Gehlen versus Kant

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Gehlen versus Kant

Beitragvon Maddi89 » Sa 12. Feb 2011, 00:00

Hallo ihr Lieben,

ich wende mich jetzt an euch, weil ich kurz vor dem Verzweifeln bin.
Ich soll eine Hausarbeit zum Thema Menschenbilder verfassen und dabei genauer die Menschenbilder von Kant und Gehlen miteinander vergleichen und dabei insbesondere auf den "Funktionsbegriff den Gehlen der Erkenntnis" zuschreibt, eingehen.

..die Hausarbeit steht soweit..Menschenbild definiert, historischer Wandel der Menschenbilder, die von Kant und Gehlen erläutert und nun komme ich bei dem Vergleich(gerade bei dem wichtigstem) nicht weiter.
Wo soll ich anfangen, was kann man dort vergleichen? Viel kann ich dazu nich mehr sagen, vllt knapp eine Seite, was muss da unbedingt mit rein? Bin nur am hin und her welzen.."Der Mensch" von Gehlen, kann ich fast auswendig ;) *scherz* , habe auch ethliche Stellen gefunden, in denen er was zu Kant sagt, aber so richtig verstehen tue ich das, was er sagt, leider nicht :(

..da ich auch nich mehr viel Zeit habe, um es genau zu sagen, MONTAG abgeben muss, wende ich mich jetzt als letzte Rettung an euch!!!

Ich hoffe ihr könnt mir irgenwie weiter helfen :?
BITTE BITTE BITTE

..vielen Dank schonmal!

Die Maddi :)
Maddi89
 

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Re: Gehlen versus Kant

Beitragvon Matze » Sa 12. Feb 2011, 03:08

Hallo Maddi, mich würde folgendes interessieren - und dir vielleicht zur Reflektion über dein Thema nützen - wenn du die Menschenbilder der beiden hier einmal etwas skizzierren würdest.

Bei Kant wußte ich gar nicht, dass er irgendein bestimmtes Menschenbild transportierte. Bekannt sind mir nur seine theorethischen Themen wie praktische Vernunft, kategorischer Imperativ usw.

Gruß Matze
Matze
 

Re: Gehlen versus Kant

Beitragvon Gast » Sa 12. Feb 2011, 21:19

2.3.1„Was ist der Mensch?“ nach Immanuel Kant
Kant spricht, als einer der bedeutendsten Vertreter der abendländischen Philosophie, dem denkendem Ich keine konstante Materie mehr zu. Er betont in seinem Werk „Kritik an der reinen Vernunft“ bereits im ersten Satz des § 16 der transzendentalen Deduktion „Das: Ich denke, muß alle meine Vorstellungen begleiten können; denn sonst würde etwas in mir vorgestellt werden, was gar nicht gedacht werden könnte […]“ . Auch wenn das Ich nun lediglich noch zur Urteilsfällung heran gezogen wird, so bleibt er doch auf dem Weg der Selbstgewissheit. Weiterhin behauptet Kant: „Daß der Mensch in seiner Vorstellung das Ich haben kann, erhebt ihn unendlich über alle andere auf Erden lebende Wesen.“ Womit er dem Menschen, wie viele seiner Vorgänger, ebenfalls eine Sonderstellung auf der Welt zuspricht. Zudem teilt er den Menschen in ein „Sinneswesen“, als welches er noch zu den Tieren gehört und in ein „Vernunftwesen“, wodurch er zu „moralischem Handeln“ fähig und zugleich verpflichtet ist. Kant gilt als der deutsche Denker der Aufklärung, nicht zuletzt durch seinen bekannten Ausspruch: „Habe den Mut dich deines Verstandes zu bedienen!“(ZITAT fehlt) Die Menschen sollen aus ihrer Ohnmacht aufwachen, ihre selbstverschuldete Unmündigkeit ablegen und sich ihres Verstandes bedienen. Dieser Appell von Kant macht deutlich, dass nach seinem Weltbild, der Kern des Menschen, in der Vernunft liegt. Entgegen vieler vorangegangener Menschenbilder, verschwindet bei Kant die Fortexistenz der Seele, da dieses außerhalb der Grenzen unserer Erfahrung liegt und wir somit nichts drüber wissen können. Allerdings ist der Mensch fähig zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu unterscheiden, dieses liegt wiederum innerhalb der Grenzen unserer Erfahrung. Als planendes und aus Fehlern lernendes Wesen, kann er sein Handeln optimierend gebrauchen und so die Nachwelt verbessern. Hierbei betont Kant, dass gerade auch die Erfahrungen vergangener Generationen helfen, die wir aus Büchern und Filmen kennen und als hilfreich oder hinderlich bewerten. Im Gegensetz zum Menschen, sind weder Maschinen noch Tiere in der Lage, Dichtung, Literatur und Philosophie zu entwickeln und ein ästhetisches Vergnügen dabei zu empfinden so Kant. Auch der menschlichen Kommunikation räumt er eine Sonderstellung ein, indem er sagt, dass sich diese nicht jederzeit auf praktische Zwecke beschränkt, so wie es wohlmöglich im Tierreich der Fall ist. Die Würde des Menschen spielt ebenfalls eine große Rolle. Kant formulierte, dass die Würde darin bestehe, seinen eigenen Instinkten Herr zu werden und selbst Ursache zu sein. Freiheit besteht lediglich darin, freiwillig den Gesetzen zu folgen und nicht reine Willkür, so wie es heutzutage oft verstanden wird. Abschließend lässt sich sagen, dass durch Kant die Philosophiegeschichte einen Umschwung erfährt und die sogenannte „Moderne“ beginnt.

