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 Betreff des Beitrags: Nietzsches Atheismus in Frage gestellt
BeitragVerfasst: 13. Juni 2008, 00:45 
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Registriert: 13. Juni 2008, 00:43
Beiträge: 1
Hallo, ich werde demnächst mein mündliches Abitur haben. Dort muss ich eben das Thema in der Überschrift behandeln. Ich habe etwas ausgearbeitet, was ich in etwa so vortragen werde.
Wäre um Anregungen und Tipps, vor allem um Verbesserungen sehr sehr dankbar!! Ich habe nämlich nicht sonderlich viel zu diesem Thema gefunden, und das was ich persönlich aus Nietzsches Werken habe ist sehr wenig. Liebe Grüße
Lex


zu Nietzsche. In seiner autobiographischen Schrift Ecce Homo schreibt er: „Ich kenne den Atheismus durchaus nicht als Ergebnis, noch weniger als Ereignis, er versteht sich bei mir aus Instinkt.“ Schon hier wird deutlich, wie Nietzsche den Atheismus begreift. Die Frage nach dem Dasein Gottes wird von ihm, wie auch von den atheistischen Strömungen des 19 Jahrhunderts überhaupt nicht mehr gestellt. Als Selbstverständlichkeit die vorentschieden ist, und über die man nicht diskutieren muss, geht er von der Nichtexistenz Gottes aus. Gott wird, Nietzsches Meinung nach, durch das Glauben der Menschen an ihn aufrechterhalten. Wenn dies nicht mehr der Fall ist, stirbt er. Der Mensch schaltet dann Gott aus, um in den vollen Besitz seiner eigenen Größe zu treten, die er sich durch den Gottesglauben vorenthalten wähnt. Mit dem Sturz Gottes soll ein Hindernis der eigenen Freiheit beseitigt werden. Der berühmte Ausspruch „Gott ist tot“ des „tollen Menschen“ geht einher mit einer Beschreibung der schrecklichen Folgen des Verlustes vom Glauben an Gott. Die explizite Leugnung der Existenz Gottes war eben nicht nur irgendeine beliebige philosophische Aussage, sondern führte zunächst einmal dazu, dass vieles, was zuvor religiös legitimiert war, fundamental unklar und unsicher werden musste – insbesondere Lebensordnungen wie Ehe und Familie oder die Staatsordnung einer Monarchie von Gottes Gnaden. Nietzsche treibt diese Verunsicherung an anderer Stelle auf die Spitze, wenn er grundlegende Werte des Abendlandes wie die soziale Fürsorge für andere Menschen als besonders hinterlistigen Einfall der Schwachen denunziert, die so die Starken leichter unterdrücken können. Die Religion somit ein Einfall des Menschen, um andere zu unterdrücken.

Er sieht den Atheismus als Selbstüberwindung des Christentums und begreift den Atheismus als Wagnis, sich in das reine Nichts fallen zu lassen, dorthin, wo nichts mehr hält und trägt.
Atheisten im Sinne Nietzsches sind nicht jene „neuen Atheisten“, die gegenwärtig – wie der Oxforder Biologe Richard Dawkins – den Gott der Christen als mentales Beiprodukt der Evolution ohne ein reales Fundament interpretieren wollen. Denn hier wird ein „wissenschaftlicher Atheismus“ postuliert und jedes Element von Wagnis bei diesem Unternehmen geleugnet. Atheisten im Sinne Nietzsches waren auch nicht die Nationalsozialisten noch die Staatssozialisten, weil beide an die Stelle der fundamentalen Unsicherheit nach dem Tode Gottes die vorgeblichen Sicherheiten neuer, unumstößlicher Heilslehren setzen. Nietzsche beschrieb mit seiner höchst eindrücklichen Szene vom tollen Menschen den Atheismus exakt so, wie kritisch gläubige Christen ihren Glauben beschreiben: als Wagnis.

