Einige Fragen aus gnostischer Sichtweise heraus

Glaubensfragen oder die große Wolke der Religion.

Einige Fragen aus gnostischer Sichtweise heraus

Beitragvon Third » Mi 13. Jan 2010, 16:24

Sei gegrüßt.
Ich habe einige Fragen an Menschen denen die Lehren der Gnosis bekannt sind, bzw Fragen über das für und wider gewisser Schlüsse die auf Annahmen der Gnosis basieren.
Einleitung(Wer direkt zu den Fragen möchte kann die Einleitung getrost überspringen):
Zunächst möchte ich kurz meinen eigenen geistigen Werdegang grob umreißen um zu veranschaulichen aus welcher Position und Form heraus ich meine folgenden Fragen stellen und Annahmen tätigen werde. Ich betrachte mich als einen skeptischen und philosophischen Mensch. Ich bin also auf der einen Seite verliebt in die Weisheit, was mich nach ihr streben lässt, aber ich bin allem was mir begegnet gegenüber skeptisch und behalte um meine Einsicht in die Welt und mich zu erhalten nur Elemente die ich nach bestem Wissen und gewissen geprüft habe. Diese Elemente müssen also entweder offensichtlich für mich erkennbar sein oder dürfen wenigstens nicht widerlegbar sein. Im weiteren müssen sie zur Schlüssigkeit meines Gesamtbildes beitragen, oder sogar das Gesamtbild ersetzen sofern sie mir als besseres Grundgerüst erscheinen die Welt und mich zu erkennen. Ich begann also wie man eben beginnt: Unwissend in die Welt geworfen, affektiert von Aussen- und Innen- Welt. Ausgestattet mit einer Leidenschaft dafür nach der Wahrheit zu suchen. Ich musste oft feststellen dass der Weg hin zum Wahren ein Weg zurück zu sein scheint. Ein Weg zurück zu den Wurzeln, zum Ursprung und auf den Boden. Die Enttäuschung ein negativ geprägtes Wort, so wie auch der Ausspruch: "Wahrheit tut weh" war dabei ein wichtiger Faktor den ich lernte in positivem Licht zu sehen da die Wahrheit meiner Hoffnung und meinem Empfinden nach für den nötigen erlittenen Schmerz mehr als entschädigt. Ich "verschlang" sowohl Sachbücher über Philosophie der Antike bis in die Gegenwart als auch spirituell und oder mystisch angehauchte Lyrik oder Prosa -querbeet. Soweit so gut. In den letzten Wochen beschäftigte ich mich jedoch mit den Lehren verschiedener gnostischer Strömungen insbesondere dem Valentinianismus der mir Antwort war aber auch Frage: Wie so oft.
Antwort, weil ich die Schöpfungsgeschichte dieser gnostischen Strömung wunderbar verwenden kann um all mein Wissen und Glauben über den Ursprung der Welt und des Menschen einbeziehen kann. Sowohl naturwissenschaftlich: Urknalltheorie als auch Psychologisch: teils konstruktivistische Ansätze (Der Kosmos ist ein Produkt des Geistes/ Materie ist Geist, der unwissend ist etc.)
und dies alles in Einklang mit der Schöpfungsgeschichte der Weltreligionen in Gestalt von Adam und Eva (mit eben der für die Gnosis typischen vom Christentum differierenden, teils konträren Interpretation und Erklärung für diese Geschichte) Und ausserdem dem Bewusstsein dass all das nicht wörtlich zu verstehen ist sondern metaphorisch, was schon allein dadurch der Gnosis immanent ist, dass sie besagt, dass alles was ist ein Ausdruck des Geistes ist, im Endeffekt also alles was ist eine Analogie oder ein Abbild geistigen Wirkens darstellt. Des weiteren bietet mir diese Anschauung Erklärungen für die menschlichen Irrungen denen ich ausgesetzt war und wohl auch noch bin, als auch für die Tatsache dass in unserem Kosmos alles in alles greift. Dass die Dimensionen nicht klar getrennt sind sondern alles fein abgestimmt ist und stufenlos das Eine in das Andere übergeht und dass die jeweilige Schöpfung sowohl ihren eigenen Geist hat als auch Zeugungsfähigkeit besitzt. Damit ist sie auch eine Antwort auf die Theodizeefrage. Sie ist aber wie eingangs erwähnt nicht nur Antwort sondern auch

