Quantenphysik und Realität

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Quantenphysik und Realität

Beitragvon Fordo » Mo 23. Mai 2011, 19:00

Die Beziehung zwischen Ursache und Wirkung hat auf der subatomaren Ebene keinerlei Bestand. Elektronen können ohne jeden Grund von einem Energiezustand in einen anderen wechseln. Wenn man Materie aus immer größerer Nähe betrachtet, dann ist sie nicht mehr Materie, nicht ein bestimmtes "festes" Ding, das man anfassen kann oder beschreiben könnte, sondern eine Ansammlung vorläufiger Identitäten, die sich alle gleichzeitig zur Schau stellen. Statt eines Universums von statischer Gewissheit bilden die Welt und ihre Beziehungen auf fundamentalster Ebene der Materie einen ungewissen und nicht vorhersagbaren Zustand reinen Potenzials und unbegrenzter Möglichkeiten.
- Eine seltsame Eigenschaft, die von Quantenphysikern als "Nichtlokalität" bezeichnet wird. Dies bezieht sich auf die Fähigkeit einer Quanteneinheit, etwa eines einzelnen Elektrons, ein anderes Quantenteilchen sofort über jede beliebige Entfernung zu beeinflussen, ohne dass es dabei zu einem Austausch von Energieen kommt.

Die Eigenschaft bzw. der Zustand eines einzelnen Partikels zeigt sich demnach erst in der Betrachtung, in der Messung. Ansonsten lassen sich nur Vermutungen, Wahrscheinlichkeiten über deren Aufenthaltsort ect. bestimmen.

Die Grundlage bildet so nicht ein Dualismus zwischen Betrachter und Realität, sondern eine Einheit aus allem Erkennbaren.

Ist die Realität also nur eine Ansammlung von Potenzial, die sich erst durch unsere Betrachtung zu einer allgemeinen "Welt" zusammenfassen lässt?
Das eigentliche "Erkennen" der Realität könnte dann von der Qualität der Betrachtung abhängig sein. Vielleicht eine Erklärung für die Subjektivität der Realität? Wir erkennen die Welt also "anders" (vielleicht sinnhafter) als ein Tier, weil wir über die bessere "Qualität der Betrachtung" verfügen?
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Re: Quantenphysik und Realität

Beitragvon Unruhe » Mo 23. Mai 2011, 19:51

Bitte die Foren-Regeln beachten.

Danke.
Gruß

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Re: Quantenphysik und Realität

Beitragvon Fordo » Mo 23. Mai 2011, 20:08

Tut mir Leid. Hab den ganzen Krahm nochmal geschrieben, weil ich gedacht hab, dass ich was falsch angeklickt habe. Mein Fehler. :wink:
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Re: Quantenphysik und Realität

Beitragvon Unruhe » Mo 23. Mai 2011, 21:13

...

Du hast die Regeln noch immer nicht gelesen? Was ist der letzte Punkt?
Gruß

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Re: Quantenphysik und Realität

Beitragvon Fordo » Mo 23. Mai 2011, 21:34

Beiträge ohne Namen werden geschlossen/gelöscht.

Ich habe doch einen Namen angegeben, oder möchtest du, dass ich unter jeden Beitrag nochmals den Namen setze?

Wenn das so ist...
dann Grüße Fordo
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Re: Quantenphysik und Realität

Beitragvon Hannes » Mo 6. Jun 2011, 23:05

Hoffentlich verstoße ich nicht in irgendeiner Weise gegen irgendwelche Forenregeln... :lol:

In meinen Augen eröffnet Quantenphysik vor allem wissenschaftlich-orientierten Menschen einen grundlegen neuen und abstrakten Aspekt der sog. Realität... eine Sicht der Dinge, welche von Mystikern, Philosophen, spirituell-orientierten Menschen schon sehr seeeehhhhr viel länger in Betracht gezogen wird...
Teilchen UND Welle zugleich, der Beobachter entscheidet, das scheinen doch (zumindest meines Verständnisses nach) die Quintessenzen der Quantenforschung zu sein... Wenn der Beobachter entscheidet, und ich bin der Beobachter, entscheide nicht ich dann, wie sich die Realität darstellt? Oder habe ich nicht zumindest einen großen Anteil daran?
"Der Glaube versetzt Berge", ist an diesem Satz mehr dran, als man eigentlich denkt?
Einfaches Beispiel: Ein Kartendeck, das Kartendeck wird gemischt, eigentlich sagt uns unser erlerntes Bild der Welt: nach dem Mischen, wenn der Kartenstapel wieder auf dem Tisch liegt, und von niemanden mehr berührt wird, steht bereits fest, welche Karte sich an oberster Stelle befindet... Schon seitdem ich denken kann, behaupte ich bei jenem Beispiel (natürlich lange Zeit irgendwie augenzwinkernd) dass dies nicht so sei! Und nun kommt die Quantenforschung... und gibt mir Recht! Erst wenn ich die erste Karte abhebe und beobachte, sprich registriere, entscheidet sich, welche Farbe und welche Zahl diese zeigt (lt. Q-Forschung, und lt. meiner Intuition)
Seltsamerweise beobachte ich bei Kartenspielen öfters solche Systematiken und scheinbaren Zusammenhängen, zwischen meinen Gedanken, moment, eigentlich meinen Gefühlen, und den entstehenden Kartenkonstellationen... Im Laufe meines Lebens kam ich somit zu der Überzeugung, dass das Leben für einen Menschen unglaubliche Möglichkeiten bereit hält, ich Mensch habe sehr viel mehr Einflussmöglichkeiten auf die sog. Realität, als es im öffentlichen Bewusstsein überhaupt für entfernt möglich gehalten wird.
Das Tier an sich scheint diese Möglichkeit nicht zu haben, ich denke jedoch dass dies eher in der unterschiedlichen Bewusstseinsebene von Mensch und Tier begründet ist, als in der Qualität der Betrachtung... wir "sehen" nicht besser, wir "sehen" jedoch mit "einem Auge mehr", so ungefähr... U know? Nur der Mensch scheint ein 3. zu haben, Bewusstsein, Erkenntnis, Gewissen, Fluch&Segen, wir erkennen das Wunder(bare), zumindest haben wir die Möglichkeit dazu, doch deshalb wurden wir ja auch aus dem "Garten" verbannt, in welchem das Tier seelenruhig weiter seine Kreise zieht, unbeeindruckt, das Spiel mitspielend, welches wir zu durchschauen vermögen, jedoch niemals so ganz... und dieser Metapher folgend, haben wir also den Garten verlassen müssen, haben das Spiel erkannt, und Spezialisten losgeschickt, die die Regeln des Spiels erforschen sollten, Wissen schaffen sollten, die Wissenschaftler; soviele Regeln haben sie entschlüsselt, doch nun kommen die Quantenwissenschaftler, und zeigen uns etwas neues, neue Regeln, neues Wissen darüber, dass das Spiel doch etwas anders läuft als wir dachten... wie war das nochmal? wann dürfen wir in den Garten zurück? vielleicht ist der Messias auf den alle warten ja ein Quantenwissenschaftler??? :wink:
Hannes
 

Re: Quantenphysik und Realität

Beitragvon Mensch » Sa 9. Jul 2011, 15:39

Hallo Fordo,

ich finde Deine Gedanken und Fragen sehr interessant. Es wundert mich, dass sonst niemand seine Gedanken dazu geäußert hat.

Zunächst möchte ich beschreiben, wie ich die Menschen und die Welt die sie umgibt sehe.

Der Mensch:

Wäre ich ein möglichst objektiver Außenstehender, sähe ich den Menschen als ein gut funktionierendes Lebewesen. Die Evolution hat die Menschen herausgefiltert die durch die Summe ihres Könnens am effektivsten und erfolgreichsten überlebten und die temporären Aufgaben am besten bewältigten. Die wesentlichen Eigenschaften (das Prinzip, das Grundprogramm) der Lebewesen kennzeichnet sich durch den Drang zu überleben und seine Art zu erhalten, zu sichern.
Meiner Meinung nach ist der Geist des Menschen ein Instrument seines Körpers. Also zuerst ist der Körper. Sein Aufbau, seine organische Struktur erzeugt diesen Geist der uns jetzt hier denken lässt.
Ein wesentliches Merkmal des modernen Menschen (seines Geistes) ist der Drang nach Erkenntnis.
Warum stellen wir uns Fragen? Warum versuchen wir Zusammenhänge zu bilden, zu verstehen? Gründet es nicht alles auf dem Prinzip der Lebewesen? Die Suche nach der effektivsten Weise die Aufgabe des Lebens zu meistern.



