von Gast » Sa 12. Feb 2011, 21:19
2.3.1„Was ist der Mensch?“ nach Immanuel Kant
Kant spricht, als einer der bedeutendsten Vertreter der abendländischen Philosophie, dem denkendem Ich keine konstante Materie mehr zu. Er betont in seinem Werk „Kritik an der reinen Vernunft“ bereits im ersten Satz des § 16 der transzendentalen Deduktion „Das: Ich denke, muß alle meine Vorstellungen begleiten können; denn sonst würde etwas in mir vorgestellt werden, was gar nicht gedacht werden könnte […]“ . Auch wenn das Ich nun lediglich noch zur Urteilsfällung heran gezogen wird, so bleibt er doch auf dem Weg der Selbstgewissheit. Weiterhin behauptet Kant: „Daß der Mensch in seiner Vorstellung das Ich haben kann, erhebt ihn unendlich über alle andere auf Erden lebende Wesen.“ Womit er dem Menschen, wie viele seiner Vorgänger, ebenfalls eine Sonderstellung auf der Welt zuspricht. Zudem teilt er den Menschen in ein „Sinneswesen“, als welches er noch zu den Tieren gehört und in ein „Vernunftwesen“, wodurch er zu „moralischem Handeln“ fähig und zugleich verpflichtet ist. Kant gilt als der deutsche Denker der Aufklärung, nicht zuletzt durch seinen bekannten Ausspruch: „Habe den Mut dich deines Verstandes zu bedienen!“(ZITAT fehlt) Die Menschen sollen aus ihrer Ohnmacht aufwachen, ihre selbstverschuldete Unmündigkeit ablegen und sich ihres Verstandes bedienen. Dieser Appell von Kant macht deutlich, dass nach seinem Weltbild, der Kern des Menschen, in der Vernunft liegt. Entgegen vieler vorangegangener Menschenbilder, verschwindet bei Kant die Fortexistenz der Seele, da dieses außerhalb der Grenzen unserer Erfahrung liegt und wir somit nichts drüber wissen können. Allerdings ist der Mensch fähig zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu unterscheiden, dieses liegt wiederum innerhalb der Grenzen unserer Erfahrung. Als planendes und aus Fehlern lernendes Wesen, kann er sein Handeln optimierend gebrauchen und so die Nachwelt verbessern. Hierbei betont Kant, dass gerade auch die Erfahrungen vergangener Generationen helfen, die wir aus Büchern und Filmen kennen und als hilfreich oder hinderlich bewerten. Im Gegensetz zum Menschen, sind weder Maschinen noch Tiere in der Lage, Dichtung, Literatur und Philosophie zu entwickeln und ein ästhetisches Vergnügen dabei zu empfinden so Kant. Auch der menschlichen Kommunikation räumt er eine Sonderstellung ein, indem er sagt, dass sich diese nicht jederzeit auf praktische Zwecke beschränkt, so wie es wohlmöglich im Tierreich der Fall ist. Die Würde des Menschen spielt ebenfalls eine große Rolle. Kant formulierte, dass die Würde darin bestehe, seinen eigenen Instinkten Herr zu werden und selbst Ursache zu sein. Freiheit besteht lediglich darin, freiwillig den Gesetzen zu folgen und nicht reine Willkür, so wie es heutzutage oft verstanden wird. Abschließend lässt sich sagen, dass durch Kant die Philosophiegeschichte einen Umschwung erfährt und die sogenannte „Moderne“ beginnt.
Gehlens Menschenbild
Als deutscher Philosoph, Psychologe und Soziologe beschäftigte er sich, wie viele seiner Zeitgenossen, mit der Kulturanthropologie, die sich im 19. Jahrhundert ausgehend von der Theorie Darwins entwickelt hat.