Gehlens Menschenbild
Als deutscher Philosoph, Psychologe und Soziologe beschäftigte er sich, wie viele seiner Zeitgenossen, mit der Kulturanthropologie, die sich im 19. Jahrhundert ausgehend von der Theorie Darwins entwickelt hat.
In seinem Hauptwerk „Der Mensch“, verdeutlicht er bereits in der Einführung mit Nietzsches Worten, dass der Mensch „das noch nicht festgestellte Tier“ sei. Dieser Benennung fügt er eine Doppeldeutigkeit hinzu. Zum einen meint dies, dass es bislang noch kein festes Gesamtbild gibt, von dem was eigentlich der Mensch ist. Und zum zweiten drückt es aus, dass der Mensch noch unvollendet sei und es keinerlei eindeutige Definition über ihn gibt. Laut Gehlen ist der Mensch nicht mit dem Tier vergleichbar und stellt somit einen Sonderentwurf der Natur dar. Der Mensch besitzt keine besonderen Sinnesleistungen, keine natürlichen Waffen, sowie Angriffs-, Schutz-, oder Fluchtorgane, ist demnach primitiv ausgestattet. Er verfügt lediglich über Organbesonderheiten, wie eine fünf gliedrige Hand und ein lückenloses Gebiss. Man könnte meinen er sei auf einer Allgemeinstufe stehen geblieben, da ihm sämtliche spezialisierte Fähigkeiten fehlen. Damit verbunden hat der Mensch eine Sonderstellung im Tierreich. Weitere Defizite sind die reduzierten und unpräzisen Instinkte und die mehrere Jahre andauernde Brutpflege. Hierzu sagt Gehlen u.a.: „Der Mensch ist ausgezeichnet durch eine abnorm verlängerte Entwicklungszeit, d.h. durch eine, mit dem Tier verglichen, außerordentliche Dauer der Zeit, die bis zu seiner selbstständigen Handlungsfreiheit abläuft.“ Ein entscheidender Mangel, den die Natur nicht in Griff bekommen hat, ist die fehlende Anpassung an bestimmte Lebensräume. So ohne weiteres kann der Mensch in speziellen Gebieten nicht leben, wie beispielsweise der Eisbär am Nordpol. Er ist also darauf angewiesen, diese Unzulänglichkeiten zu kompensieren und sich Hilfsmittel und Techniken anzueignen. Zum Schutz vor Kälte und Witterungen bedient er sich Kleidungsstücken und um schneller am Zielort zu sein, baut er sich Fahrzeuge. Anstatt sich seiner Umwelt anzupassen, was oft nicht möglich ist, verändert er die Umwelt zu seinen Gunsten und schafft sich seine eigene zweite Natur, die Kultursphäre. Zu ihr zählen alle technischen Mittel, die Sprache und vieles mehr. Diese künstliche Natur hilft dem Menschen überall zu überleben, egal ob im Wald, im Sumpf, in der Steppe, im Gebirge oder auf dem Wasser. Der Mensch ist demzufolge ein Kulturwesen. Kulturlose Menschen gibt es nicht. Zu dem Ganzen ist der Mensch nur fähig, da er ein denkendes, intelligentes Wesen ist, welches voraus schauend plant und aus Fehlern lernt. Um es noch einmal kurz zusammen zu fassen ist nach Gehlen der Mensch ein primitives Mängelwesen, welches sich trotz seiner nieder würfigen Sonderstellung im Tierreich, eine lebensdienliche, veränderte Kultursphäre geschaffen hat, um zu überleben.
Gegenwärtig stellt sich die Frage, wie die Kultur gestaltet wird? Die Antwort die Arnold Gehlen darauf gibt, sind die Institutionen, in denen der Mensch lebt. Hierzu zählen die staatliche Gesetzgebung, Regeln und Normen der Gesellschaft, aber auch die Familie, Ehe und Arbeitsstätte. Sie machen das Verhalten der Menschen erkennbar und durchsichtig und erleichtern und entlasten den völlig reizüberfluteten Menschen. Institutionen schaffen Ordnung und Orientierung und regeln folglich das Zusammenleben in der Gemeinschaft. Man könnte auch sagen, sie funktionieren als haltgebende Verbindungsstücke. Der urtümliche Naturzustand würde den Menschen ausrotten.