Die Welt die den Menschen umgibt:

Ohne die Fragen des Menschen wäre die Welt einfach nur da. Sie wäre ein gegebener Raum, eine gegebene Zeit, die er nicht weiter beachten und hinterfragen würde.

Erst der moderne Geist des Menschen setzt Dinge in Beziehung zueinander, versucht zu verstehen. Eventuell tun Tiere das auch. Immerhin verwenden auch sie Werkzeuge und haben soziale Strukturen. So weit sind wir noch nicht weg von ihnen.
Das Verstehen ist in meinen Augen kein absolutes Verstehen. Es erzeugt eine Vorstellung von Gesetzmäßigkeiten. Der Geist bildet damit eine Basis auf der er die Welt zu seinem Vorteil interpretiert.

Falls es stimmt, dass Energie in bestimmten Zuständen zu Materie wird, ist es im Umkehrschluss nicht all zu entfernt anzunehmen, dass der Effekt der Energie, seine Wirkung auf uns Menschen, die Welt ist die wir sehen. Wir benennen die Dinge die wir anfassen können mit dem Wort „Materie“. Es ist unsere Deklaration. Wir sehen, bilden einen Unterschied zwischen Energie und Materie. Aber es muss nicht unbedingt wirklich so sein.

Ist es nicht möglich, dass die riesige Energiemenge unseres Universums einfach Zustände erzeugt hat die die heutige Welt darstellen? Meines Erachtens ist Energie ein anderes Wort für „Möglichkeiten“. Aus einer der schier unendlichen Möglichkeiten ist das Leben entstanden, sind wir entstanden.
Das, was wir sehen ist ein Effekt. Es wird erst zu dem, was wir sehen in unserem Geist, durch seine Interpretation. Ohne unseren Geist wäre es etwas Unbenanntes und es wäre nicht in Beziehung zu Anderem. Unser Betrachten und Urteilen ordnet der Welt das gesehene und interpretierte zu.

Der Mensch ist aus einer Möglichkeit der Welt entstanden.


Zum Thema:

Ein Urteil über die „Qualität der Betrachtung“ der Welt muss meines Erachtens eine Basis haben, einen Bezug. Wir Menschen können das Urteil nur auf der Basis „Mensch“ (ich meine nicht mich) abgeben. Seine Sicht, seine Gedanken können immer nur subjektiv sein. Sehen wir unseren Geist (das Gericht welches urteilt und ordnet) als Erzeugnis unseres Körpers, so sollten wir alle Urteile, alle Ergebnisse, immer vor dem Hintergrund eines spezialisierten organischen Individuums sehen, welches in sich das Programm des Lebens trägt, danach handelt (oft unbewusst) und danach interpretiert (ebenfalls oft unbewusst).
Wir können den Geist des Menschen und das, was er sieht nicht objektiv beurteilen, es nicht zu einer von uns vermuteten absoluten Realität in Bezug setzen. Die Qualität all seiner Betrachtungen sind in der Schublade „Vermutung und Glaube“ einzuordnen. Damit ist für mich die „endgültige Realität“ nicht erreichbar. Die Ergebnisse sind so lange für den Menschen gültig bis eine neue Vorstellung die auf ihn wirkenden Effekte noch besser erklärt. Eines sehe ich als sicher an: Der Mensch und die Welt wirken aufeinander.

Sähe man die Welt als Summe aller Dinge, allen Geistes, wären wir Sehenden und Interpretierenden wohl eine Teilmenge des Gesamten. Objektivität gäbe es meines Erachtens nur wenn die Welt eine Teilmenge des Betrachters wäre.

Vielleicht habe ich eine Voraussetzung der Philosophie nicht erfüllt. Jene, die annimmt, objektiv über die Subjektivität des Menschen urteilen zu können. Es waren nur meine Gedanken.
Ich hoffe, dass ich nicht zu weit ausgeholt habe. Ich finde, dass, bevor man über eine Betrachtung diskutiert, es nicht falsch sein kann die Position des Betrachters zu betrachten.

