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 Betreff des Beitrags: Polyamorie - Eine persönliche Erfahrung ...
BeitragVerfasst: 28. April 2008, 01:21 
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Hidehoo ^^

Ich selbst habe die letzten 2-3 Monate meine ganz persönliche Erfahrung im Bezug zur Polyamorie, also der gleichzeitigen Liebesbeziehung zu 2 (oder mehr) Menschen zugleich, gemacht und denke, der Zeitpunkt ist gekommen, um dies nun mal zu reflektieren. Ich tue dies nicht nur um der Möglichkeit zur Diskussion willen, sondern auch, um selbst anhand der Gedanken darüber zu wachsen und um die Lage besser in den Griff zu bekommen.

Erstmal zur Vorgeschichte: Ich selbst lebe nun seit ca. 4 Jahren mit meiner Freundin zusammen und bezeichne meine Beziehung zu ihr als Fest, wenn auch nicht ohne Streit hier und da. Seid nun ca. einem halben Jahr habe ich eine neue Arbeitskollegin auf Station (bin Altenpfleger) in die ich mich gleich zu Anfang Hals über Kopf verliebte. Da ich aber bereits glücklich in einer Beziehung steckte, offenbarte ich ihr meine Gefühle, sagte aber im gleichen Atemzug, dass es mir sehr unangenehm sei und dass ich Zeit brauche, um wieder klar in ihrer Gegenwart denken zu können. Auch meiner Freundin erklärte ich die Situation (Ja, nennt mich ruhig "scheißen-ehrlich" ^^). Ich dachte mir, wenn die Zeit nur weiter vergeht, so wird meine Verliebtheit, welche ja nur eine Hormon-Dröhnung der Extraklasse ist, schon verschwinden und den Weg für eine Gute Freundschaft oder Kollegialität ebnen.
Pustekuchen ... Selbst nach 3 Monaten hatte ich noch immer Gefühle für meine Kollegin, was sich auch bis heute nicht änderte. Natürlich berichtete ich auch darüber meiner Freundin und auch meiner Kollegin, was zwar zunächst in meiner Beziehung für Probleme sorgte (Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eil versucht was Leiden schafft), welche aber zum Glück mit vielen Dialogen und Liebesbeweisen aus der Welt geschaffen werden konnten. Zu meiner Kollegin baute ich trotz der starken Gefühlsebene eine gute Freundschaft auf, was nicht immer leicht war, da ich dabei eine von mir selbst gelegte Grenze nie überschreiten durfte, nämlich die der Intimität (Wie mächtig und loyal doch ein treues Herz sein kann ^^).
Ich besuchte meine Kollegin nicht selten und nahm sie auch mit Leidenschaft in den Arm oder "knuddelte" mit ihr, wobei ich mir selbst das Ziel gesteckt habe, zu ihr eine platonische Liebesbeziehung aufzubauen.

Nun der Ist-Zustand: Mittlerweile verstehen sich beide Frauen besser. Wir waren schon zu dritt in der Disco und haben nun auch noch eine Rollenspielgruppe, die bald das erste mal einen Abend zusammen verbringt (mit einem anderen Kumpel von uns allen zusammen). Meine Kollegin weiß nur, dass ich immer noch etwas besonderes in ihrer Gegenwart empfinde, nicht aber dass ich das Ziel der platonischen Liebesbeziehung habe, Meine Freundin hingegen weiß, dass ich auch meine Kollegin noch immer Liebe und dass sich das auch niemals ändern wird, so jedenfalls nun nach 6 Monaten meine persönliche Einschätzung der Dinge.

In einer Woche hat meine Kollegin Geburtstag, wo ich ihr neben ein paar "normalen" Geschenken auch ein ganz besonderes Geschenk machen werde, nämlich mein Wakizashi, ein Kurzschwert der Samurai, welches immer zusammen mit dem Katana bei sich getragen wurde. Das Schwert eines Samurai repräsentiert dessen Ehre und Würde und wenn es jemandem gegeben wurde, so gab man zugleich sein Leben in die Hände des Empfängers. Genau dies möchte ich durch diese Geste symbolisieren.
Da dies aber auf ihrem Geburtstag statt finden wird, werde ich das Schwert in Geschenkpapier einwickeln und zuvor an die Kordel des Schwertes ein Schild mit der Aufschrift "Hausordnung" anbringen (passend, da ihr Geburtstag auch gleichzeitig eine Einweihungsfeier für ihre Wohnung ist).
Die Einziehe Sache, worüber ich mir nicht im Klaren bin ist, ob ich ihr den Sinn des Geschenkes hinterher per Brief erkläre, es ihr so später erzähle, oder aber ob ich es nie tun sollte, um nicht die Freundschaft zu gefährden.

