von Imperativ » Do 25. Aug 2011, 18:28
Hallo Amalia,
wer sich in das akademische Bildungsabenteuer Philosophie stürzen möchte, hat meist emotionale Motive gepaart mit erlebnisorientierten Erwartungen. Dies spiegelt sich in der nach wie vor hohen Beliebtheit, der allerdings auch eine große Zahl von Studienabbrechern gegenüber steht. Es sollte also sehr genau geprüft werden, ob das Bedürfnis nach phil. Lernen nur einem spontanen Impuls entspringt, denn eine solche Studienentscheidung ist nicht nur mit einer vorübergehenden geistigen Exaltation verbunden sondern auch die Entscheidung für eine bestimmte Lebens- und nicht nur Denkform.
Die Berufsaussichten sind abgesehen von der Universitätslaufbahn nach wie vor problematisch. Nischen in anderen Bereichen sind kaum vorhanden, auch wenn div. Unternehmen mittlerweile den Philosophen gegenüber aufgeschlossener sind, da sie sich von diesen generalistische Problemlösungsfähigkeiten erhoffen. Bildungseinrichtungen, Medien und Verlage haben ebenfalls kaum Bedarfe. Zur Verbesserung der Berufsaussichten würde ich Philosophie mit einem oder zwei praxisbezogenen Fächern kombinieren. Die traditionelle Verbindung mit geisteswissenschaftlichen Sparten (Germanistik, Geschichte) oder einer Fremdsprache oder Soziologie, Politikwissenschaft, Pädagogik usw. bringt nicht viel. Besser geeignet sind z. B. technische Disziplinen, Wirtschaftswissenschaften und Informatik als Begleitfächer. So wird z. B. ein Absolvent der Wirtschaftswissenschaft durch die Philosophieverbindung im Management bestimmt bessere Berufschancen haben als ein reiner Ökonom. Die Synthese zweier Denkformen, nämlich der instrumentellen und der reflexiven Vernunft ist recht erfolgversprechend.
Man sollte sich aber den Zeitenwandel klar machen, denn kein Philosoph in Industrie und Wirtschaft entspricht heute von der Anforderung des Reflexionspotentials her dem Typ Sokrates. Phil. Forschung wird in Zukunft überwiegend nur noch in Allianz mit praxisrelevanten Tätigkeiten möglich sein. Der phil. Elfenbeinturm ist so gesehen heute keine geeignete Behausung mehr und als brotloser Philosoph wie Diogenes in der Tonne zu landen auch nicht erstrebenswert. Mich hat es nach dem Studium in die öffentliche Verwaltung verschlagen und ich habe trotz dieses Bruches in meiner Bildungsbiografie die früheren Lernerfahrungen durchaus erfolgreich einbringen können. Effektiver ist es natürlich, gleich die richtige Weichenstellung vorzunehmen.
Gruß Imperativ