Sonntag, 8. Mai 2011 18:51 Uhr
Ich komme heute nicht in Gang.
Der ganze Tag ist schwer und lang.
Ich bin müde und meine Gedanken foltern mich.
Ich versuche immer wieder aus diesem Prozess auszutreten, schaffe es aber nicht und nieder...
Ich habe große Probleme am Hals. Weiß nicht, wie sie gelöst werden und es fällt mir sehr, sehr schwer, die Kontrolle an eine evtl. höhere Macht abzugeben. Klar, ich hatte große und wundersame Zeichen - von dieser Macht. Aber könnte es nicht meine Einbildung gewesen sein, weil ich mir wünschte von einer höheren Macht geführt und gelenkt zu werden?
So wie als Kind? In der man automatisch von den Eltern gelenkt und gleitet wird? Entstand hier der Prozess, da gibt es etwas Größeres als mich? Darauf kann ich vertrauen, denn da wird alles gut? Egal welchen Bock ich baue, diese Macht bringt alles wieder in Ordnung.
Doch Jetzt bin Ich erwachsen. Da gibt es keine Eltern mehr, die mich schützen könnten. Klar, sie leben noch, aber dennoch habe ich jetzt die eigene Verantwortung. Ich kann nur selbst bestimmt durchs Leben gehen, wenn ich alles mit einschließe. Wichtig ist dabei eben der Faktor, da gibt es keine Eltern (keinen Gott) mehr, die irgendwas für dich gerade biegen. Du musst es allein schaffen oder du ertrinkst im Strudel und wirst nicht mehr erwachen.
Wann beginnt dieser Prozess? Ausgezogen bin ich mit 19. Ich hatte damals den Drang aus den Fängen meiner Mutter zu entfliehen. Dieses Aufdrücken falscher Moralvorstellung war mir einfach zu viel.
Heute hab ich keine Ahnung mehr von Moral und Vorstellung. Ich sehe da nur noch mein Inneres, das sich richtig mies anfühlt und mein Äußeres, dass genauso Scheiße ist.
Wie komme ich da also raus, ohne bettelnd und flehend vor meinen Eltern her zu kriechen. Wie komme ich aus diesem Prozess von Selbstzweifeln, (Todes und Verlust-)angst, Horror und Selbstverstümmelung wieder raus?
Woher holt man den Glauben an eine Kraft, die angeblich uns allen innewohnt? Woher holt man die Energie, die es zum Leben, Lieben und Glücklich sein braucht?
Sind die Eltern nicht Sinnbild für Gott? Ist nicht dort der Gedanke entstanden? Da gibt es einen Gott, der uns belehrt, der uns maßregelt und der uns Gebote auftut. Ein Gott, der sagt, da gibt es Gesetze, die zu befolgen sind, sonst landet man unwiderruflich in der Hölle…
Und da sitz ich nun … in der Hölle!
Gleichsam gehe ich gerade zu meinem Sohn, der mich anhält positive Worte zu formulieren, damit er friedlich einschlafen kann.
Also denke ich, Gott ist für Kinder die Erwachsenen, die glauben, sie seien etwas geworden und hätten das Recht zu bestimmen = Vorbilder.
Aber wer bringt mich zum Lachen? Wem kann ich nicht widerstehen, wenn er um Streicheleinheiten fragt? Wem kann ich deutlich sagen, meine Grenzen sind hier und nicht dort. Wem kann ich immer und zu jeder Zeit meine Zeit schenken und alles hinter mich lassen.
Wer bringt mich dazu, weiter zu machen und nicht aufzugeben, wer ist in der Lage mich wieder auf den Boden zu holen?
Ist es nicht Gott = mein Kind?
Es bringt mich unweigerlich zu der Erfahrung, dass ich Gott für meine Eltern war und mein Sohn jetzt für mich Gott ist.
Suchst du also jemanden, an dem du dich orientieren kannst, dann schau auf dein(e) Kind(er).
Sie sind die reine Essenz. Sonst nichts. Sie haben das menschliche Ego(zentrische) Bewusstsein nicht. Sie handeln frei nach ihrem Gefühl. Sie handeln frei nach ihrem Empfinden. Sonst nichts.
Selbst wenn sie sich aus einer Situation befreien wollen, in der sie nicht gehören wollen, überwinden sie diese mit unendlicher Kraft. Sie bringen etwas fertig, was wir „Erwachsene“ nicht mehr schaffen.
Mein Sohn viel heute wortwörtlich aus der Badewanne. Wie das geht?
Er lehnte sich mit seinem nassen Körper aus der Wanne, nur weil er die Musik seiner Lieblingsmusik hörte, die gerade im Fernseher lief.
Er schlug hart auf, hatte eine rote Hüfte und sonst nichts.
Es machte ihm nichts aus. Aber dann kam ich (sein Gott), die ihn maßregelte – zurück in die Badewanne. Schwimme noch etwas. Dann darfst’ noch fernsehen.