Abschließend kann ich sagen, dass der Prozess bis heute ein emotional sehr schwerer war, da ich zwischendurch immer wieder von Fragen geplagt wurde, über die ich mir den Kopf zerbrach und auch tränen vergoss. Dennoch fühle ich mich nun glücklicher als zuvor und freue mich, gleich zwei solch wundervolle Wesen in mein Herz geschlossen haben zu dürfen.

Her mal ein Link, der schon in einem anderen Thread aufgeführt war ... Polyamorie bei Wikipedia

Meine Fragen an euch sind nun ob und wie ich meiner Kollegin die Geste erklären sollte und was ihr von meiner Situation haltet. Habt ihr irgendwelche Tips oder eigene Erfahrungen, die mir helfen, diese Situation so gut wie möglich zu meistern, ohne jemandem dabei zu sehr zu schaden?

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BeitragVerfasst: 29. April 2008, 21:05 
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Ja mit 25 kocht das Blut, das wird mit 30 nicht viel anders sein, glaub mir Nashi.... ;-)

Wenn du meine Einschätzung deiner, m.E. nicht so unbitteren Realität,
erfahren möchtest lies weiter. Wenn du weiterhin in deiner Welt (nicht bös gemeint - aber jeder
verliebte lebt in einer Art Traum-Welt) leben möchtest
dann brich jetzt hier ab.
Aber bedenke Neo ..äh Nashi - alles was ich dir anbiete sind Erfahrungen....

Ich denke du sprichst von der Frau, bei der du "nur" deswegen Glücklichkeit empfandest
weil du einfach froh warst gleichzeitig mit ihr das selbe Universum teilen zu dürfen... also rein ohne
den berüchtigten Hintergedanken? Oder ist sie es etwa nicht?
Egal wie auch immer....

Ich bin seit ca. 10 Jahren mit meiner Frau zusammen (fünf davon verheiratet). Aus unserer
Ehe sind zwei Kinder hervorgegangen und wir leben glücklich ohne Sorgen und Nöte.
Dennoch habe ich mir vor einiger Zeit ebenso in eine andere Frau verliebt, Nashi, die wenn
auch etwas älter als ich mit mir sehr viel scherzte und lachte.... wir verstanden uns super und
fingen irgendwann an "harmlos" und unverbindlich zu flirten. Damals hielt ich es nur für ne
spassige Neckerei und wir verstanden schnell, da wir beide im grafischem Bereich uns kreativ "austobten",
wie sehr wir doch auf einer gemeinsamen Wellenlänge schwammen.
Ich erzählte von der ersten Minute an alles detailiert meiner Frau und auch meine Bekanntschaft wusste,
dass ich verheiratet bin und Kinder habe.
Ich setzte mir genau wie du feste Grenzen... auch meine Frau war anfangs noch sehr an meiner
Bekanntschaft interessiert, wobei ein kontakt zwischen ihr und meiner Frau niemals zustande kommen sollte.

Es verging einig Zeit und es sollte mich den guten Rat einer alten Freundin kosten, bis ich mir endlich klar
darüber wurde, wie sehr ich mich in Detail über Grafiken, Signaturendesigns und Bannergrafikenerstellung
und deren scheibar wichtige Fragen flüchtete (ähnlich wie bei dir mit der Schwertfrage und der Flucht in die
Begrifsdefinition von Wiki, Nashi) nur um nicht erkennen zu müssen, dass das was ich mit meinem
getrübtem Blick durch die Schmetterlinge meines Bauches, niemals wahr haben wollte.
Nämlich dass ich jeden Tag meine Frau damit mehr und mehr innerlich verletzte auch wenn sie gute Mine
machte und es sich nicht anmerken lies. Ich redete mir genau das ein, was ich auch später in deinem Text
wiederfinden sollte... welch bittere Ironie der Lebens, Nashi.
Die Augen hat mir eine alte Bekannte erst richtig geöffnet als aber mein Entschluss bereits fest stand,
dass ich den Kontakt zu meinem freundschaftlichem Flirt (welch Widerspruch in sich!) auf der Stelle abbrach.