Es wäre interessant Deine und auch andere Meinungen dazu zu hören.

Gruß
Mensch
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Re: Quantenphysik und Realität

Beitragvon Physiker » Do 11. Aug 2011, 16:06

Hallo Fordo,

für mich als praktischen Menschen ist Realität das, was wir mit unseren Sinnen erfassen können. Wenn wir die Welt des durch unsere Sinne Erfahrbaren verlassen, also in den Mikrokosmos der Elementarteilchen oder den Makrokosmos des Universums vordringen, stoßen wir unter Umständen auf Gesetzmäßigkeiten und Effekte, die wir nicht begreifen können, weil unser Verstand für diese Bereiche gar nicht gemacht ist. Damit läßt sich meines Erachtens ganz gut mit scheinbar widersprüchlichen oder unverständlichen Beobachtungen leben. Die Frage wäre ja dann, ob es eine andere Denkweise gibt, in der solche Dinge wieder verständlich werden.

Ich darf übrigens noch zwei Anmerkungen zu den ersten Sätzen deiner Ausführungen machen:

Du sagst, ein Elektron könne ohne äußere Ursache - also spontan - seinen Energiezustand ändern. Das stimmt nur bei Energieabgabe, die tatsächlich spontan vorkommen kann. Spontane Energieaufnahme funktioniert nur im Rahmen der Unschärferelation. D.h. je größer der Energiesprung ist, desto kurzlebiger muss er sein. Eine spontane Energieaufnahme, nach der das Elektron dann dauerhaft in diesem höher energetischen Zustand verbleibt, gibt es nicht.

An einer späteren Stelle wird der Effekt der "spukhaften Fernwirkung" angeführt, möglicherweise als Konsequenz aus vorausgegangenen Ausführungen, die ich nicht verstanden habe. Ich möchte darauf hinweisen, dass es diese Fernwirkung nicht zwischen x-beliebigen Teilchen gibt, sondern nur zwischen physikalisch identischen, die aber durch eine trickreiche Anordnung miteinander "verschränkt" werden. Bei Photonen erreicht man das, indem man einen optisch nichtlinearen Kristall mit einem Laser beschießt.

Ich möchte meine Antwort damit vorläufig beschließen, werde aber sicher in nächster Zeit noch auf den einen oder anderen Aspekt deiner Ausführungen zu sprechen kommen.

Gruß
Physiker
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Re: Quantenphysik und Realität

Beitragvon Physiker » So 14. Aug 2011, 18:29

Fordo hat geschrieben:Die Beziehung zwischen Ursache und Wirkung hat auf der subatomaren Ebene keinerlei Bestand. Elektronen können ohne jeden Grund von einem Energiezustand in einen anderen wechseln. Wenn man Materie aus immer größerer Nähe betrachtet, dann ist sie nicht mehr Materie, nicht ein bestimmtes "festes" Ding, das man anfassen kann oder beschreiben könnte, sondern eine Ansammlung vorläufiger Identitäten, die sich alle gleichzeitig zur Schau stellen. Statt eines Universums von statischer Gewissheit bilden die Welt und ihre Beziehungen auf fundamentalster Ebene der Materie einen ungewissen und nicht vorhersagbaren Zustand reinen Potenzials und unbegrenzter Möglichkeiten.
- Eine seltsame Eigenschaft, die von Quantenphysikern als "Nichtlokalität" bezeichnet wird. Dies bezieht sich auf die Fähigkeit einer Quanteneinheit, etwa eines einzelnen Elektrons, ein anderes Quantenteilchen sofort über jede beliebige Entfernung zu beeinflussen, ohne dass es dabei zu einem Austausch von Energieen kommt.

Die Eigenschaft bzw. der Zustand eines einzelnen Partikels zeigt sich demnach erst in der Betrachtung, in der Messung. Ansonsten lassen sich nur Vermutungen, Wahrscheinlichkeiten über deren Aufenthaltsort ect. bestimmen.

Die Grundlage bildet so nicht ein Dualismus zwischen Betrachter und Realität, sondern eine Einheit aus allem Erkennbaren.

