Ein Baum

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Ein Baum

Beitragvon Fordo » Di 1. Feb 2011, 23:40

Ich sitze auf meinem Bett; Schaue aus dem Fenster und sehe wieder diesen Baum, den ich immer wieder wahrnehme. In Momenten, stillschweigenden Paradoxen, die es wert sind unterschätzt zu werden. Da ist immer dieser Baum. Ein typischer Baum. Nichts Besonderes; Tatsächlich und unvollkommen. Wäre er vollkommen würde ich mir Sorgen machen, doch ist es nur dieser gewöhnliche Baum. Bricht zusammen in einer Welt die ihn so hinnimmt, wie er ist - Wie er an sich ist. Wie er dort steht und unvollkommen die Jahreswenden herbeisieht. Diese Welt mit ihren Individien - sie durchdringt die Austrahlung des Baumes und erkennt keinesfalls eine Fremdheit. Sie will ihn zwar bewundern, allerdings ist diese Fremdheit wie ein Gleichnis aus Sand und Wasser. Zerinnt in der nicht aufhaltenden Zeit. Geht verloren, kehrt aber wieder ein. Immer wenn er sich in der Strömung einer irdischen Luftzirkulation bewegt, zeigt er sein mächtiges Werkzeug. Doch ist er genauso gewöhnlich wie die Zeit, die ihn beeinflusst. Zeit als Werkzeug der menschlichen Betrachtung.
Ich sitze also dort und lasse mich manipulieren. Ich denke mir einen Sinn in diesen Baum, kann ihn aber nicht klar erkennen. Erschreckend ist aber der Zeitpunkt, andem ich die Fremdheit seiner Existenz erkenne. So hat dieser eine Baum einen Sinn. Er gibt Luft. Das ist der höchstgestellte Sinn, den ich im ersten Augenblick, im ersten Angesicht vernehmen kann. Weitaus weiter kann ich dort in die Vergangenheit seines Gleichen blicken. Die Zeit trieb ihn vorran. Gibt der Baum der Zeit nun einen Sinn, vermag ich vielmehr der Zeit einen Sinn zugeben. Sie ist die Kraft, die alles vorrantreibt. Das ist meine Gewissheit. Fremd wäre der Ausblick aus meinem Fenster jedoch, wenn es diesen Baum nicht gäbe. Die Betrachtung wäre eine völlig andere, aber mit der Gewissheit es gab einen Baum. Wäre die Gewissheit nicht dort, wäre die Fremdheit keine Fremdheit sondern eine Gewohnheit. So zeigt sich die Macht, die sich in der Gewohnheit verbirgt. Schwerwiegende Probleme gäbe es, wenn die Gewohnheit die einzigste Macht beinhaltet, die dem Baum den Sinn seiner Existenz gibt.
Letztenendes überlege ich also in diesem Moment, ob ich die Schuld sozusagen in der Zeit finden kann.
Die Zeit liefert die Begründung für die Gewohnheit der Dinge an sich.
Was sehe ich? Der Baum zur Grundlage der Realität außerhalb meines Zimmers und der gewohnten Sorge um die Dinge, die sich dort abspielen. Er ist also in diesem Moment die markanteste Ästhetik in dieser Welt. Ist er nicht vorhanden, entfällt die Realität und sie wird widersprüchlich. Rein Optisch würde dieses Merkmal ein Loch in die Realität reißen. So spielt die gewonnene´Erfahrung also einen Film ab. Der Baum muss dasein, oder ich bin verrückt. Weiß ich aber, dass ich verrückt bin, würde ich den Zweifel in mir und nicht außerhalb von mir suchen. Der Zweifel durchläuft die tiefste Bewusstseinsebene, die ich in diesem Moment klar erkennen kann. Er lässt nicht ab von alten Sitten, sondern zerreist das gewohnte Gefühl in Bruchteile seiner Konsequenzen. Der Zweifel verbirgt die Wahrheit, lässt mich nicht an das glauben, was absolut vorhanden ist.
Im Zweifel der Informationen zeigt sich die große Sinnesflut von Eindrücken, die negativ auf den Kern der Erkenntnis einwirken.
Ein Baum vermag also die Existenz meiner klaren Erkenntnis zu zerstören.
Fordo
 

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Re: Ein Baum

Beitragvon Gast » Mi 2. Feb 2011, 10:12

Der Baum vor meinem Fenster. Ein Baum hat keinen Sinn. Seine Äste schwanken leichthin im Wind. Dahinter morgendlicher Nebel.

Der Stamm ist naß, die Nebelschwaden kondensieren an der Rinde. Noch trägt er keine Blätter, es ist Februar. Das Licht des Vormittags, das den Nebel durchdringt, schafft eine unwirkliche Szenerie.

Es ist 9 Uhr 3. Die Zeit könnte stillstehen, stattdessen schreit sie danach, dass etwas passiert. Geräuschvoll biegt ein Auto auf die Auffahrt aus Kies. Nein, das habe ich mir nur eingebildet. Es passiert weiter nichts.

Der Baum hat keinen Sinn. Seine Äste schwanken leichthin im Wind.
Gast
 

Re: Ein Baum

Beitragvon plotin » Mi 2. Feb 2011, 19:54

.....Der "Baum" vermag es nicht zu berühren, er vermag es nicht aufzuwühlen, auch vermag er es nicht durchzudringen. Er......kratzt
bloß. Alles natürlich subjektiv.....

meint m.f.g. plotin
Wer glaubt das er alles gefunden hat, hat nie gesucht.
plotin
PhilMod
 
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Re: Ein Baum

Beitragvon Gast0815 » Mi 2. Feb 2011, 21:58

Der Sinn des Baumes, der Zeit und deren Beziehung zueinander wird in Deinem Geist erst definiert. Daneben gibt es vielleicht keinen.
Was die Erkenntnis zerstört wäre m.E. die prüfende Logik Deines Geistes, denn die Erkenntnis ist nur in ihm. Der Plausibilitätsüberprüfung mit alten Erkenntnismustern hält die Beobachtung nicht stand (Zweifel). So müsste nach einer neuen Erklärung gesucht werden damit das innere Bild des Geistes (die Vorstellung der Realität) wieder stimmig und plausibel erscheint, notfalls bei sich selbst.