Sie hat sich dann noch ein paar mal per Messenger bei mir melden wollen, habe ihr aber nie wieder
geantwortet oder zurück geschrieben. Sie teilte mit mit, dass man möglicherweise Krebsgewebe
in ihrer Schilddrüse gefunden hätte und sie zur Biopsie ins Krankenhaus müsse um weiteres zu erfahren,
das entsprach wohl auch der Wahrheit, da das mit den Informationen die ich aus einer anderen Quelle
über sie bekam stimmte und ihr Grafikforum ab da offline war.
Es schmerzte mich sehr nicht mit ihr darüber reden zu können oder zu wissen wie es ihr geht, einfach den
Kontakt abzubrechen.... wie eiskalt von mir. Aber ich musste meine Ehe schützen, sonst hätte ich
über kurz oder lang durch meinen persönlichen Egoismus meine wirkliche Liebe verloren - meine Frau...

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lassen, aus jenen Schubladen zu klettern, in die
wir sie vorher selbst hinein gesteckt haben.

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BeitragVerfasst: 30. April 2008, 08:14 
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Ok, ich denke ich verstehe deine Bedenken an der Sache, aber auch nach dem Lesen deiner eigenen Erfahrungen sehe ich die Sache etwas anders. Dabei muss man eventuell auch bedenken, dass ich mit beiden sehr offen über das geschehen rede. Heute Nacht z.B. bei der Nachtschicht habe ich mich mit meiner Kollegin, die noch Papierkram erledigen musste, richtig ausgesprochen. Ich sagte ihr nun direkt, was ich für sie empfinde, und dass ich eben diese Liebe auf reiner Platonischer Ebene belassen möchte, was sie (zum Glück) richtig verstand und dieses so akzeptierte. Zudem sage sie mir, dass auch sie etwas für mich empfand und immer noch empfindet, wobei auch sie nun in einer festen Beziehung steckt und die Sache auf der Ebene belassen will.
Ich weiß sehr wohl, das meine Freundin zum Teil darunter leidet, aber ich denke es gehört in einer Beziehung dazu dem Partner auch seine Freiräume zu lassen, so lange es eben vertrauensvoll und ehrlich von statten geht. Zudem weiß sie auch, dass ich sie nicht weniger, sondern mehr liebe als jeden anderen Menschen.
Dazu muss ich sagen, dass meine Beziehung zu meiner Freundin nun aus dem längeren Geschehen heraus fester, inniger und auch liebevoller geworden ist, da ich ihr Vertrauen spüre und mir auch Bewusst mehr Zeit mit ihr nehme. Es ist für mich nicht mehr so selbstverständlich in einer Beziehung zu sein, seid dem ich diese Erfahrungen gesammelt habe, sondern ich koste die Momente mehr aus als zuvor. Und das merkt meine Zukünftige Frau.

Wie aus dem Text zu entnehmen ist hat sich das mit dem Brief nu ja auch gegessen ^^

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BeitragVerfasst: 30. April 2008, 09:40 
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Ich hoffe nur dass du dir bewusst machen kannst wie sehr du deine Freundin damit verletzt,
ganz gleich ob es offen geschieht oder nicht. Eine platonische Ebene zwischen Mann und Frau
gibt es m.E. nicht - schon gar nicht wenn man den anderen nicht gerade abgrundtief hässlich
findet, da machst du dir IMO was vor, nashi.
Aber du wirst diese Erfahrung auch noch machen (müssen). ;-)
Ich hoffe nur, und wünsche euch allen dreien, dass niemand so tief verletzt wird am Ende,
dass er... naja lassen wir das, ich denke du weisst schon was ich dir damit sagen will.

Ich könnte jetzt noch so manche Erfahrung von mir dazu schreiben, denke aber dass
das wenig Sinn hat, denn ich habe ja damals auch nicht (leider nicht) auf meine "Kumpeline"
hören wollen als sie mir ihre Erfahrungen berichten wollte. Denn das Bauchgefühl kann blind und
taub machen... Aber in ein paar Jahren blickst du zurück und wirst wissen ob deine
Entscheiungen richtig waren oder ob du sie bereust und du den Menschen aus deinem Leben
vertrieben hast den du nach fünf Jahren Beziehung wirklich lieben gelernt hast.

