesart von Meggle, keine große Rolle mehr spielt. Aber dazu muss man auch sehen, dass Meggle seinen Ansatz, den er in der Habilitationsschrift von '81 angedeutet hatte, selbst nicht mehr wesentlich weiterverfolgt hat (heute beschäftigt er sich dagegen mit Ethik-Fragen).

Neben der Bedeutungstheorie von Grice (Intentionalistische Semantik) gab es halt noch die Theorie von Austin, fortgeführt von Searle (Sprechakttheorie), deren Vertreter sich heftige Debatten lieferten, bis sich letztere halt durchsetzte. Meggle hat in seiner allgemeineren Kommunikationstheorie zwar gemeint, er könne beide Ansätze widerspruchslos verbinden, aber wie gesagt: er hat seinen Ansatz nicht wesentlich weiter geführt. Auch ist seine Grice-Interpretation selbst etwas umstritten.

Und jetzt wird es persönlicher:
Ich halte Georg Meggle eigentlich auch für ein eher kleines Licht was Kommunikations- und Sprachtheorie angeht, und für eine völlige Fehlbesetzung, was sein jetziges "Fachgebiet" der Ethik angeht. Er ist ein reiner Logiker und ist auch (zu) fest davon überzeugt, alles damit erklären zu können. Ergebnis sind dann solche Aussagen wie: "Wozu soll ich Kant gelesen haben? Ich bin doch Logiker!" (O-Ton)

Find ich persönlich problematisch
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Re: Explikation von "Kommunikation"

Beitragvon kunnukun » Do 4. Feb 2010, 19:29

Danke für die Antwort - jemand hat's gelesen!
Ich glaube, dass Meggle gerade Sprechakte sehr gut als kommunikative Handlungen begreifen kann! Jeder Sprechakt ist eine kommunikative Handlung im Sinne Meggles. Sehr deutlich wird das in der vereinfachenden Darstellung in: Roland Posner "Believing, causing, intending: The basis for a hierarchy of sign concepts" (1993).
Unter Logikern verstehe ich etwas anderes als Meggle. Es ist völlig berechtigt, wenn Meggle versucht, Explikationen von "Handeln", "Kommunikation", "Aufforderungshandlung", ... in einer formalen Explikatsprache zu liefern. Denn das Deutsche ist für wesentliche Unterscheidungen, die man machen muss, zu ambig (Quantorenstellung ....).
Dass Leute wie Watzlawick als 'Kommunikationstheoretiker' beliebter sind, scheint mir weniger an Meggles Themenwechsel zu liegen als einfach daran, dass Erziehungswissenschaftler in die Methoden Meggles nicht 'reinkommen'. Leider bestimmt derartiges ja, was sich in der Scientific Community durchsetzt.
kunnukun
 
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