In seinem Hauptwerk „Der Mensch“, verdeutlicht er bereits in der Einführung mit Nietzsches Worten, dass der Mensch „das noch nicht festgestellte Tier“ sei. Dieser Benennung fügt er eine Doppeldeutigkeit hinzu. Zum einen meint dies, dass es bislang noch kein festes Gesamtbild gibt, von dem was eigentlich der Mensch ist. Und zum zweiten drückt es aus, dass der Mensch noch unvollendet sei und es keinerlei eindeutige Definition über ihn gibt. Laut Gehlen ist der Mensch nicht mit dem Tier vergleichbar und stellt somit einen Sonderentwurf der Natur dar. Der Mensch besitzt keine besonderen Sinnesleistungen, keine natürlichen Waffen, sowie Angriffs-, Schutz-, oder Fluchtorgane, ist demnach primitiv ausgestattet. Er verfügt lediglich über Organbesonderheiten, wie eine fünf gliedrige Hand und ein lückenloses Gebiss. Man könnte meinen er sei auf einer Allgemeinstufe stehen geblieben, da ihm sämtliche spezialisierte Fähigkeiten fehlen. Damit verbunden hat der Mensch eine Sonderstellung im Tierreich. Weitere Defizite sind die reduzierten und unpräzisen Instinkte und die mehrere Jahre andauernde Brutpflege. Hierzu sagt Gehlen u.a.: „Der Mensch ist ausgezeichnet durch eine abnorm verlängerte Entwicklungszeit, d.h. durch eine, mit dem Tier verglichen, außerordentliche Dauer der Zeit, die bis zu seiner selbstständigen Handlungsfreiheit abläuft.“ Ein entscheidender Mangel, den die Natur nicht in Griff bekommen hat, ist die fehlende Anpassung an bestimmte Lebensräume. So ohne weiteres kann der Mensch in speziellen Gebieten nicht leben, wie beispielsweise der Eisbär am Nordpol. Er ist also darauf angewiesen, diese Unzulänglichkeiten zu kompensieren und sich Hilfsmittel und Techniken anzueignen. Zum Schutz vor Kälte und Witterungen bedient er sich Kleidungsstücken und um schneller am Zielort zu sein, baut er sich Fahrzeuge. Anstatt sich seiner Umwelt anzupassen, was oft nicht möglich ist, verändert er die Umwelt zu seinen Gunsten und schafft sich seine eigene zweite Natur, die Kultursphäre. Zu ihr zählen alle technischen Mittel, die Sprache und vieles mehr. Diese künstliche Natur hilft dem Menschen überall zu überleben, egal ob im Wald, im Sumpf, in der Steppe, im Gebirge oder auf dem Wasser. Der Mensch ist demzufolge ein Kulturwesen. Kulturlose Menschen gibt es nicht. Zu dem Ganzen ist der Mensch nur fähig, da er ein denkendes, intelligentes Wesen ist, welches voraus schauend plant und aus Fehlern lernt. Um es noch einmal kurz zusammen zu fassen ist nach Gehlen der Mensch ein primitives Mängelwesen, welches sich trotz seiner nieder würfigen Sonderstellung im Tierreich, eine lebensdienliche, veränderte Kultursphäre geschaffen hat, um zu überleben.
Gegenwärtig stellt sich die Frage, wie die Kultur gestaltet wird? Die Antwort die Arnold Gehlen darauf gibt, sind die Institutionen, in denen der Mensch lebt. Hierzu zählen die staatliche Gesetzgebung, Regeln und Normen der Gesellschaft, aber auch die Familie, Ehe und Arbeitsstätte. Sie machen das Verhalten der Menschen erkennbar und durchsichtig und erleichtern und entlasten den völlig reizüberfluteten Menschen. Institutionen schaffen Ordnung und Orientierung und regeln folglich das Zusammenleben in der Gemeinschaft. Man könnte auch sagen, sie funktionieren als haltgebende Verbindungsstücke. Der urtümliche Naturzustand würde den Menschen ausrotten.
..das war das was ich zu deren Menschenbilder geschrieben habe ..