Jeder Mensch trifft mindestens einmal im Leben die Person seines Lebens - aber nur die wenigsten
erkennen sie wirklich ...hat so oder ähnlich mal jemand gesagt.
Ich wünsch euch alles Beste für euer beider (dreier) Zukunft und wünsche dir,
dass du richtig entscheiden wirst, denn mehr kann niemand tun.

Viele Grüsse
Rico

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BeitragVerfasst: 30. April 2008, 14:27 
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Danke dir für deine Erfahrungen. Ich will ja nicht sagen, dass all das was du schreibst nicht stimmt. Ich denke nur, dass ich die Sache, solange ich mich von meiner Ethik und meinem "Herzgefühl" (ich meine dies wie ich es einst sagte mit dem "Auf sein Herz hören") leiten lasse und mir die Lage aus allen Perspektiven bewusst mache (Worunter auch gehört, deine Bedenken immer vor Augen zu haben), unter Kontrolle habe und im wohl aller Handeln kann.

Und was deine Bedenken betrifft, dass eine Beziehung auf Platonischer Ebene nicht funktionieren kann zwischen Mann und Frau (wobei du das genau so siehst wie Platon selbst ^^), so sehe ich dies anders, da ich selbst schon früher platonische Beziehungen zu Frauen hatte und so aus eigener Erfahrung heraus das Gegenteil für mich persönlich beweisen konnte ^^.

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BeitragVerfasst: 1. Mai 2008, 17:31 
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Zitat:
Ich denke nur, dass ich die Sache, solange ich mich von meiner Ethik und meinem "Herzgefühl" (ich meine dies wie ich es einst sagte mit dem "Auf sein Herz hören") leiten lasse und mir die Lage aus allen Perspektiven bewusst mache (Worunter auch gehört, deine Bedenken immer vor Augen zu haben), unter Kontrolle habe und im wohl aller Handeln kann.


Kommt mir das nicht irgendwie bekannt vor? *kopfkratz* ...oh ja jetzt weiss ichs wieder - von mir selbst, Nashi. :roll: :wink:
Warum lädst du nicht deine Freundin zu unserem kleinen Gedankenaustausch hier im Forum ein?
Mich würde mal interessieren was sie dabei fühlt und denkt. :?

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BeitragVerfasst: 15. Juni 2008, 01:45 
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Gefühle per Beschluß und Vertrag

