Über das Bewusstsein - ein Gedankenexperiment

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Über das Bewusstsein - ein Gedankenexperiment

Beitragvon JoDa » Di 17. Jan 2012, 22:48

Man stelle sich vor, man habe eine Maschine angeschafft, welche eine bestimmte Arbeit verrichtet, zuverlässig rund um die Uhr, Tag für Tag. Diese wird gut gepflegt und gewartet, trotzdem kommt es im Laufe der Jahre immer wieder zu kleineren Defekten und die Leistungsfähigkeit lässt nach. Dem wird entgegengewirkt, indem defekte oder verschlissene Teile stets durch neuwertige identische ersetzt werden, so dass sich die Maschine immerzu in einem perfekten Zustand befinde. Nach vielen Jahren sind nun alle Teile ausgetauscht worden, so dass keines mehr dem Original entspricht, wie es bei der Anschaffung der Maschine verbaut war. Trotzdem verhält sich die Maschine wie sie es immer tat: sie verrichtet dieselbe Arbeit, genauso zuverlässig wie sie es einst tat.
Ein Betrachter, der die Geschichte des Apparates nicht kennt, also nichts von den Reparaturen und den ersetzten Teilen weiß, muss die Maschine für genau die gleiche halten, die sie anfangs gewesen ist.
Stellen wir einmal analoge Betrachtungen für das menschliche Gehirn an. Nehmen wir an, die Medizin wäre in der Lage, dieses zu „reparieren”, also Teile davon durch exakt identische zu ersetzen. Wenn man einem Menschen immer wieder kleinere Teile des Gehirns entnähme und stattdessen perfekte Kopien der Teile einsetzen würde, solange bis kein Teil mehr dem Original entspricht, würde es sich noch um denselben Menschen handeln?
Da die ausgetauschten Teile physikalisch exakt dieselben Eigenschaften aufweisen wie die originalen, ist anzunehmen, dass ein äußerer Betrachter keine Unterschiede im Verhalten oder den Erinnerungen dieser Person bemerken wird. Es stellt sich jedoch die Frage, ob das Bewusstsein des Menschen noch dem ursprünglichen entspricht oder ob es sich um ein neues Bewusstsein handelt. Ist also die Wahrnehmung und das Bewusstsein der ursprünglichen Person erloschen, ist diese also „gestorben” oder wurden diese in das erneuerte Gehirn „überführt”.
Dazu soll ein weiterer Fall betrachtet werden. Nehmen wir an, wir könnten eine perfekte Bauanleitung des Gehirns eines Menschen anfertigen und es anhand dieser jederzeit identisch nachbauen. Nachdem wir dies getan haben, töten wir das Gehirn der betreffenden Person und verpflanzen anschließend die perfekte Replik wieder in den Körper. Unzweifelhaft muss man davon ausgehen, dass das Bewusstsein der ursprünglichen Person erloschen ist, obwohl sich diese nach der Transplantation des Gehirns vielleicht für einen äußeren Beobachter exakt gleich verhält und über die gleichen Erinnerungen verfügt.
Angenommen, wir könnten die oben beschriebenen Experimente tatsächlich ausführen, obwohl dies zutiefst verwerflich wäre, so würden diese dennoch nichts zur Klärung des Sachverhaltes beitragen. Die Wissenschaft ist nämlich genau der erwähnte „äußere Beobachter” und könnte daher gar nicht feststellen, ob das Bewusstsein vor und nach dem Versuch dasselbe ist.
JoDa
 

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Re: Über das Bewusstsein - ein Gedankenexperiment

Beitragvon Waldkauz » Mi 18. Jan 2012, 21:27

Interessante Überlegungen. Aber noch ist nicht geklärt, was Bewusstsein ist.
Waldkauz
 

Re: Über das Bewusstsein - ein Gedankenexperiment

Beitragvon philophax » Do 19. Jan 2012, 06:44

BE - WUSST - SEIN
heißt: Im "Sein" das "Wissen" verinnerlicht haben, und als Gefühl oder geistige Emotion für sich selbst und andere realisiert haben und wiedergeben können.
philophax
 
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Re: Über das Bewusstsein - ein Gedankenexperiment