Ist die Realität also nur eine Ansammlung von Potenzial, die sich erst durch unsere Betrachtung zu einer allgemeinen "Welt" zusammenfassen lässt?
Das eigentliche "Erkennen" der Realität könnte dann von der Qualität der Betrachtung abhängig sein. Vielleicht eine Erklärung für die Subjektivität der Realität? Wir erkennen die Welt also "anders" (vielleicht sinnhafter) als ein Tier, weil wir über die bessere "Qualität der Betrachtung" verfügen?


Hallo Fordo,

hier meine ergänzenden Anmerkungen zu deinen Ausführungen:

1. Die Beziehung zwischen Ursache und Wirkung (also Kausalität im physiklischen Sinn) habe im subatomeren "keinerlei Bestand" ist eine Behauptung, die nicht aufrechterhalten werden kann. Zwar kann man in einem Atom nicht den Ort eines Elektrons bestimmen, aber seine Aufenthaltswahrscheinlichkeit. Das bedeutet, ein Atom ist zwar kein deterministisches System (siehe Wiki: Kausalität) aber sehr wohl ein kausales.

2. Zu Elektronen, die vermeintlich ohne Grund ihren Energiezustand wechseln können, habe ich bereits Stellung genommen.

3. Materie aus immer größerer Nähe betrachtet, sei keine Materie mehr. Dazu kann ich nur sagen, dass Elektronen, Protonen, Neutronen und andere subatomare Teilchen sehr wohl eine Masse besitzen und deshalb als Materie betrachtet werden müssen. Es handelt sich vielleicht nicht in jedem Sinne um "feste" Dinge und anfassen kann man sie schon gar nicht - da hast du recht. Aber unter dem Begriff "Ansammlung vorläufiger Identitäten" kann ich mir nichts vorstellen.

4. Zur Nichtlokalität habe ich ebenfalls schon mein Wissen zum Besten gegeben. Ich sollte vielleicht noch anfügen, dass ein "verschränkter" Zustand dadurch gekennzeichnet ist, dass mehrere gleichartige Teilchen eine GEMEINSAME Wellenfunktion haben.

5. Dass Licht je nach der Untersuchungsmethode sich einmal als Photon und einmal als Welle darstellt (wie übrigens Atome oder Moleküle oder andere Partikel auch) ist wohlbekannte Realität. Dass wir das mit unseren Denkschemata nicht in Einklang bringen können, ist zwar ärgerlich, aber vielleicht entwickelt sich einmal eine Spezies, die darin keine Widersprüche mehr sieht.

Ich verstehe nicht alle deine Argumente, aber gehe ich richtig in der Annahme, dass du einen Widerspruch zwischen den (nicht immer richtig verstandenen) Effekten der Quantenphysik und einer wie auch immer definierten Realität behauptest? Wenn man unter Realität etwas versteht, was man mit dem uns gegebenen Verstand akzeptieren kann, auch wenn es nicht unserer normalen Umwelt entstammt, dann muss ich sagen, dass es außer dem Welle-Teilchen-Dualismus und der Nichtlokalität auch in der Quantenphysik nichts gibt, was für uns nicht etwa vorstellbar wäre. Und auch das schwer Vorstellbare verhält sich physikalisch absolut zuverlässig. Von einem heillosen Durcheinander, wie man deine Darstellungen manchmal verstehen könnte, kann also keine Rede sein.
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Re: Quantenphysik und Realität

Beitragvon Geronimo » Fr 2. Sep 2011, 21:32

Fordo hat geschrieben:Die Beziehung zwischen Ursache und Wirkung hat auf der subatomaren Ebene keinerlei Bestand.
Ist die Realität also nur eine Ansammlung von Potenzial, die sich erst durch unsere Betrachtung zu einer allgemeinen "Welt" zusammenfassen lässt?
Das eigentliche "Erkennen" der Realität könnte dann von der Qualität der Betrachtung abhängig sein.
Vielleicht eine Erklärung für die Subjektivität der Realität?
Wir erkennen die Welt also "anders" (vielleicht sinnhafter) als ein Tier, weil wir über die bessere "Qualität der Betrachtung" verfügen?