Als Arbeitgeber kann ich jemanden einstellen, der meinen Anforderungen entspricht, ich kann von ihm klar definierte Leistungen erwarten, die er erfüllen muss, ansonsten, und das weiß er, kann ich ihm wieder kündigen. Die Rekrutierung und Verwendung von menschlichen Funktionen und auch die Entsorgung bei Defekten oder Qualitätsminderung, ist in der Arbeitswelt etwas, womit man sich wohl abfinden muss...?
In der Liebe, und das ist mitunter einer der Hauptgründe, warum so viele Menschen bei dem Thema so ratlos und verzweifelt sind, hat sich das selbe Prinzip jedoch schon so eingefleischt, dass wir die Perversion daran gar nicht mehr merken.
Jemanden zu lieben wird eigentlich für gut befunden, ist aber das schlimmste Verbrechen, wenn es sich dabei um jemanden handelt, der keinen Ehevertrag mit einem abgeschlossen hat, und man selbst schon einen Ehevertrag oder ein bestehendes Monogamieabkommen hat. Schlimmer noch, wenn man zu der Liebe auch noch sexuelle Wünsche entwickelt. Gefühle unter Strafandrohung ist vollkommen normal. Vielfältigste ausgetüftelte Strategien können einen vor solch einem Dilemma schützen: Man meidet einfach den Kontakt zu Menschen, mit denen man keinen Vertrag hat.
Und wenn, dann zwingt man sich einfach zur Oberflächlichkeit. Das ein oder andere aufkeimende Gefühl lässt sich zur Not auch schon ganz wirkungsvoll abtöten, wenn man etwas Übung darin hat.
Allerdings gibt es auch kniffeligste Strategien, das Monogamiegebot zu umgehen, ohne es beschädigen zu müssen: Die einen sind darüber überein gekommen, dass Liebe ja nicht so verkehrt sein kann, Sex aber schon. Platonische Freundschaften ausserhalb der Vertragspartnerschaft werden per Zusatzklausel erlaubt. Die anderen vereinbaren genau Gegenteiliges: Sex , wenn man nichts weiter dabei empfindet und es bei einem spaßigen one-night-stand bleibt, ist erlaubt. Liebe dafür ein absolutes Tabu. Gemeinsame Besuche eines Swingerclubs beleben das schon eingerostete triste Sexualleben , sofern auch da die klaren Regeln zur Absicherung eingehalten werden.
Und wer sind all die Kunden, die ihr Geld in Bordelle tragen? Sex , den man mit Geld bezahlt, ist harmlos, da man nichts weiter dabei empfindet.
Liebe und Sex sind , sofern sie sauber getrennt konsumiert werden auch noch mit dem rückständigsten Monogamieverständnis vereinbar. Man will ja schließlich den Partner nicht einsperren, oder? Das aller unmöglichste und verwerflichste ist hingegen das schönste und tiefste der menschlichen Gefühle: eine romantische, tief empfundene Zuneigung mit sexueller Erfüllung.
Unsere Gesellschaft wäre nicht mehr so dirigierbar, der kleine Mann und die kleine Frau nicht mehr so leicht einzuschüchtern, zu ängstigen und zu manipulieren, würden die Untertanen einer Gesellschaft erfüllte Beziehungen zueinander pflegen. Man könnte einander auffangen und unterstützen, man könnte sich möglicherweise auch materielle Güter teilen und Hilfen leisten, die der Wirtschaft verloren gingen. Es ist also viel besser, man propagiert weiterhin die Monogamie, klagt Menschen der Verwerflichkeit an, schürt Schmerz und Angst und Verunsicherung, die die Leute veranlasst gemäss ihres Sicherheitsbedürfnisses sich abzukapseln, nur an sich zu denken und die „Eigenen“, anderen zu misstrauen und ordentlich die Ellenbogen auszufahren.
Entgegen aller Vorurteile und Statistiken, die besagen könnten, dass viele Ehen nicht halten, läßt sich doch eine Sache ganz hervorragend mit Monogamie erreichen:Sicherheit. Die sichere Gewissheit, das schönste aller Gefühle bis dass der Tod das Elend beendet, zu konservieren.
Schleichen sich doch wider Erwarten psychosomatische Krankheiten ein, es flutscht und steht nicht mehr so wie einst, so hat sich die Gesellschaft auch darauf hervorragend eingerichtet, damit auch ja keine Zweifel aufkommen: Sie hilft mit Paartherapie und notfalls auch mit blauen Pillen.
Was ich bisher noch vernachlässigt habe ist das Thema der allgemeinen Rücksicht und des Schmerzes: Es tut weh, zu erfahren, dass es dem Vertragspartner außerordentlich gut geht. Aus Rücksicht ist es angebracht, auf größere Gefühle zu verzichten und sich an den kleinen Dingen wie dem gemeinsamen Fernsehabend zu erfreuen. Passiert doch soetwas grausames, so ist die Gemeinschaft auch dafür gewappnet: Der bedauernswerte gehörnte , betrogene oder hintergangene Vertragspartner wird systematisch bemitleidet und bekommt aktive Trennungshilfe. Per Beschluß muss nun diese Liebe enden, dem nicht mehr nach den Vorgaben funktionierenden Angestellten wird bedingungslos gekündigt, damit die Chance gewährleistet werden kann, der Monogamie mit einem neuen Vertragspartner Folge zu leisten.
Ein Problem sind dann nur noch die unter Umständen verbliebenen Altlasten, die zu unerwünschten liebevollen Erinnerungen führen könnten. Dem kann man vorbeugen, wenn man über genügend finanzielle Mittel verfügt, sich eine komplette neue Wohnungseinrichtung zu leisten. Ansonsten sollte man daran denken, dass es nützlich sein könnte, Fotografien und Geschenke zu vernichten um diese retrospektiv unglückseelige ,verschwendete Zeit in die tiefen seines Unterbewusstseins zu verdrängen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Polyamorie - Eine persönliche Erfahrung ...
BeitragVerfasst: 16. Juni 2008, 15:57 
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Registriert: 4. Oktober 2007, 13:33
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Monogamie als machtpolitisches Werkzeug?
Ich hatte wohl bisher ein völlig verklährtes Bild von dir, Anja, sry.

Ich denke Monogamie entseht wenn Herz UND Verstand miteinander philosophieren und dabei
auf einen Nenner kommen, mehr nicht.

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