Sieh Deinen Geist als selbstständig arbeitendes Organ Deines Körpers. Alle Logik, alle Begründungen, alle Einsichten und Eindrücke sind seine Behauptungen. Manchmal steht Dein ICH beobachtend daneben.

MFG

Günther
Gast0815
 

Re: Ein Baum

Beitragvon Fordo » Do 3. Feb 2011, 17:58

Ich stehe am Fenster, schaue auf diesen Baum, der zugleich so wunderschön und gewöhnlich ist.
Die Sonne versucht schon wieder die Überhand zu bekommen, einen neuen Tag zu beginnen, doch ich wünsche mir, sie könnte einfach stehen bleiben.
Verweilen in diesem Moment des Übergangs. Die Welt weiter schlafen lassen. Der Baum wirkt als Schatten auf mich ein. Die kühle Luft lässt mich frieren, aber zugleich auch sorglos werden. Fernweh ergreift mich. Ich möchte weg, weit weg. Wohin?
Alles ist verschwommen. Ich möchte mich weder dafür interessieren woher ich komme, noch wohin ich gehen muss, wenn die Zeit sich weiter dreht.
Wohin möchte ich auch? Die Zeit dreht sich überall, die Menschen drehen sich mit der Zeit und die Menschen sind überall.
Der Moment ist vollkommen, aber auch unvollkommen, weil er vergänglich ist, wie alles vergänglich ist. Und ich weiß genau, dass ich schlafen werde. Und der Schlaf wird mich vergessen lassen.
Am nächsten Morgen sieht die Welt wieder anders aus. Sie sieht gewöhnlich aus und der Alltag wird wieder meine Individualität zerfressen, meine Träume aufgeben, wie er es immer macht.
Meine eigene Welt geht unter in der Welt in der alle Leben, der „normalen“ Scheinwelt, die mir zeigt, dass ich g ut bin, weil ich so bin, wie alle anderen Roboter.
Fordo
 

Re: Ein Baum

Beitragvon Baum » Do 3. Feb 2011, 19:49

Ich, der Baum, habe nicht oft so angenehm vertraute Worte gespürt. Wäre unser Geist verwandt, wir könnten reden, eine ganze Zeit. Nur kenne ich deine Sprache nicht und du kennst meine nicht.... wenn du dich nicht öffnest, dich gibst, in deinem Menschenkostüm du verbleibst. Sei ein Mensch, wie ein Baum und gebe dich auch dem Äußeren hin. Am Ende deiner Zeit verlässt du das Denken und ich nehme dich auf in mein Geäst.
Baum
 

Re: Ein Baum

Beitragvon Gast0815 » Di 8. Feb 2011, 23:14

Hallo Fordo,
waren Deine Texte, deine Gedanken, ein Experiment?
Mir war so als wenn die Antwort des Baumes gut dazu passte. Ich hoffe, sie war nicht zu schockierend. Und ich hoffe auch, ich habe nicht gegen eine Forenregel verstoßen.

Heute habe ich durch Zufall und zu meinem Erstaunen festgestellt, dass meine momentanen Ansichten sehr dem Relativismus ähneln. Ich gab „Geist“ + „relativ“ bei Google ein und landete direkt beim Relativismus. Mir kommt es vor als ob das Wissen der Menschen keine absolute Basis hat. Als säßen wir in einem U-Boot in einem uns unbekannten Meer. Überall Wasser und ich picke einen Tropfen heraus, betrachte ihn und glaube fälschlicher Weise damit das Meer erkennen zu können. Meines Erachtens müsste jede Aussage eines Menschen damit enden: ….zur Basis der vorgestellten Realität von....

Mir ist bewusst, dass meine philosophischen Ansichten sich seit einigen Jahren ändern. Ich bin Laie auf dem Gebiet der Philosophie mit all ihren Ausprägungen aber es interessiert mich immer mehr. Irgendwann habe ich mich dann gefragt ob menschl. Geist menschl. Geist überschauen kann, ob es Möglichkeiten gibt mehr Objektivität bei der Betrachtung des menschlichen Geistes zu finden. So bin ich in diesem Forum gelandet um Antworten zu finden.

Zufällig lief heute Abend auf BR-Alpha im @-Forum ein Talk mit einem Wissenschaftsjournalisten über das Thema Pflanzen. Wirklich erstaunlich, was Pflanzen können und was in ihnen vorgeht. Nachgewiesen ist z.B. der Informationsaustausch zwischen Blatt und Wurzel auf elektrischem Wege. Die Signale sollen denen die man beim Menschen misst ähneln. Aber meine Baumworte sind vorher entstanden....natürlich reine Erfindung.

Deine Texte fand ich sehr interessant. Die Gedanken konnte ich gut nachvollziehen.
Allerdings habe ich nicht gewusst, was Du erwartet hast. Es war keine Frage zu sehen...

Gruß

Günther

Einen Dank auch an die Leitung des Forums für das Vorhandensein dieses Forums.

Das Paradoxe ist, dass die Menschen selbst ohne Widerspruch dieses Wort schufen.
Gast0815
 

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