Beitragvon Waldkauz » Sa 21. Jan 2012, 04:03

philophax hat geschrieben:BE - WUSST - SEIN
heißt: Im "Sein" das "Wissen" verinnerlicht haben, und als Gefühl oder geistige Emotion für sich selbst und andere realisiert haben und wiedergeben können.
Thema verfehlt, lieber philophax. Du beschreibst, was das Bewusstsein tut, aber nicht, was das Bewusstsein ist. Bewusstsein ist eine metaphysische Instanz, weil noch kein Mensch es geschafft hat, dieses zu Messen. Die Empirie ist nicht anwendbar. Bewusstsein ist auf eine Person bezogen, also auf eine indivudelle Geistigkeit. Bewusstsein aus den Zuständen des Gehirns abzuleiten ist falsch. Das Gehirn ist lediglich eine materielle Instanz, die auf materieller Ebene die Vorgänge des Bewusstseins abbildet. Das Bewusstsein aber ist eine metaphysische Einheit, weil nicht messbar. Bewusstsein gehört immer zu einer denkenden und handelnden Person. Jeder Mensch ist ein Abbild Gottes, also eine Person.
Waldkauz
 

Re: Über das Bewusstsein - ein Gedankenexperiment

Beitragvon philophax » Sa 21. Jan 2012, 06:55

@ Waldkauz
Oh Gott oh Gott, schon wieder ein Theist, der Geist und Bewusstsein nicht auseinander halten kann. Also das Thema „Bewusstsein“ haben wir in verschiedenen Threads bereits zigmal durchgekaut, deshalb lasse ich Dich `mal in Deinem Glauben. Ich gebe Dir allerdings den Tipp, damit Du Dir zukünftig gewisse Peinlichkeiten ersparst, Dir etwas Literatur zu dem Thema anzueignen.

Grüsse

philophax
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Re: Über das Bewusstsein - ein Gedankenexperiment

Beitragvon Lupino » So 22. Jan 2012, 12:26

Allen zum Gruß!

Zu JoDa's Gedankenexperiment (v. 17. Jan 2012, 22:48)

... eine Maschine anschaffen.
Nach heutigem vorherrschenden Verständnis werden Maschinen erschaffen (von Menschen-Geist).
… Gehirn verstanden als eine Maschine.
Wer oder was schuf/schafft Gehirn-Maschinen? Und sodann ...
...Sollen Gehirne (hier) nur als (autonome) biologische Computer betrachtet werden?
...Ist die Steuerungssoftware ein fixer Aspekt der auswechselbaren Hardwarekomponenten?
...Wird hier Maschine (oder gar austauschbare Maschinenkomponente) als „Person“ gedeutet?
...Wird hier 'Mensch (an sich)' oder nur seine phys. Erscheinung als Maschine verstanden?
Weitere Fragen stellen sich mir bei folgenden Ausführungen ...
> Es stellt sich jedoch die Frage, ob das Bewusstsein des Menschen noch dem ursprünglichen entspricht oder ob es sich um ein neues Bewusstsein handelt.
Ist also die Wahrnehmung und das Bewusstsein der ursprünglichen Person erloschen, … <


Wird hier Bewusstsein von Mensch und Person und Gehirn-Maschine gleichgesetzt???
Spätestens an dieser Stelle wird die weiter unten folgende Fragestellung von 'Waldkauz' relevant.

Du meinst...
>Unzweifelhaft muss man davon ausgehen, dass das Bewusstsein der ursprünglichen Person erloschen ist, obwohl sich diese nach der Transplantation des Gehirns vielleicht für einen äußeren Beobachter exakt gleich verhält und über die gleichen Erinnerungen verfügt.<
In Anlehnung an die „Alten“, ...
die sagten: Der Schlaf ist der kleine Bruder des Todes!
erlaube mir deine Aussage etwas zu modifizieren:
„Unzweifelhaft muss man davon ausgehen, dass das Wach-Bewusstsein der ursprünglichen wachen Person erloschen ist, obwohl sich diese - nach dem Wiedererwachen im Normalmodus des Gehirns (vielleicht für einen äußeren Beobachter) exakt gleich verhält und über die gleichen Erinnerungen verfügt“.
Ich frage aber (mir durchaus der Provokation bewusst) dann weiter ...
...wer sagt denn, dass das (früh-morgendliche) Hochfahren des Systems n u r auf System-immanenten Einstellungen/Erinnerungen basieren muss – dass diese nicht grundsätzlich auch in einer „Wolke“ abgelegt sind – und (bei Bedarf, dem real-existierenden System angemessen) wieder gedownloadet werden können.
…wer sagt denn, dass beim großen Bruder generell kein Wiedererwachen in ein Real-existierendes System möglich ist?
- - -
Mir scheint allerdings,
dein (rein geistiges) Experiment soll auf rein „materialistischer“ Grundlage durchdacht werden!?
(Würde mich freuen, wenn ich da irre!)