Nun werde ich den Atheismus des Friedrich Nietzsche kritisch beleuchten und in Frage stellen. Ich werde versuchen darzulegen, dass seine Einstellung auf keiner fundierten Basis beruht, dass man aber auch keine handfesten Beweise hat, die die Existenz Gottes zu belegen.
Nietzsche war unbestreitbar ein Atheist. Nur hat er seinen Atheismus eigentlich begründet? Nein. Er hat seinen Atheismus nicht eigentlich begründet, sondern als gegeben vorausgesetzt. Er geht von der Nichtexistenz Gottes aus, ohne begründete Aussagen zu machen, weshalb. Die Auffassung, dass Gott nur durch den Glauben der Menschen an ihn aufrechterhalten wird, ist eine schlichte Behauptung, ohne handfeste, folgerichtige Beweisführung. Für ihn ist das Christentum eine reine Fiktionswelt, das die Wirklichkeit fälscht, entwertet und verneint. Doch hier wird wieder nur behauptet, nicht eigentlich begründet, wie das Christentum diese angeblichen Tatsachen vollbringt. Man muss allerdings beachten, dass die Frage der Begründung seines Atheismus Nietzsche gar nicht interessiert hat. Nicht um einen Beweis der Nicht-Existenz Gottes ging es ihm, allenfalls um eine historische Widerlegung des Gottesglaubens. Denn für ihn war mit der Antwort auf die Frage „Woher kommt der Gottesglaube?“ auch dieser Glaube selbst erledigt. Die Antwort auf diese Frage gibt er selbst. Für ihn kommt der Glaube an Gott aus zwei Quellen: dem Machtgefühl und dem Ohnmachtgefühl des Menschen. Selbst wenn die Existenz Gottes bewiesen wäre, würde das an seiner Einstellung nichts ändern: der Gott des Christentums bleibt unannehmbar! Dazu schreibt er: „Wir leugnen Gott als Gott…Wenn man uns diesen Gott der Christen bewiese, wir würden ihn noch weniger zu glauben wissen.“ Das Wesen Gottes ist für ihn also gleichsam der Gegenbeweis zu Gottes Existenz. Dies ist ein Widerspruch in sich, der den Geisteszustand Nietzsches deutlich machen könnte, der sich immer mehr verschlechterte. Dazu kommt noch, dass Nietzsches Kenntnisse in Theologie und Kirchengeschichte nicht der Schwere seiner Anklage entsprechen. Nietzsche will verletzten. Er fällt Pauschalurteile und ist getrübt durch seinen antireligiösen Fanatismus.


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 Betreff des Beitrags: Re: Nietzsches Atheismus in Frage gestellt
BeitragVerfasst: 31. Juli 2008, 19:34 
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Registriert: 14. April 2008, 13:03
Beiträge: 9
Ist schön geschrieben.
"Die Auffassung, dass Gott nur durch den Glauben der Menschen an ihn aufrechterhalten wird, ist eine schlichte Behauptung, ohne handfeste, folgerichtige Beweisführung."
- Ich bezweifle, dass 'ein Nietzsche' sich hierzu nie näher geäußert hat.
- Außerdem ist diese Annahme Nietzsches absolut folgerichtig, wenn wir eine Selbstoffenbarung Gottes ausschließen. Denn dann ist dieser Glaube einseitig, und Gott wird bzw. der Begriff Gott wird vom Menschen am Leben gehalten.

"Für ihn ist das Christentum eine reine Fiktionswelt, das die Wirklichkeit fälscht, entwertet und verneint."
- ist es nicht eher ein 'bewerten', denn Werte 'an sich' sind nicht existent.

"Dies ist ein Widerspruch in sich, der den Geisteszustand Nietzsches deutlich machen könnte, der sich immer mehr verschlechterte."
- Eine sehr gewagte Behauptung.

Naja, dass sind einige Punkte, meine Meinung dazu.

Ich finde Nietzsche wird hier viel zu oberflächlich bewertet. Der Autor macht den Eindruck, Nietsche nicht genau genug studiert zu haben. Das sage ich als Laie.


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 Betreff des Beitrags: Re: Nietzsches Atheismus in Frage gestellt
BeitragVerfasst: 4. August 2008, 10:56 
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Registriert: 23. Oktober 2006, 21:27
Beiträge: 56
~räusper~ : Der Antichrist ...

In diesem Buch hätte man vermutlich die nötige Begründung für Nietzsches Atheismus vorfinden können, hätte man sich eingehender mit ihm befasst. Was natürlich das Problem dieses Aufsatzes darstellt. Der Autor stellt Nietzsche hier an den Pranger und bewirft ihn fälschlicherweise mit Phrasen wie " Ist Nietzsches Atheismus begründen ? - nein !!! er setzt ihn quasi voraus !!", was nach meiner Ansicht und nach dem Lesen des oben verlinkten Buches ganz und gar nicht der Fall ist.
Demnach sei die Quelle des Autors angezweifelt; ich tippe auf Wikipedia.
Mich würde der Ablauf der Prüfung nach solch einer Vorbereitung interessieren.

Guten Tag,
silent.

_________________
You have three choices in life: Be good, get good or give up.


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