Woher weiß man, dass auf der subatomaren Ebene das Ursache-Wirkungs-Prinzip aufgehoben ist? Ich werde nicht glücklich bei dieser Annahme, die vermutlich nur deshalb gemacht wird, weil wir keine Möglichkeit haben, auf der quanten-physikalischen Ebene Ursachen beobachten zu können. Genau so gut kann auch angenommen werden, dass das Ursache-Wirkungs-Prinzip auf der quanten-physikalischen Ebene zur Anwendung kommt. Philosophisch betrachtet ist diese Annahme sogar naheliegend, weil im Mesokosmos Ursachen beobachtbar sind, die im Mikrokosmos begründet sind.

Ich stimme dem zu, dass das Erkennen der Realität von der Qualität der Betrachtung abhängt, welche sich aus unserem Bewußtsein ergibt. Da das Bewußtsein sich generiert aus den Sinneseindrücken, die aus der Objektivität des zu Beobachtenden hergeleitet werden, im Objekt aber als subjektive Tatsache vorliegen, kann ich auch dem zustimmen, dass die Eigenart des Bewußtseins eine Erklärung der Subjektivität der Realität ermöglicht.

Doch was ist subjektive Realität? - meiner Ansicht nach die Naturgesetze. Was aber sind Naturgesetze? Alles, was ohne Ursache ist, ist ohne Anfang und Ursache für alles Verursachte. Das Wesen des Verursachten ist das Naturgesetz. Das Wesen der Ursache ist Gott. Sein Sein ist der Sinn allen Seins.
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Re: Quantenphysik und Realität

Beitragvon Geronimo » Mi 7. Sep 2011, 22:12

Fordo hat geschrieben:Die Beziehung zwischen Ursache und Wirkung hat auf der subatomaren Ebene keinerlei Bestand.


Das ist eine unbewiesene Annahme.
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Re: Quantenphysik und Realität

Beitragvon Fordo » Do 8. Sep 2011, 20:24

Wenn man eine allgemeingültige Theorie braucht, stellt man Überlegungen an.
Mein Ziel war es aber nicht eine allgemeingültige Theorie zu "erfinden", sondern ich wollte lediglich eine Überlegung ins Spiel bringen. Ich gebe zu, dass ich mit meinen Hobby-Information über Quantenphysik vielleicht nicht ganz korrekt gelegen habe, aber viel mehr ist es die herleitende Erkenntnis, die mich reizt.

Geronimo hat geschrieben:
Fordo hat geschrieben:Die Beziehung zwischen Ursache und Wirkung hat auf der subatomaren Ebene keinerlei Bestand.

Dass Newton uns lehrte, dass nichts im Universum ohne Grund geschieht, ist mir durchaus bekannt. Auch dieses Naturgesetzt reicht bis zu den Atomen. Jedoch ist es wissenschaftlich möglich, weiter in die Welt der Quanten vorzustoßen. Meine Aussage mag wohl etwas radikal sein, denn natürlich hat Kausalität auch dort, in der Welt der Quanten, einen gewissen Bestand. Ich wollte jedoch dieses wirre Kausalitätsprinzip der Quanten unterstreichen.
Ein Beispiel: Betrachten wir einen Jäger, der ein schlechter Schütze ist. Ob der Jäger z.B. einen Hasen trifft, ist dann nicht vorhersehbar, sondern hängt vom Zufall ab, das Ereignis "der Hase ist tot" kann also nicht deterministisch aus dem Ereignis "der Jäger hat geschossen" abgeleitet werden. Dennoch wird kaum jemand daran zweifeln, dass im Fall eines Treffers der Schuss des Jägers kausale Ursache für den Tod des Hasen war.
(Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Kausalit%C ... enmechanik)
Welches Ergebnis konkret eintritt, hat keine Ursache und ist nicht vorhersagbar. Kausalität, also Ursache und Wirkung sind auf der Quantenebene demnach nur bedingt vorhanden, weil eine WIrkung durch unendliche Ursachen bedingt sein kann. Die Begrifflichkeit ist eine ganz andere, denn ich möchte nicht in einer Welt leben, in der sich die Farbe meiner Haare zu jedem Zeitpunkt, aus einem Potenzials unendlicher Möglichkeiten ändern kann.