---
Waldkauz meint … (18. Jan 2012, 21:27)
>Interessante Überlegungen. Aber noch ist nicht geklärt, was Bewusstsein ist.<

Auch ich denke, um zumindest einen Gesprächsrahmen zu haben
müssen einige Begriffe der allgemeinen Sprach-Nebel-Vielfalt etwas enthoben werden.

---
philophax versucht eine Klärung … (19. Jan 2012, 06:44)
> BE - WUSST - SEIN
heißt: Im "Sein" das "Wissen" verinnerlicht haben, und als Gefühl oder geistige Emotion für sich selbst und andere realisiert haben und wiedergeben können.<

Mit dieser Erklärung kann ich ...nichts anfangen.
Ich registriere da nur blendende Oberfläche – auch dann, wenn ich einen materialistischen Standpunkt unterlege. Und … warum beziehst du „BE“ bei deiner „Klärung“ gar nicht ein?
(Dieses Präfix deutet doch immer auf etwas aktiv/dynamisch/lebendiges und Wesentliches.)

---
Waldkauz schrieb … (21. Jan 2012, 04:03)
> Thema verfehlt, lieber philophax. Du beschreibst, was das Bewusstsein tut, aber nicht, was das Bewusstsein ist.
Bewusstsein ist eine metaphysische Instanz, weil noch kein Mensch es geschafft hat, dieses zu Messen. Die Empirie ist nicht anwendbar.

Bewusstsein ist auf eine Person bezogen, also auf eine indivudelle Geistigkeit.
Bewusstsein aus den Zuständen des Gehirns abzuleiten ist falsch. Das Gehirn ist lediglich eine materielle Instanz, die auf materieller Ebene die Vorgänge des Bewusstseins abbildet. Das Bewusstsein aber ist eine metaphysische Einheit, weil nicht messbar.

Bewusstsein gehört immer zu einer denkenden und handelnden Person.
Jeder Mensch ist ein Abbild Gottes, also eine Person.
<


Sehe ich wohl grundsätzlich ebenso.
Als wichtig anerkenne ich die (in obigem Zitat) von mir unterstrichenen Sätze.
Klärungsbedürftig sehe ich die letzten Sätze (von mir oben kursiv gesetzt - speziell den fetten lese und deute ich zunächst auf eine unorthodoxe Weise).

Dass ich selbst den 'spiritualistischen Ansatz' bevorzuge bedeutet keinesfalls – dass ich auch den „personalen Ansatz“ teile.

---
@ philophax (21. Jan 2012, 06:55)
>Oh Gott oh Gott, schon wieder ein Theist, der Geist und Bewusstsein nicht auseinander halten kann. Also das Thema „Bewusstsein“ haben wir in verschiedenen Threads bereits zigmal durchgekaut, deshalb lasse ich Dich `mal in Deinem Glauben ...<

Soweit mir deine materialistische Sichtweise bezüglich Geist bisher durch deinen Beiträge bekannt wurde – folge ich der Differenzierung von Geist und Bewusstsein (in deiner rigoros-verengten Sichtweise) nicht. Schlimmer noch, ich verwerfe sie für mich ... als die fixe Ansicht eines dogmatischen zeit-geistigen Extremisten.