Scheiße… Erkenntnis tut sehr weh!
Wir haben alle den eigenen und freien Willen! Das macht uns zum Menschen. Wir entscheiden selbst über uns, ab dem Tag der Geburt.
Natürlich gebe ich diesen Willen eine zeitlang ab. Ich sehe da meine Mutter, die mich in sich trug. Oder ich sehe mich selbst, die ein Kind in sich trug. In dieser Phase kannst du als Mensch nichts machen außer abwarten bis der Startschuss in ein eigenes Leben los geht. Schon hier entscheidet das Kind! Nicht die Mutter. Das Kind entscheidet, jetzt ist der Tag gekommen, an dem ich mich selbst verwirklichen will. Und schon am ersten Tag, in der ersten Minute, Sekunde, entscheide Ich. Und dabei berücksichtigt das Kind die Empfindungen der Mutter und gibt Acht.
Mein Sohn ist per Kaiserschnitt geboren. Er wusste ganz genau – meine Mama hält keine Schmerzen aus. In einem Zustand völliger Betäubung komme ich zur Welt, einfach nur deshalb, damit sie keine Schmerzen hat.
Als nächstes wusste er, sie wird Angst vor mir haben. Ich bin etwas Neues: Unbekanntes Terrain. Also schicke ich um jemanden, der keine Angst vor Neuem hat: meine Oma! Und weil die Oma der Gott meiner Mutter ist: Wird sie es annehmen und akzeptieren…
In diesem Moment dieser Zeilen, werde ich meiner eigenen Ängstlichkeit vor diesem Leben bewusst. Ich wollte gerne offen sein, bin es aber nicht. Ich wollte gerne frei sein – bin es aber nicht – beschränke mich selbst nur noch mehr.
Lege mir Ketten und Fesseln an Fuß und Arm und Hals. Schicke immer Jemanden vor: Prüfe bitte: kann ich da durch gehen oder nicht? Halte ich das aus, oder nicht? Ich frage Andere – nicht mich selbst.
Meine Mutter (mein Gott) lachte als sie meinen Sohn sah! Er pinkelte und kackte und begrüßte damit die Welt.
Damit die Ironie der Geschichte weiter geht: Als ich ihn zum ersten Mal sah - eine Mutter (mein Gott =) legte mir meinen Sohn (ich bin sein Gott) in die Arme. Das erste was ich sah, waren abgrundtiefe blaue Augen. Für einen Moment lang dachte ich, ich hätte in seinen Augen die Milchstraße im Universum gesehen – dann Sterne. Womit ich mir gleichsam erklärte, warum mein Sohn Cosmo heißen wollte.
Gehe ich also nun weiter auf meiner philosophischen Reise. Ich hatte riesigen Respekt vor diesem Kind. Ich sah ihn auf dem Gipfel, mich ganz unten.
Und bis zum heutigen Tag ist das auch so geblieben. Er ist auf dem Gipfel – ich ganz unten.
Was soll ich also tun, damit ich zu ihm auf den Gipfel hinauf steigen kann?
Welche Steine werden mir entgegen Rollen und mich wieder hinab werfen?
Das Einzigste was ich tun kann, es immer wieder versuchen und hoffen, dass ich es schaffe.
Und zwar bevor er her runter steigt, aus Mitleid, weil es sein Gott nicht hinauf schafft.
So komme ich zu dem Entschluss: Wir sind alle Götter! Wir alle sind Götter! Wir alle!
Jeder auf seine Weiße. Mein Sohn ist ein Gott des Universum, der Sterne, des Neubeginns und des Mitgefühls.
Ich war das auch einmal…
Aber ich hab mich hinunter begeben, bis auf den Abgrund und nun drohe ich zu ertrinken. Ich sehe mich unter Wasser und weis den Weg an die Oberfläche nicht zurück. Ich gewöhne mich sogar langsam daran und empfinde dieses Dasein unter Wasser als angenehm. Die Welt dort ist leise und seicht. Ruhig und immer schwimme ich mit dem Wasser.
Jedesmal wenn ich versuche aufzutauchen, weil ich denke, hier ist kein Leben, weil es nicht mein Leben ist, kommt eine Welle und reißt mich wieder in die Tiefe des Ozeans…
Was tue ich also jetzt, wo ich doch Gott bin und es noch einen weitern gibt?
Gehe ich den Weg meines eigenen Wertbildes weiter, hoffe ich auf eine starke Welle die mich ans Ufer spült oder versuche ich einen ganz anderen Weg zurück zu kehren in diese Welt?
Hinauf auf den Berggifel – ganz nah beim Universum…
Gehe ich einen Weg, den vorher noch kein Fisch schaffte?
Können Fische auf einem Berg überleben? Ja sie können – wenn man ihnen dort einen kleinen Teich errichtet. Aber die Aussicht von dort ist wesentlich spannender. Sie haben ihre geschütze Welt umsich und gleichzeitig Aussicht auf eine Andere!
