Aufklärung: Vernunft und Empfindsamkeit

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Aufklärung: Vernunft und Empfindsamkeit

Beitragvon Herkules » Di 7. Jun 2011, 17:10

Hallo,

Ich kenne mich leider nicht allzu genau mit den verschiedenen Strömungen der Aufklärung aus. Daher hat sich bei der Lektüre von Lessings Dramen eine Frage bei mir aufgetan: Wie sieht das Verhältnis von Vernunft und Empfindsamkeit in der Aufklärung aus? Ich bin bisher ausgegangen, dass die Aufklärung im Kern die Vernunft als Mittel der Erkenntnis hat. Der Mensch wird als vernunftbegabtes Wesen gesehen, der seine Unfreiheit durch die Ratio überwindet. Wie passt dazu die gleichzeitige Bedeutung der Empfindsamkeit, also einer sensualistischen Strömung/Tendenz? Sie müsste ja eigentlich im Widerspruch zur Vernunft stehen, oder wenigstens in einem extremen Spannungsverhältnis. Wie kann ich es also verstehen, dass beides wichtige bestandteile der Aufklärung sind.

Ich freue mich schon auf eure Antworten.

Vielen Dank!
Herkules
 

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Re: Aufklärung: Vernunft und Empfindsamkeit

Beitragvon Scharawareck » Di 14. Jun 2011, 14:41

Herkules hat geschrieben: Wie sieht das Verhältnis von Vernunft und Empfindsamkeit in der Aufklärung aus?


Ein typisch generationskonfliktbehaftetes Verhältnis: Der alte Oberlehrer Kant wettert "Ratio statt Emotio". Der junge Schiller schreit mit Sturm und Drang "Emotio statt Ratio" zurück.
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Re: Aufklärung: Vernunft und Empfindsamkeit

Beitragvon Fordo » Mi 15. Jun 2011, 10:36

Vernunft sollte nicht die einzige Qualität des Menschen bleiben. Der junge Schiller, der junge Goethe, J.G. Herder und einige weitere Persönlichkeiten gründeten im Kampf gegen politische, gesellschaftliche, moralische und geistige Freiheit die Sturm und Drang Strömung. Es ging dabei besonders um die Selbstverwirklichung des "genialen Menschen". Denn der einseitige Rationalismus der Aufklärung bot keinen Spielraum für kreative und "menschliche" Gefühle.
In erster Linie wurde also wieder Wert auf Ursprünglichkeit, Individualität und Gefühl gelegt. Symbolisch gesehen war es ein Konflikt zwischen Kultur (Verstand, Vernunft) und Natur (der schöpferische, kunstschaffende Mensch). Themen der Sturm und Drang Autoren waren dabei vor allem Themen, die die menschliche Natur betreffen oder soziale Unterschiede in Hinblick auf das "Genie" (der geniale Mensch, der an den Widrigkeiten der, durch die Aufklärung geprägten, Gesellschaft scheitert.)

„Das Herz schlägt früher, als unser Kopf denkt – ein guter Wille ist brauchbarer als eine noch so reine Vernunft."
-J.G Hamann

LG Fordo
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Re: Aufklärung: Vernunft und Empfindsamkeit

Beitragvon Geronimo » Do 8. Sep 2011, 20:11

Herkules hat geschrieben:Wie sieht das Verhältnis von Vernunft und Empfindsamkeit in der Aufklärung aus?


Je mehr der Mensch des ganzen Ernstes fähig ist, desto herzlicher kann er lachen.
Arthur Schopenhauer (deutscher Philosoph, 1788 - 1860)
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