Dabei übersehe ich aber keinesfalls, dass andere Zeitgeister auch andere und weit offenere Einsichten zum Ausdruck bringen, die mir durchaus bedenkenswert erscheinen.
Eine Empfehlung (gerade in Bezug auf „nicht-materialistische-Ansichten“) könnte auch da lauten:
>Ich gebe Dir ... den Tipp, damit Du Dir zukünftig gewisse Peinlichkeiten ersparst, Dir etwas Literatur zu dem Thema anzueignen.<

In der Literatur finden sich durchaus auch Gleichsetzungen von Geist und Bewusstsein.
(Die sind ebenso gut begründet wie die speziellen Aus-Differenzierungen einzelner Begriffe).
Warum also etwas differenzieren (und dann auch noch einzig richtig auf deine Weise),
etwas, das doch auch zusammen gesehen werden kann (und manchmal muss)?
Niemand verlangt von dir, dass du dein spezielles „Besserwissen“ negierst –
ich jedoch kann dich nicht wirklich ernst nehmen, solange du andere Ansichten und Personen mit despektierlicher Häme überziehst.


Freundlichst
Wolf
Lupino
 
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Re: Über das Bewusstsein - ein Gedankenexperiment

Beitragvon psychonaut » So 22. Jan 2012, 17:25

Experimente zur Gehirntransplantation* beweisen wohl, dass es dabei auch zur Transplantation von Verhaltensweisen kommt. Das legt den Schluss nahe, dass ich nach dem Austausch meines Gehirns mit einer exakten Replik immer noch der gleiche bin, da es eine exakte Replik ist; bei zwei "identischen" Anzügen sehe ich in beiden gleich gut aus.

Die Frage "Was ist Bewusstsein?" ist für mich mit dem Satz "Auch Pflanzen haben Bewusstsein." zunächst ausreichend beantwortet.

Ich halte es theoretisch für möglich, dass "Wissenschaft als äusserer Beobachter" dazu in der Lage ist zu beurteilen, ob das Bewusstsein vor einer Gehirntransplantation das selbe ist wie nach einer Gehirntransplantation.

mfg,
psy.

*http://www.wissenschaft.de/wissenschaft/news/154194.html
psychonaut
 

Re: Über das Bewusstsein - ein Gedankenexperiment

Beitragvon bruno » So 22. Jan 2012, 17:29

Hallo!
Ich denke, Waltkauz hat Recht, erst muss geklärd sein was Bewusstsein überhupt ist um eine sinnvolle Andwort auf dieses Experiment zu geben.

Aber nach meiner vorstellung von Bewusstsein - dass es aus den Neuronalenprozzesen generiert wird - kann darauf eine klare Andwort gegeben werden.
Wenn die ausgedauschten Teile, oder das ausgedauschde Gehirn wirklich vollkommen gleich ist( auch mit allen Synabtischen verbindungen )so muss notwendig aus den so behandelden oder ausgedauschten Gehirn das SELBE Bewusstsein hervor gehen!
Der betroffene Mensch würde aus der Nakose aufwachen und sich fühlen wie zuvor!!

Natürlich provokant und nur mein Gedanke, aber ich denke es könnte wirklich so sein.

Seid gegrüsst!

P.s.: seid nicht zu streng mit mir.
bruno
 
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Re: Über das Bewusstsein - ein Gedankenexperiment

Beitragvon philophax » So 22. Jan 2012, 17:31

@ Lupino

Tja, viel zu mir und wenig zum Thema. Irgendwie kenne ich das von jemanden, der im Forum nichts mehr postet. Wer war das grad noch ? Ach ja, Castillo. Ich glaube, Euch beide habe ich seit jeher in einer gedanklichen Kategorie zusammengefasst: Viel Kritik mir gegenüber, wenig zum Thema mir gegenüber und Argumentationen, die stets mehr als hinken. Schade nur, dass Du Dich offensichtlich auf das Niveau von Castillo (zumindest mir gegenüber) begibst.