..das war das was ich zu deren Menschenbilder geschrieben habe ..
Gast
 

Re: Gehlen versus Kant

Beitragvon matze73 » So 13. Feb 2011, 01:32

Ich schreibe mal, was ich glaube, was Kant bzw. Gehlen überhaupt getan haben.

1. Kant setzt der religösen Deutung eine notwendige Struktur des vernünftigen Denkens entgegen. D.h. der aufgeklärte Mensch kann die (religiöse?) Vereinnahmung verhindern, insofern sie aufgrund ihrer formalen Struktur unvernünftig erscheinen muß. Die Funktion der Erkenntnis ist die Beendigung "der selbstverschuldeten Unmündigkeit", was wohl heißen soll, dass der Klerus (aber letztlich auch die weltliche Herrschschaft) nicht mehr nach Belieben die Wahrheit diktieren kann (sondern sie müßte immerhin gewissen formalen Anforderungen genügen).

Das Menschenbild wäre dann, dass der Mensch fähig sei, sich die Wahrheit für sich selbst klar zu machen, über die notwendige Struktur des vernünftigen Arguments. Kants Menschenbild behauptet, dass der menschliche Geist dazu fähig sei.

2. der Gehlen geht nach meinem Gefühl noch von dem aus, was die Kirche stets verteufelte (dem Tierischen im Menschen), um den Mensch dann aber als gleich-gestelltes Tier, die alle im Wettstreit mit der Natur sind, zu positionieren. Aus dem Sünder, der sich vor Gott verantworten muß, wird bei Gehlen das vom Bösen (Tierischen) freigesprochene , säkularisierte Mängelwesen, das der Natur gegenübersteht, die ihn zur Anpassung zwingt.

Die Anpassungsleistung (Erkenntnis?) des Menschen ist bei Gehlen seine Kultur - aus der unproduktiven Zeromonie des Gottesdienstes wird die produktive (überhaupt geistige ?) Auseinandersetzung mit der Natur. Im Hinblick auf das Menschenbild fällt mir hier auf, dass Erkenntnis in der Kultur ein kollektiver Prozess sein müßte (während bei Kant der Gebrauch des Geistes eine Individualleistung ist).

Den zeitgenössischen Hintergrund der Industrialisierung mal außer Acht lassend, wird er mit Kultur wohl die aufstrebende deutsche Kultur meinen, deren "Institutionen".

