Hallo,
ich kenne diese Stimmung die du beschreibst gut. Ich denke das es das ist, was Kierkegaard mit der Verzweiflung des Menschen meint. Meiner Meinung nach ist das die Grundstimmung des Menschens, die er ständig versucht zu übertönen, durch Arbeit, Sport, Partys, Drogen... (Natürlich wäre dann Gleichgültigkeit, die Konsequenz von der unten geschilderten "Verzweiflung des Menschen")
Kierkegaard erklärt, das jeder Mensch diese Verzweiflung (im Sinne von Disharmonie, Depressive Verstimmung), in sich trägt, auch wenn dieser behauptet 'gesund' zu sein. Er bezeichnet diese Verzweiflung als eine Krankheit, eine notwendige Krankheit, um zu sich selbst zu finden, einen höheren Blick zu bekommen. Wobei er als Endziel die Gotteserkenntnis im Auge hat; dieser Meinung schließe ich mich jedoch nicht an.
Der Mensch ist dadurch verzweifelt(im oberen Sinne), weil er Vernunft hat, über sich und die Welt reflektiert.
"Also ist es ein unendlicher Vorzug, verzweifelt sein zu können, und doch ist es nicht nur das größte Unglück und Elend, verzweifelt zu sein, es ist Verlorenheit."
Weiter führt er aus, dass gerade die Verzweiflung den Menschen über die Tiere erhebt, also kann man deuten, das jene Verzweiflung nur bei vernunftbegabten Wesen(=Mensch) vorkommt.
Und zuletzt noch eine Beobachtung/Erfahrung von mir: Die meisten Menschen scheinen glücklich und zufrieden zu sein. "Ausgeglichen". Doch ich schließe mich hier Kierkegaard an, dies habe ich auch beobachten können: "Wie der Arzt wohl sagen mag, dass vielleicht nicht ein einziger Mensch lebe, der ganz gesund ist, so müßte man, wenn man den Menschen recht kennt, sagen, dass nicht ein einziger Mensch lebe, ohne wenigstens etwas verzweifelt zu sein, ohne doch zuinnerst eine Unruhe zu tragen, einen Unfrieden, eine Disharmonie,(...)"
Und noch ein Argument Kierkegaards gegen einen sicherlich schon aufsteigenden Einwand:
"Diese Betrachtung wird gewiß manchem wie ein Paradox erscheinen, eine Übertreibung, dazu eine düstere und vestimmende Anschauung. Doch ist sie nichts von alledem. Sie ist nicht düster, sie sucht vielmehr Licht in das zu bringen, was man gemeinhin in einem gewissen Dunkel stehen lassen möchte; sie ist nicht verstimmend, im Gegenteil erhebend, da sie jeden Menschen unter der Bestimmung der höchsten Forderung an ihn betrachtet, Geist zu sein. Sie ist auch kein Paradox, vielmehr eine konsequent durchgeführte Grundanschauung und insofern auch keine Übertreibung.
Die allgemeine Betrachtung der Verzweiflung bleibt dagegen beim Anschein stehen und ist so eine oberflächliche Betrachtung, das heißt, gar keine Betrachtung. Sie nimmt an, dass jeder Mensch ja am besten bei sich selber wissen müsse, ob er verzweifelt ist oder nicht. Wer von sich selber sagt es zu sein, der gilt für verzweifelt, aber wer nicht von sich selber meint, es zu sein, der wird auch nicht dafür angesehen.
Demzufolge wird die Verzweiflung ein selteneres Phänomen, statt dass sie das ganz Allgemeine ist. Das ist nicht das Seltene, dass einer verzweifelt ist; nein, das Seltene ist, das sehr Seltene, dass einer in Wahrheit es nicht ist."
Ich wollte hiermit nur eine andere Sichtweise des Problems einbringen. Eine Lösung ist es nicht, obwohl es evtl. lindernd wirken könnte.
Ich würde diesen Zustand als Auswirkung der (zu dieser Zeit) unübertönten Vernunft annehmen

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Dazu möchte ich noch erwähnen, dass ich eine Depression in diesem Falle anzweifle, da Gleichgültigkeit/Gefühlslosigkeit nicht mit einer Depression gleichzusetzen ist, jedoch auch ein Symptom ist.
lG, Philipp.