Deine Meinung über mich: „Niemand verlangt von dir, dass du dein spezielles „Besserwissen“ negierst – ich jedoch kann dich nicht wirklich ernst nehmen, solange du andere Ansichten und Personen mit despektierlicher Häme überziehst.
Hierzu kann ich nur antworten: Das bestätigt meine obere Ausführung über Deine Art der Kritik an mir. Wenn, dann kritisiere ich stets ohne Häme (im Gegensatz zu Dir) die Ansichten von anderen, weil sie entweder fern ab von jeglicher Logik sind, oder mein Intellekt beleidigen (Waldkauz meinte zum Beispiel, ich hätte das Thema verfehlt). Mit Verlaub, aber wenn ich als Psychoanalytiker mich beim Bewusstsein nicht auskennen würde, dann hätte ich gleich meinen ganzen Beruf verfehlt. Die erste Ansprache von Waldkauz mir gegenüber war einfach nur vorlaut und frech. Und diese Art von Herantreten an mich, werde ich auch zukünftig in meiner gewohnt „überheblichen“ Art beantworten.

Du sagst: „Mit dieser Erklärung kann ich ...nichts anfangen.
Ich registriere da nur blendende Oberfläche – auch dann, wenn ich einen materialistischen Standpunkt unterlege. Und … warum beziehst du „BE“ bei deiner „Klärung“ gar nicht ein? (Dieses Präfix deutet doch immer auf etwas aktiv/dynamisch/lebendiges und Wesentliches.)“

Meine Definition von BEWUSSTSEIN habe ich natürlich nicht exklusiv für Dich und Dein Verständnis verfasst; Du kannst sie annehmen oder nicht. Der „Materialist“, den Du mir unterstellst, ist für mich OK: Ich bin lieber ein solcher als ein spiritueller Spinner, von denen es leider genug gibt. Deine sprachwissenschaftlichen Kenntnisse sind beeindruckend, auch wenn das „BE-“ doch etwas frei und spitzfindig interpretiert wird. Ich halte es da mehr mit der gängigen, simplen Bedeutung. „BE-“ heißt soviel wie „zu, zur, zum“: Zum Beispiel bei dem Begriff „Bedeutung“ (ZUR Bedeutung) und beim „Bewusstsein“ (ZUM Wissen im Sein).

Du fährst gehässig fort: „Soweit mir deine materialistische Sichtweise bezüglich Geist bisher durch deinen Beiträge bekannt wurde – folge ich der Differenzierung von Geist und Bewusstsein (in deiner rigoros-verengten Sichtweise) nicht. Schlimmer noch, ich verwerfe sie für mich ... als die fixe Ansicht eines dogmatischen zeit-geistigen Extremisten.“
Wie schön, aber Deine Ablehnung tangiert mich nicht. Solange Du mir gegenüber keine passende und qualifizierte Gegenargumentation lieferst, ist das für mich reines, bockiges Palaver.

Du sagst: „In der Literatur finden sich durchaus auch Gleichsetzungen von Geist und Bewusstsein.“
Ja sicher, insbesondere in der Bibel, dem Koran und dem Talmud.

Und weiter: „Warum also etwas differenzieren (und dann auch noch einzig richtig auf deine Weise), etwas, das doch auch zusammen gesehen werden kann (und manchmal muss)?“
Weil es die meisten Erkenntnisse der ernstzunehmenden Geisteswissenschaften einstweilen so vorgeben und nicht, weil ich es sage.
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Re: Über das Bewusstsein - ein Gedankenexperiment

Beitragvon Mensch » Di 24. Jan 2012, 14:49

Hallo an Alle!

Zum Thema möchte ich meine Gedanken darstellen:

Für mich ist Bewusstsein eine Instanz welche meine geistigen Vorgänge beschreibt, Beziehungen bildet, Beziehung ist. Es ist das Wissen zu wissen, die Reflexion des eigenen geistigen Inneren. Ich nehme an, dass mein jetziges Denken durch mein Bewusstsein, allem eigenen geistigen vor diesem Moment, beeinflusst ist. Gleichzeitig bildet es weiteres Bewusstsein in mir.

Mein Körper erzeugt die Möglichkeit Bewusstsein zu bilden in dem ich über Wahrnehmungen nachdenken und Beziehungen bilden kann. Das Bewusstsein ist später dann gespeicherte Beziehung/Wissen und damit auch immer mehr Basis für weiteres Denken.

Es ist für mich auf jeden Fall ein Sammelwerk welches ständig in mehr oder weniger starkem Wandel ist, ein lebendiges, immaterielles Organ.