Physiker hat geschrieben:Wenn wir die Welt des durch unsere Sinne Erfahrbaren verlassen, also in den Mikrokosmos der Elementarteilchen oder den Makrokosmos des Universums vordringen, stoßen wir unter Umständen auf Gesetzmäßigkeiten und Effekte, die wir nicht begreifen können, weil unser Verstand für diese Bereiche gar nicht gemacht ist.

Grade weil unser Verstand nicht begreift, was augenscheinlich vor uns liegt, könnten sich in einer "wahren Realität" nur merkwürdige Blässchen, gefüllt mit reiner Infromation, befinden (das soll ein reines Beispiel sein). Klar, sind es die Sinneseindrücke, die jeder Mensch empfängt, bewertet und mitteilt. Und in der sozialen Masse, in der mehr als die Hälfte behaupten der Himmel sei blau, wird diese Erkenntnis zum Gesetz gemacht. Doch was ich sehe, oder was die anderen sehen, kann in einer vollkommenen objektiven Realität alles mögliche sein, denn es ist wie du sagst: "...weil unser Verstand für diese Bereiche gar nicht gemacht ist."

Physiker hat geschrieben:Du sagst, ein Elektron könne ohne äußere Ursache - also spontan - seinen Energiezustand ändern. Das stimmt nur bei Energieabgabe, die tatsächlich spontan vorkommen kann. Spontane Energieaufnahme funktioniert nur im Rahmen der Unschärferelation.

Aber das Elektron wechselt seinen Energiezustand ohne "Ursache"! Bei einer anhaltenden Energieabgabe wurde beobachtet, dass Energie "verschwindet". Es muss also eine Art Energeifeld existieren, oder weitere Dimensionen, wie es die String-Theorie vorhersagt. Und somit sind wir wieder bei dem Thema der unendlichen Möglichkeiten.

Zu deiner Ausführung der Nicht-Lokalität möchte ich dir recht geben, trotzdem reizt die Vorstellung, dass "verschränkte" Photon bsw. über hunderte Kilometer Verbindung aufbauen. Und das nur, weil sie irgendwo, irgendwann mal Informationen ausgetauscht haben.

Physiker hat geschrieben:Dass Licht je nach der Untersuchungsmethode sich einmal als Photon und einmal als Welle darstellt (wie übrigens Atome oder Moleküle oder andere Partikel auch) ist wohlbekannte Realität. Dass wir das mit unseren Denkschemata nicht in Einklang bringen können, ist zwar ärgerlich, aber vielleicht entwickelt sich einmal eine Spezies, die darin keine Widersprüche mehr sieht.

Viel interessanter finde ich, wie du die mysteriösen Phänomene in der Quantenwelt zu einer starren, einheitlichen, nicht erwähnenswerten und "wohlbekannten Realität" zusammenfässt. Dass sich ein Photon erst im Moment der Messung entscheiden muss, ob es Teilchen oder Welle ist, und man zuvor nur wage Vermutungen äußern kann ist also eine annehmbare Wahrheit, die keinen weiteren Klärungsbedarf benötigt. Wie es die subjektive Wahrheit im Moment der Betrachtung beeinflusst und wie dieses Prinzip die komplette Realitätsinterpretation manipulieren kann, sollte also nicht diskutiert werden. Eher sollte man sich mit den nüchternen Aussagen der Physik zufrieden geben und darrauf hoffen, dass irgendein koffeinsüchtiger Physiker möglichst schnell die Weltformel entdeckt.

Physiker hat geschrieben:Und auch das schwer Vorstellbare verhält sich physikalisch absolut zuverlässig

Darf man das behaupten bevor oder nachdem man sich eine der vielen "Realitätssimualtionen" der Physik angeeignet hat. Meiner Meinung nach, nimmt die Physik nicht mal annähernd den Status einer antwortgebenden Wissenschaft an. Nicht wenn es darum geht Realitäten zu beschreiben. Denn weder ist der Urknall "bewiesen", noch erklärt sie vernünftig die Gravitation. Vielleicht "...weil unser Verstand für diese Bereiche gar nicht gemacht ist." ?
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Re: Quantenphysik und Realität

Beitragvon Geronimo » Fr 9. Sep 2011, 06:19

Fordo hat geschrieben:Vielleicht "...weil unser Verstand für diese Bereiche gar nicht gemacht ist." ?