Gruß, Matze
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Re: Gehlen versus Kant

Beitragvon Maddi89 » So 13. Feb 2011, 11:17

Erstmal Vielen Dank Matze, für die ausführliche Antwort!
Dein Verdacht klingt recht logisch und wird gleich noch in meinen Vergleich mit einfliesen, allerdings etwas verschwommen nur, da ich mich mit dem Stellenwert der Religion bei beiden ja nicht wirklich auseinander gesetzt habe und nicht 100prozentig zustimmen kann. Aber als ich meine beiden Beiträge eben noch mal las, fielen mir doch ein paar Vergleichsgegenstände ins Auge :

3.Vergleich der Menschenbilder von Kant und Gehlen
Folgend sollen die beiden Menschenbilder von Immanuel Kant und Arnold Gehlen gegenüber gestellt und verglichen werden. Auch hier werde ich nur einzelne Aspekte kurz an reißen können. Beginnen möchte ich bei der Bedeutung, die die Philosophen der Anthropologie zusprechen. Während Kant die Anthropologie als eine „periphere Teildisziplin“ sieht, die in pragmatischer Hinsicht nur ein Anhängsel der Ethik darstellt, ist ihr Stellenwert bei Gehlen eindeutig höher, indem er sie als eine zentrale Teildisziplin der Philosophie würdigt. Hier lassen sich erste Rückschlüsse auf die Zuordnung des Menschenbildes ziehen. Während Gehlen ein zentrales Buch „Der Mensch“ verfasste, lassen sich bei Kant in seinen vielen Schriften jeweils nur Bruchstücke zum Menschenbild finden.
Das der Mensch eine „Sonderstellung“ einnimmt und sich von den Tieren unterscheidet und gar abhebt, darüber scheinen sich beide Philosophen einig zu sein. Außerdem betonen alle zwei, dass die Menschen intelligente, denkende Wesen sind, die planen und aus Fehlern lernen können. Kant teilt den Menschen unter anderem als ein „Sinneswesen“ ein, welches seine Instinkte mit Hilfe der Vernunft unterdrücken muss. Demgegenüber spricht Gehlen dem Menschen keine besonderen Sinnesleistungen zu und akzentuiert, dass dessen Instinkte reduziert und unpräzise sind. Zuweilen die Instinkte bei Kant als eine Gefahr geschildert werden, die eingedämmt werden muss, so könnte man meinen, dass Gehlen wiederrum, die geringe Ausgeprägtheit der Instinkte bedauert.

...Stimmt doch, oder? ^^Mal schauen was mir noch so einfällt, viel Zeit bleibt mir ja leider nicht mehr ;)

Und DANKE nochmal =)

Liebe Grüße Maddi
Maddi89
 

Re: Gehlen versus Kant

Beitragvon Maddi89 » So 13. Feb 2011, 12:18

weiter gehts..(noch unvollständig)

Von der Vernunft geht laut Kant aber eine durchaus wichtigere Funktion aus, als die der Instinktunterdrückung. Sie stellt den zentralen Kern seiner Philosophie dar und ist das Medium in uns, welches nach der absoluten Erkenntnis strebt. Zum einen heißt das, dass nur mit ihrer Hilfe Erkenntnis möglich ist und zum Anderen bedeutet es, dass sie den Menschen auch zu reinen Spekulationen verführt und ihn zu transzendentalen Ideen, wie beispielsweise, die unsterbliche Seele, der allmächtige Gott oder die unbeschränkte Freiheit im Kosmos bringt. Da die Existenz dieser Ideen weder bewiesen, noch widerlegt werden kann, demzufolge außerhalt unserer Erfahrung liegt, ist es lediglich möglich an sie zu glauben. Diese Vernunft für sich selbst zu nutzen, den Verstand einzuschalten und die „selbst verschuldete Unmündigkeit“ zu beenden, somit auch der diktierten Wahrheit von anderen zu entfliehen, stellt nach Kant die Funktion der Erkenntnis dar. Für sein Menschenbild bedeutet das, dass er den Menschen die Fähigkeit zuspricht, selbstständig zur Wahrheit zu gelangen, da Erkenntnis nach ihm, ja lediglich vom Subjekt abhängig ist.
In Gehlens Menschenbild nimmt die Handlung das zentrale Kriterium ein, als das er in dem Menschen „das handelnde Wesen“ sieht und ihn in dieser Hinsicht zu den Tieren abgrenzt.
Die Erkenntnis wollte Gehlen ebenfalls auf Erfahrung gründen.
Maddi89
 

Re: Gehlen versus Kant

Beitragvon Maddi89 » So 13. Feb 2011, 15:02

So ich bin fertig ;)
Ihr dürft das Thema jetzt wieder löschen ;)
und DANKE an Matze nochmal!
Maddi89
 

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