Das Bewusstsein der Menschen ließ menschliche Wissenschaft entstehen. Für mich kann sich die Wissenschaft deshalb logischerweise nicht über das Bewusstsein erheben. Ich denke, sie ist eher in der Position eines „inneren Beobachters“.

Ich bin mir nicht sicher ob das Bewusstsein nur mit dem Gehirn verortet ist.
Ob nun alle gespeicherten Dinge die das Bewusstsein ausmachen materielle Abbildungen/Verknüpfungen im Gehirn sind oder ob sich auch Informationen verborgen in chemischen Prozessen oder verworrenen Stromschleifen erhalten wage ich nicht zu beurteilen. Bei letzterer Informationserhaltung würde allerdings doch etwas verloren gehen schüfe man nur ein exakt materielles Replik.

Ich denke, es wäre rein theoretisch möglich ein absolut identisches Replik eines Bewusstseins herzustellen. Allerdings wäre es nur zum Zeitpunkt der Erschaffung identisch. Danach würde es seinen eigenen Weg gehen da es unmöglich wäre ihm bei der Wahrnehmung den selben Blick/Blickwinkel seiner Kopie zu geben. Dadurch wird es wieder einzigartig.
(Meine Meinung)

Gruß
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Re: Über das Bewusstsein - ein Gedankenexperiment

Beitragvon philophax » Di 24. Jan 2012, 16:38

Bewusstsein, obgleich von vielen hier als immateriell und metaphysisch angesehen, findet seinen Ursprung allein im Gehirn. Als Bestätigung möchte ich einmal die Alzheimer-Krankheit ansprechen: Hier werden Gehirnzellen zuerst durch destruktive Eiweiss-Plaques befallen, und dann werden die Gehirnzellen und schließlich ganze Gehirnregionen zerstört. Wer schon einmal einem Alzheimer-Kranken im fortgeschrittenen Stadium begegnet ist, der kann erahnen, wie es ist, sein (kognitives) Bewusstsein zu verlieren. Mit dieser Auffassung gelte ich sicher als unphilosophisch, aber ich bleibe dabei: Ohne Gehirn - kein Bewusstsein.

Der Begriff „Bewusstsein“ wird allzu häufig mit dem Begriff „Geist“ vermischt oder verwechselt, insbesondere von den Theologen. Ich bin gerne bereit, den „Geist“ als etwas noch Unerforschtes, vielleicht metaphysisches anzusehen, aber das Bewusstsein ist und bleibt ein irdisches „Werkzeug“ zum Verständnis der Dinge.
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Re: Über das Bewusstsein - ein Gedankenexperiment

Beitragvon psychonaut » Mi 25. Jan 2012, 00:58

Rein interessehalber:

macht es Sinn bei der Frage "Was ist Bewusstsein?" zwischen "Bewusstsein" und "Selbstbewusstsein" zu unterscheiden?

mfg,
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Re: Über das Bewusstsein - ein Gedankenexperiment

Beitragvon Toe » Mo 30. Jan 2012, 16:00

Hallo ! Bild

psychonaut hat geschrieben:macht es Sinn bei der Frage "Was ist Bewusstsein?" zwischen "Bewusstsein" und "Selbstbewusstsein" zu unterscheiden?

Ich finde, dass das Wort „Selbstbewusstsein“ ein Wort der modernen Welt ist. Also, wenn jemand mit viel Selbstbewusstsein sich darstellt. Das ist mehr das, was der Mensch nach außen präsentiert, eine Rückkoppelung des „sich bewusst sein“. Bewusstsein braucht für mich einen Impuls von außen, Selbstbewusstsein kann ich dann erst von mir präsentieren, wenn ich mir meines Seins bewusst bin und es dazu auch noch gut finde.

Was das Bewusstsein angeht,
denke ich, dass das Bewusstsein immer wieder Feedback braucht. Also ich brauche ein „Hallo“, damit ich weiß, dass ich jemand bin, dass ich wahrgenommen werde. Wenn ich eine Frage stelle und es kommt eine passende Antwort, dann weiß ich, dass ich sogar verstanden werde, zumindest so viel, wie der anderes es in seinem Bewusstsein vermurkst. Ich werde mir meines Seins bewusst = Bewusstsein.