Oh doch, unser Verstand ist für diese Bereiche gemacht, aber wir brauchen eine Wesensschau. Die Zahlen und Wahrscheinlichkeitsrechnungen der Physik bringen uns nur bedingt weiter. Die Welt ist mehr als Physik. Wir müssen sie im Geist erschauen. Der Geist steht über der Quantenmechanik.
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Re: Quantenphysik und Realität

Beitragvon philophax » Sa 10. Sep 2011, 20:54

Hallo an alle !

Geht doch nicht so hart ins Gericht mit der “armen” Physik !

Auch wenn ich den Geisteswissenschaften viel näher bin, so steht für mich doch unbestritten fest: AM ANFANG WAR STETS DIE PHYSIK ! Das meine ich natürlich nicht im biblischen Sinne, sondern die Physik bzw. die physikalischen Vorgänge beflügelten und inspirierten überhaupt erst die klassischen, antiken Philosophen. Ergo: Ohne Physik keine Philosophie und keine Weltbilder. Das bedeutet natürlich nicht, dass allein die Physik die Weisheit und die Plausibilität “gepachtet” hat, allerdings zehrt doch jegliche Philosophie erst einmal von den Naturwissenschaften. Ich gehe soweit, zu behaupten, Gott hat uns die Naturwissenschaften sozusagen als erste “Aufgabe” gegeben, damit wir überhaupt auf eine höhere, geistige Ebene gelangen können, also: Ohne Feuer kein warmes Essen.

Wenn ich richtig über den letzten Stand der Wissenschaft informiert bin, sind wir bei der (theoretischen) Physik jetzt bei den Quarks und den Wurmlöchern angelangt. Die Frage ist für mich nur, werden uns diese neuesten (noch nicht einmal vollständig bewiesenen) Erkenntnisse (eher Vermutungen), auch, wenn sie sich irgendwann bewahrheiten sollten, überhaupt zu höheren geistigen Sphären führen ? Wenn man zum Beispiel das Funktionssystem eines Wurmlochs hernimmt und dort, wie vermutet, tatsächlich Materie hindurchgelangen würde, so denken bereits einige, würde sich dann die 4. Dimension oder sogar “das göttliche Paradies” offenbaren. Wäre das dann vielleicht der Weisheit letzter Schluss ? Einerseits bin ich Realist genug, um zu sagen, vorerst und für noch sehr lange Zeit wird das wohl lediglich Theorie bleiben und bestenfalls die Phantasie und die Hoffnung der Menschen anregen. Andererseits haben sich im Laufe der Geschichte der Naturwissenschaften einige, vorerst nur als Theorien bestandene Vorgänge, durchaus bewahrheitet. Hier möchte ich zum Beispiel die bemannte Raumfahrt erwähnen, die noch vor 100 Jahren als “Hirngespinst” galt.

Wie auch immer, die Physik ist jedenfalls gottgewollt und die Basis für jedes weiterführende Denken.

Grüsse

philophax
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Re: Quantenphysik und Realität

Beitragvon Fordo » Mi 12. Okt 2011, 16:48

philophax hat geschrieben:AM ANFANG WAR STETS DIE PHYSIK !


Nicht ganz! Davor hat man sich noch mit Religion zufrieden gegeben. Denn was kann einem Steinzeitmenschen den eben stattgefundenen Blitzeinschlag besser erklären, als ein allmächtiger Gott? :D Physik kam erst hinzu als es praktisch wurde.
So hat schon der frühe Platon "physikalisch" gedacht und verbannte die Reaität in das Reich der Atome. Um alles Sein durch Elemente Gültigkeit zu verleihen.
Doch nun sind wir physikalisch so weit, dass wir eigentlich nur sagen können: "Wir wissen nur, das wir kaum was wissen."

Warum also darf nur die Physik seriös wirken, wenn es um Realitätinterpretationen geht? Alles andere, auch wenn man dabei physikalische Vorgänge mit ins Spiel bringt (wie ich es gehtan habe), wird in das Reich der Spinner und Träumer verbannt. Traurig, wenn einem dabei der Eindruck aufkommt, man lebe in einer Simulation und alles wird durch Zahlen und Formeln gesteuert.

LG Fordo
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