Frage: Wenn ich anerkenne dass alles weltliche Sein in dem wir uns heute befinden einem widergöttlichen Prinzip entsprungen ist und sich dadurch selbst reproduziert dass wir es für wahr halten und es dadurch aufrecht erhalten dann kann mein Schluss sein:

a) Ich selbst wende mich ab von diesem Denken und Handeln und versuche dem wahren "ungezeugten Vater" nah zu sein indem ich mich nicht mehr von weltlichen Dingen affektieren und ablenken lasse also versuche meinem Geist keine feste Form zu geben sondern ihn formlos, gestaltlos sein lasse,ihn im selben Moment also 100%iges Potential aber auch "Nichts" sein lasse.

oder

b) Ich die Erkenntnis habe die mich aus dieser Welt retten kann ich mich dazu aber nicht von der materiellen Welt der Körperlichkeit abwenden muss.

Aus letzterer Möglichkeit würden sich weitere Fragen danach ergeben wie mich die Erkenntnis nun rettet, oder ob sie mich allein durch ihr Erkennen schon rettet. Und was ich denn nun auf Erden für eine Aufgabe habe. Wenn ich mich nun also als Mensch in der beschriebenen Situation erkenne. Was bleibt dann zu tun? Ist das absolut individuell? Muss ich als Mensch also selbst definieren was es bedeuted Mensch zu sein?

Diese Fragen drängten sich mir auf weil auf der einen Seite ich wie erwähnt die Gnostische Sichtweise sehr gut anwendbar finde, aber sie mich gleichzeitig einem wichtigen Lebensinhalt beraubt der mir vorher nicht ganz klar war, aber nun um so klarer wird: Das Zeugen. Laut Aristoteles ist Eros das göttliche Prinzip welches dafür sorgt, dass alles was ist zur Vollendung strebt. Er beschreibt es als "Der Drang danach im Schönen zu Zeugen". Und die meisten Menschen werden mir Beipflichten wenn ich sage dass dieser subjektiv empfundene Drang eine wichtige Antriebskraft des Menschen ist und seine zumindest subjektive Erfüllung als die "Besten Erinnerungen" im Gedächtnis zurückbleibt.

So bestechend anwendbar und schlüssig mir das gnostische Denken also zuspielt, so sehr sehe ich das Problem eine Leere die diese Lehre hinterlässt da sie mir den bisherigen Sinn meines Daseins nimmt: Sie sagt es sei eine Irrung zu Zeugen und ein Fehler das Nachahmen zu wollen was man als Höchstes zu erkennen glaubt, da es genau das ist was unsere Welt der Irrung hervorbringt.

Ich danke im Vorhinein für das Auseinandersetzen mit der von mir angesprochenen Thematik. Ich möchte noch darauf hinweisen dass ich diese Frage auch in einem weiteren Forum stellen werde auf welches ich bei meiner Suche gestoßen bin.
Third
 
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Re: Einige Fragen aus gnostischer Sichtweise heraus

Beitragvon Krissi » Sa 30. Jan 2010, 00:45

Wenn ich mich jetzt nicht schwer vertue geht es bei gnostischer Sichtweise weniger um Adam um Eva, sondern um Sophie als letzes Äon, die Weisheit. Als sie so sein wollte wie Gott hat man ihr die Sehnsucht herausgenommen, und ihr einen Retter geschickt. :roll: Oder so ähnlich, ich muss nochmal nachsehen.

Das letzte jedoch was ich davon zur Kenntnis genommen habe, war eine ganz praktische Einstellung. Es ist nämlich so, dass um einen Tisch herum immer ein Platz frei bleiben sollte, für den unerwarteten Gast.

Aber wir können das Thema gerne mal genauer und gründlicher vertiefen.

Liebe Grüße
Krissi
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