Wenn sich Leute in einer wartenden Schlange vor mich stellen, weil sie mich nicht sehen (weil ich nicht bin?) oder wenn ich Fragen stelle, die nicht gehört werden, muss ich davon ausgehen, dass das von mir Gedachte und oder dann Gesagte sich in Nichts auflöst. Letztendlich werde ich mir auf Dauer meines Seins nicht mehr bewusst sein. Ich werde aufhören reel zu existieren. Aber ich würde noch lang nicht tot sein. Die Mechanik des Gehirns funktioniert. Und auch das Selbst lebt, nur wäre ich mir dann dessen nicht bewusst. Mein Selbst, wenn es kein „Hallo“ von außen bekommt, wird Bestätigung woanders suchen. Mein Selbst wird versuchen, sich in anderen Selbsten bewusst zu werden, in anderen Selbsten meine ich, in solchen, die Reflexion haben. Das Selbst ansich hat immer Hunger und es stillt ihn irgendwo, wo auch immer, es geht praktisch fremd.



Was die angenommenen Hirnmontage angeht:

Ich find, das menschliche Gehirn, sobald es mal aus dem Schädel herausgenommen wird, ist ein rein materieller/physikalischer Gegenstand. Ein Teil mit Platinen, Schnittstellen, die sagen: rechtes Bein hoch, Augen zu/auf, Großhirn an Kleinhirn usw. Im Grunde austauschbar von Mensch zu Mensch. Wahrnehmen tut der Mensch ja mit Fühlen, Sehen und Co., also auch austauschbar.

Was das nicht Greifbare im Hirn angeht, glaube ich, dass es bei einer Demontage einfach „Plopp“ macht. Es implodiert.

Mal angenommen, dass man Erfahrungen reinimplizieren könnte, einschließlich der ganzen Verarbeitung der Erfahrungen ... was aber wäre mit zukunftsorientierten Sachen wie Hoffnungen und Visionen, die ein Mensch hat bzw. in seinem Ex-Hirn hatte? Also Sachen, die sich auf nichts berufen können, zum Beispiel auf keine Erfahrungen. Das sind die Sachen, die keiner außen weiß.

Auch würde ich eine große Schwierigkeit in der Zeit sehen, in der der Gehirnaustausch stattfindet. Aus dieser Zeit würden diesem operierten Menschen eine Menge Informationen fehlen. Selbst wenn er mit seinem Ex-Hirn dort narkotisiert liegen würde, geschehen um ihn herum Dinge, sausen Informationen durch die Luft, die auf ihn Einfluss nehmen. Er würde zeitlebens seinem Sein hinterherhinken. Nein, ich glaube, das würde großes Unglück über diesen armen montieren Menschen bringen.


Lieben Gruß
Toe
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Re: Über das Bewusstsein - ein Gedankenexperiment

Beitragvon Toe » Do 2. Feb 2012, 14:49

Na ja, Bernie, das scheint jedenfalls ein sehr selbstbewusst einflickter Spam von dir zu sein!? :mrgreen:
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Re: Über das Bewusstsein - ein Gedankenexperiment

Beitragvon Schroederbach » Fr 3. Feb 2012, 13:11

Es gibt auf die Fragestellung eine eindeutige und einfache Antwort:

Ein Duplikat ist das gleiche aber nicht dasselbe.
Frage und Experiment erübrigen sich aufgrund der Wortbedeutungen.

...das Gehirn wäre nach dem Austausch das gleiche aber nicht dasselbe.

-> das Bewussstsein des "Versuchskaninchen" ist danach nicht mehr dasselbe sondern (höchstens) das gleiche

- aber nichteinmal dies gilt:
Bewusstsein ist nicht statisch, es ist in ständiger Veränderung-> es ist niemals gleich - auch nicht im selben Gehirn.
außerdem:
Bewusstsein, im philosophischen Sinne, ist nicht messbar. Da es nicht messbar ist, kann der Zustand vorher zu nachher nicht verglichen werden.

Grüße
Martin
Zuletzt geändert von Schroederbach am Sa 4. Feb 2012, 00:45, insgesamt 7-mal geändert.
Schroederbach
 
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